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Archiv der Kategorie Zeitungsartikel

Eine kluge und einfallsreiche Inszenierung

Im Augenblick ist es hier sehr still- weil es anderswo sehr turbulent zugeht, nämlich in der Theater-AG. Nach einer wirklich mehr schlechten als rechten Generalprobe haben wir am Dienstag mit unserer Inszenierung von Shakespeares Sturm Premiere gefeiert. Und zwar eine unglaublich gelungene. Nicht nur das; auch die zweite Aufführung, die ja den Ruf hat, immer die schlechteste zu sein, war fast noch besser (wenn man von der Panne mit unserem Mikro absieht, die aber so gut wie unbemerkt blieb, weil alle Betroffenen so klasse improvisiert haben!).

Es ist einfach so viel Spannung und Freude da, und all das hat mich vor ein paar Tagen noch mal die ganze Entwicklung Revue passieren lassen, vom stummen, langwierigen Text (der inzwischen bestimmt zu einem Drittel gestrichen ist) bis zum lauten, brausenden, albernen, stillen, nachdenklichen Stück. Es war eine wunderschöne Zeit, die grade von den Aufführungen gekrönt wird, und die Rückmeldung vom Publikum ist toll. Auch der Artikel in der RHEINPFALZ vom 04.06. ist voll des Lobes, und weil ich so stolz auf uns alle bin - da:

Artikel Sturm

Aber das alles macht mich auch wahnsinnig traurig, weil es das für mich nach diesem Stück dann erst einmal war. Der Applaus, die Vertrautheit mit meiner Rolle, der kleine Zwerg mit riesigem Schluckauf, der immer in meinem Unterbewusstsein rumhüpft, sobald ich die Bühne betrete, die Konzentration, der Funke, der zwischen uns allen hin- und herspringt, jeder einzelne, das große Ganze- es ist so schön und so aufregend und irgendwie ist im Hinterkopf immer der Gedanke präsent, dass das das letzte Mal ist.

Ich finde es so schade, aber es war mir dieses Jahr einfach zu anstrengend, die langen, stickigen Tage im Theatersaal vor und hinter der Bühne für die kurzen Szene auf der Bühne, die ganze Arbeit, die sich zwar gelohnt hat, aber wirklich auslaugend war. Und ich glaube nicht, dass ich das in der 12. noch schaffe. Aber momentan bleiben mir noch vier Aufführungen in der Schule und eine letzte in Heidelberg, und immer der kleine Trost: vielleicht später wieder. Aber wehmütig bin ich doch.

Die Judith von Shimoda

Kurz zusammengefasst für alle, die nicht den ganzen Beitrag lesen wollen - was ich im Prinzip immer und immer wieder sagen werde, ist sinngemäß: die haben mich gestern so aus den Socken gepustet.

Noch mal eben zur Erklärung. Wir nehmen mit der Theater-AG und unserem Stück Antigone an den 24. Schülertheatertagen Heidelberg teil (bzw. inzwischen müsste das wohl eigentlich in der Vergangenheit stehen :/), wo jede Gruppe auch eine Partnergruppe zugeteilt bekommt. Ausgewählt wird das wohl nach dem inszenierten Material, gemeinsamen Themen, ähnlichem Theaterverständnis… ich kann jetzt nur mutmaßen, aber bei unserer Gruppe hat das alles gepasst. “Unsere Gruppe”, das ist das Oberstufentheater des Hölderlin-Gymnasiums Heidelberg, und man kann einfach nicht oft genug sagen, wie genial die alle sind.

Das aufgeführte Stück ist ein 2006 entdecktes Brecht-Stück, das sich einer Vorlage Yamamotos bedient. Ich klaue einfach mal frech die Zusammenfassung.

QuoteDer japanische Dramatiker und Romancier Yamamoto (1887-1974) veröffentlichte 1930 ein Stück über eine der populärsten Figuren aus der jüngeren Geschichte Japans, die Sängerin und Geisha Okichi. Sie wurde 1856, als die USA das Ende der japanischen Isolation erzwangen und Handelsbeziehungen forderten, ins Haus des ersten amerikanischen Konsuls geschickt, der im Stil imperialistischer Kanonenboot-Diplomatie mit der Beschießung der Hafenstadt Shimoda gedroht hatte. Es gelang Okichi, den Konsul zu besänftigen, aber ihre Landsleute, die dieses Opfer brauchten, waren noch nicht bereit, es ihr zu verzeihen. Deshalb wendet der Dichter, wie Brecht schreibt, „sein Hauptaugenmerk dem Leben seiner Heldin nach der Heldentat zu” – der traurigen Geschichte eines langsamen Untergangs der als ‘Ausländerhure’ Verfemten.

(Quelle: Bertolt Brecht: Die Judith von Shimoda. Nach einem Stück von Yamamoto Yuzo. In Zusammenarbeit mit Hella Wuolijoki. Rekonstruktion einer Spielfassung von Hans Peter Neureuter. Suhrkamp. Frankfurt/Main 2006.)

Die Geschichte Okichis ist in Brechts Fassung ein “Stück im Stück”. Während sich in dieser Inszenierung auf dem vorderen Teil der Bühne das Leben von Okichi abspielt, die erst regelrecht genötigt wird, zum Konsul zu gehen, um anschließend geächtet zu werden, sitzen dahinter und erhöht der Fürst und drei seiner Gefolgsleute, die sich das Schauspiel zu Gemüte führen. (Übrigens ein sehr aufwendiges Bühnenbild für eine Schulproduktion - komplett mit einer Rampe, Metallgerüst und dem sehr gelungenen Einsatz von viel Stoff). Nachdem Okichis Heldentat erzählt ist, besteht die amerikanische Journalistin darauf, weitere Szenen aus deren Leben zu sehen, woraufhin die Regisseurin des Stücks im Stück dies kurzerhand organisiert.

Ausnahmslos alle Schauspieler haben ihre Rollen wunderbar gelebt. Schönes Zusammenspiel gab es eigentlich zwischen allen, niemand hat sich da besonders versucht, in den Vordergrund zu rücken, und so wirkten die Beziehungen zwischen Okichi und ihrem Verlobten, zu ihren Freundinnen und auch zu den Politikern, die da ihre Drähte zogen, sehr gut und sehr echt. Größter Respekt gebührt vor allem den fünf, die immer auf der Bühne waren, aber nicht immer “dran” waren: der Regisseur, der Fürst, der Professor, die Journalistin, und - wie sie im Nachgespräch so treffend genannt wurde - die “Krähe”. Aber selbst wenn der Fokus nicht auf ihnen lag, blieben diese fünf immer in ihren Rollen, waren immer präsent und ließen sich auch kleine Späßchen einfallen. Besonders schön war der Professor, der während einer Liebesszene zwischen Okichi und ihrem Verlobten mit einem Schuh auf sich selbst einprügelte (diese äußerst verkitschte Szene wurde ihm zuliebe dann noch einmal gespielt, aber mit völlig anderem Ton, wütender und kraftvoller - ein Beispiel dafür, wie unterschiedlich Text interpretiert werden kann), aber auch die Krähe, die die ganzen zweieinhalb Stunden mit seltsam verzogenem Gesicht dasaß, war ein absoluter Höhepunkt.

Wobei wir dann auch schon bei der einzigen Kritik wären - mit den zweieinhalb Stunden. Dies war wohl die kürzeste Aufführung des Stücks, die die Gruppe bisher hatte (auf Zug gespielt). Leider hat sich die Länge eben manchmal auch negativ ausgewirkt. Es gab im zweiten Teil des Stücks hin und wieder kleine Längen, Stellen, wo ich dachte “Ja, jetzt könnte es aber bald aufhören”. Allerdings haben das alle durch ihre Komik und Bühnenpräsenz wieder wettgemacht.

Was mir auch gefiel: dass sich die Schauspieler auf/neben der Bühne umgezogen haben. Das hat sehr gut in die Atmosphäre des Stücks gepasst (außerdem war es ja Brecht, wie man uns wiederholt mitteilte) - ein ganz klein wenig hatte ich aber auch das Gefühl, das war ein bisschen für die Jungs. :D

Jedenfalls ein toller, toller Abend, der dann in einer Ballade auf die heldenhafte und reine Okichi ausklang, die es nie gegeben hat. Ich hoffe sehr, dass das the beginning of a wonderful Theaterpartnerschaft war. :)

 

(Übrigens, wen es interessiert: kleiner Artikel über die Eröffnungsrevue/Präsentation der Workshops und Stücke.)

 

meerrauschenhören - Pressestimme

Da am Freitag die Presse bei der Aufführung von meerrauschenhören anwesend war, hatte ich immer im Hinterkopf, dass ich deren Reaktion unbedingt googlen muss. Und Glück gehabt: sie ist tatsächlich auch online zu lesen.

Vor ausverkauften Reihen erntete die Eigenproduktion der Jugendfestspiele in der Burgruine Landskron begeisterten Beifall. Mit “meerrauschenhören” der erst 19-jährigen Theaterautorin Laura Naumann brachte der “Gaffa”-Theaterjugendclub Oppenheim ein Stück zur Uraufführung, das der Jugend unverstellt “aufs Maul schaut” und deren Leben hier und heute in seinem Zwiespalt, der Ratlosigkeit, aber auch dem Spaß und der Komik zitiert.

Der Artikel ist nicht nur mit Bild, sondern Beate Nietzel war anscheinend auch nicht so kalt wie mir und sie geht ein bisschen mehr ins Detail. Und damit: Glückwunsch, Laura, zu einer so positiven Kritik. :)

Jungblut: Zeitungsartikel

Die Allgemeine Zeitung Ingelheim hat einen Bericht über unsere Lesung geschrieben. Bitte einmal klicken:

Photobucket

Tut mir Leid, ist ein bisschen klein geraten; man sollte es aber lesen können. Wenn nicht, dann bitte kommentieren und/oder eine E-mail schreiben, dann schicke ich’s euch gerne im pdf-Format zu. Danke noch mal an Sebastian fürs Scannen!

Bearbeitet: Ein netter Mensch alias Melly hat mich darauf hingewiesen, dass es den Artikel auch online gibt. Also, wer sich nicht mit dem eingescannten quälen möchte: Link. Danke!

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