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Archiv der Kategorie Schreibwerkstatt

Schülertheatertage Heidelberg - Ohrfeigen, Workshops und Kuchen

Momentan finden in Heidelberg die 24. Schülertheatertage im zwinger3, Heidelbergs Kinder- und Jugendtheater, statt. (Asuführliches Programm hier.) In drei Tagen ist mir dort so viel Schönes passiert - was ich jetzt versuchen werde, in einen Blogeintrag zu komprimieren - und am schönsten ist: noch ist es nicht vorbei. :)

Am Samstag und Sonntag habe ich an Lorenz Hippes Workshop “Lass mich doch in Frieden” teilgenommen, wo es um das Verfassen und Erarbeiten dramatischer Text ging. Da Theatertexte etwas sind, was ich meiner Ansicht nach eigentlich überhaupt nicht kann, habe ich mich kurzerhand für diesen Workshop eingetragen und es auch nicht bereut. Wir haben nicht viel Theorie gemacht, dafür aber viel geschrieben und am zweiten Tag auch viel gespielt. Das, was einen Theatertext ausmacht, habe ich bei Lorenz, glaube ich, ganz gut begriffen, und auch, dass das eigentlich gar nicht so weit weg ist von meinem sonstigen Schreiben. Damit experimentieren will ich auf jeden Fall. Ich freu mich sehr, dass ich den Workshop gewählt habe, auch wegen der anderen Teilnehmer und ein bisschen deswegen:

Zwei Minuten zweiundzwanzig. Ab zwei Minuten zweiundzwanzig geht gar nichts. Ich zähle die Sekunden und das fängt klein an, 1, 2, 3, aber bei 36 zuckt zum ersten Mal mein rechtes Augenlid und dann wird das Zuhören auch anstrengender, weil das Zählen wichtiger wird. 52, sagt der Kopf und ich mag keine Telefone mit Display, weil die das machen für mich, das Zählen, das machen die und dabei ist das doch meins.

Ausschnitt aus einem noch immer ganz rohen 3-Minuten-Text, der im Workshop entstanden ist. Was ich damit machen werde, weiß ich noch nicht, aber dass ich was damit mache, das weiß ich schon. Dafür liebe ich Workshops: dass sie einen Impuls geben, einfach mal zu schreiben.

Neben eigenen Texten haben wir auch Texte geschrieben, die aus sämtlichen Workshoptexten zusammengewürfelt waren, überlegt, auf welche Art und Weise man Texte zu einem Stück verbinden kann, geschrieben, gelesen, geschrieben, gespielt - und letztlich eine kleien Präsentation für die Eröffnungsrevue der Theatertage auf die Beine gestellt. Dass wir in zwei Tagen doch so viel geschafft haben, das war toll.

Die anderen scheinen aber auch viel Spaß gehabt zu haben, wie man während der Revue dann sehen konnte - wo nicht nur die Workshops dokumentiert, sondern auch die Stücke vorgestellt wurden. Da haben wir auch einen kleinen Einblick in das Stück unserer Partnergruppe bekommen, die Die Judith von Shimoda (Brecht, ein Stück, das erst 2006 entdeckt wurde, so weit ich weiß) inszeniert hat. Ich freu mich schon sehr darauf (Donnerstag/Freitag wird es da dann sicher Begeisterungsstürme hier von mir geben!)

Montags, also gestern, war dann unsere Aufführung, für die wir gleich nach der Schule losgefahren sind. Da wir nach dem Schleppen der Requisiten aber noch so viel Zeit hatten, haben wir uns zum “Kaffeeklatsch” begeben (kostenloser Kuchen! Koffein!), wo Didi Sachser dann - als Impulsgeber für die Kaffeeklatschdiskussion - einen Vortrag über Theaterspielflow gehalten hat, ein Phänomen, das zwar durch aus bekannt ist und auch bei anderen Kunstformen schon untersucht wurde, vor allem aber im Theater eine relativ unerforschte Sache ist (und was man durch Ohrfeigen angeblich wunderbar auslösen kann). War sehr interessant und der gute Mann bringt demnächst auch ein Buch darüber heraus. (Von dem ich leider vergessen habe, wie es heißt, aber ein bisschen Didi Sachser und Flow und Recherche…)

Die Aufführung war dann jedenfalls klasse. Unsere Partnergruppe war zwar nicht ganz geschlossen da, aber, wie sich im Nachgespräch herausstellte, auch ziemlich begeistert (vor allem von unserer Doppelbesetzung mancher Rollen, die den persönlichen Zwiespalt darstellt). Neuheit: Im zwinger gibt es hinter der Bühne Lautsprecher/Fernseher, damit man das Bühnengeschehen mitverfolgen kann. Vorher ging das ja nie so, aber da konnte man dann die ganze Aufführung in Bild und Ton mitverfolgen, was auch mal ganz spannend war.

Also: es war toll und morgen wird es noch mal toll. Wir werden uns morgen früh Der Meister und Margarita anschauen, und abends dann eben das Stück unserer Partnergruppe, die Judith von Shimoda. Aber jetzt erst mal: schlafen.

Der lange Atem II - Workshop in Oppenheim

Workshop in Oppenheim, das heißt: viele alte Lieblingsmenschen wiedersehen und viele neue Lieblingsmenschen kennenlernen. Und es heißt vor allem bis zu einem gewissen Grad: sich selbst verstehen. Textkritik ist toll, Textkritik von ganz vielen Leuten, die nicht nur das Wissen, sondern auch das Gefühl haben, ist am tollsten.

Nun, was haben wir gemacht? Mal abgesehen von Lesen, Schreiben und vielen wahnsinnig schlechten Wortwitzen, haben wir erschreckende Statistiken über Mobbingopfer unter Autoren aufgestellt, um ein Uhr in der Nacht mit zum Teil schon etwas angeheiterten Sangria-Trinkern Werwolf gespielt (wer das nicht kennt - man erklärt es am besten live; aber es ist lustig), in fremden Betten gesessen und angeblich mit der Handykamera aufgenommene Kurzfilme geguckt, die erstaunlich gute Qualität hatten, und leider nicht auf der Grundschultreppe gegessen.

Das klingt jetzt wieder so, als wären wir dauerhaft auf Drogen gewesen und hätten nichts Konstruktives gemacht. Dem ist aber selbstverständlich nicht so. Ich habe beschlossen, So was fragt man nicht mehr Luft zu geben (für den langen Atem) und bin gespannt, was dabei rauskommt, ich habe eine Figur in einer neuen Geschichte Mirabelle genannt und außerdem gemerkt, dass ich zu wenig tue. Weil: man lernt ja auch wahnsinnig viel aus der Textkritik, die andere anderen geben.

Unseren verpflichtenden Abstecher zum REWE haben wir natürlich auch gemacht. Zwischendurch haben wir aber die Köpfe und die Kaffeetassen qualmen lassen, zu wenig geschlafen und sehr viel gelacht. Ich vermisse das Rumänisch in Theas Stimme, das Polnisch in Davids und das Russisch in Yulias. Ich glaube, nirgends lernt man so viele schöne Akzente kennen wie da, wo schreibende Leute zusammenkommen. Es sind ja nicht nur die Akzente, die man hört, sondern die, die ein Mensch selbst setzt. Und die zusammenzufalten und in den Koffer zu packen, um sie zuhause wieder herauszuholen und glattzustreichen, ist sehr schön, vor allem wenn sie dem eigenen Schreiben dann Klang geben. So harret also der Dinge, die da kommen werden - denn ich habe vor, zu arbeiten.

Während ich nicht geschlafen habe, habe ich übrigens Knife von R. J. Anderson angefangen und bin schon fast durch. Ein schönes Buch, finde ich, und deshalb geh ich jetzt auch gleich lesen. Aber vorher: Danke, Peter, danke, danke für Oppenheim. :)

Lesung - Wortsalat

Am Freitag, den 30. Januar findet im Literaturhaus Frankfurt die Abschlusslesung des Frankfurter “Schreibzimmers” statt. Das “Schreibzimmer” ist eine Literaturwerkstatt für Jugendliche zwischen 16 und 19 Jahren. Mehr als 120 Schüler haben sich beworben, 26 wurden für die Teilnahme ausgewählt.

Bei der Lesung werden die Ergebnisse der beiden Workshops des “Schreibzimmers” - “Der poetische Augenblick” (Leitung: Norbert Hummelt) und “Wie schreibe ich eine verdammt gute Geschichte?” (Leitung: Ricarda Junge) - vorgestellt.

Es lesen, neben vielen anderen, Nils Fabian Brunschede (tja 2006) und Olga Galicka (tja 2006 & 2008). Mehr Informationen und eine Liste der anderen Lesenden gibt es hier.

Wortsalat | 30. Januar | 19 Uhr | Eintritt frei

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