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Juli 2010
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Nimm ein Bad, Mister Umwerfend

Der eine oder andere weiß vielleicht, dass ich Alan Rickman für immer ergeben bin, und dass alles begann, als er zum ersten Mal Snape spielte. Seitdem habe ich einige Filme mit ihm gesehen, aber noch lange nicht genug, und vor allem eher die neueren. Als meine Mutter mir mal gesagt hat, dass er in ihrer Lieblingsverfilmung von Robin Hood (The Prince of Thieves mit Kevin Costner) den Sheriff von Nottingham spielt, wollte ich die natürlich sofort sehen. Aber der ist leider FSK 16. Und als ich dann endlich 16 war, hat es noch mal mehr als ein Jahr gedauert, bis ich ihn mir endlich angesehen habe. Aber jetzt hab ich! Und Gott, ich konnte diesen Film einfach nicht ernst nehmen! :D

Infolgedessen habe ich natürlich angefangen, alles zu kommentieren. Als Robin Azeem befreit hat, habe ich gleich gefragt: “Die freunden sich doch jetzt an, oder?” Und so ging es immer weiter.

JOHN LITTLE: Ich bin ein bärtiger kleiner Gnom und ich werde dich mit diesem Stab verprügeln, bis du mir deine Halskette gibst!
ROBIN: Das kann ich nicht zulassen! Ich hänge an meinem Schmuck!
ICH: Gleich freunden sie sich an, ich seh’s schon kommen!
PRÜGELEI: zieht sich in die Länge
JOHN LITTLE: Okay, und jetzt lass uns Freunde sein!

MÖNCH: Ich bin ein sehr gefährlicher Mönch! Um meine Bierfässer zu verteidigen, werde ich fast alles tun! Dir meinen Fuß ins Gesicht rammen und dich ins Bein beißen zum Beispiel!
ICH: Der macht doch auch bei denen mit, oder?
MEINE MUTTER: Woher weißt du das immer?

Um ehrlich zu sein haben meine Kindheitserinnerungen geholfen. Wir hatten nämlich mal eine LEGO-Kiste, und auf deren Deckel waren Robin Hood und seine Freunde aufgedruckt. Ich kann mich nicht mehr sonderlich gut dran erinnern, aber an den bärtigen Typen und den dicken Mönch erinnere ich mich noch.

Was mir an dem Film besonders gut gefallen hat, waren die starken Frauen. Zuerst mal war da Fanny (ich glaube, so heißt sie), Littles Frau. Mal ganz abgesehen davon, dass die Gute acht Kinder auf die Welt gebracht hat, weiß sie ganz genau, wie sie mit den Kerlen umspringen muss. Ich habe sie von dem Augenblick an geliebt, als sie einem von Nottinghams Bluthunden mitteilte, ihr Mann sei letzten Winter gestorben - und zwar in einem so sachlichen Ton, dass dem daraufhin auch nichts mehr einfiel. Und was besonders toll war, war, wie sie klipp und klar gesagt hat, dass sie mit den Männern mitgehen und kämpfen wird, statt dabei zuzusehen, wie ihr Sohn aufgehängt wird. Und dann waren da noch Sarah und Marian.

ROBIN: Sei gegrüßt, Marian! Erinnerst du dich noch, wie wir damals immer miteinander gespielt haben? War das nicht toll?
SARAH: Ich seh schon, immer noch der selbe Angeber wie früher.
ROBIN: Tritt ins Licht, holdes Fräulein, damit ich dich sehen kann!
SARAH: trittt ins Licht
ROBIN: Du-
ROBIN: zu sich -bist nicht halb so hübsch wie ich erwartet hatte!
ROBIN: laut -bist ja eine Schönheit!

Marian war dann einfach toll und hätte Robin beinah aufgespießt. Es war schön, dass sie nicht sofort angefangen hat, ihren großen, gutaussehenden Helden anzubeten, ihn und sich aber mit einer List gerettet hat. Während des Films wurde es recht offensichtlich, dass sie problemlos dazu in der Lage ist, sich selbst zu verteidigen, sei es mit Worten oder Waffen. Weder Robin noch der Sheriff hatten leichtes Spiel mit ihr.

ROBIN: Ich habe einen total coolen, geflickten Umhang gefunden und ich finde, ich sehe darin einfach umwerfend aus!
MARIAN: Würdest du mir einen Gefallen tun, Mister Umwerfend?
ROBIN: Selbstverständlich! Was willst du? Soll ich dich auf Händen tragen? Willst du knutschen? Oder-
MARIAN: Eigentlich nichts von beidem. Könntest du ein Bad nehmen?

MARIAN: Wow, das ist so toll! Ich bin im Lager der Geächteten! Mal gucken, was ich hier so anstellen kann.
ROBIN: Guter Schuss, Wulf, aber kannst du das auch, wenn du abgelenkt bist? *kitzelt ihn am Ohr*
PFEIL: trifft trotzdem sein Ziel
MARIAN: Kannst du das auch?
ROBIN: Äh ja, hm… aber klar!
MARIAN: pustet ihn an
PFEIL: fliegt ins Nirgendwo
MARIAN: Gut gemacht, großer Held!

MARIAN: So, jetzt wo ich hier in diesem Baumhaus bin, komme ich wie wieder runter…? Ich muss zurück in mein großes tolles Schloss!
ROBIN: Keine Sorge, ich werde dich in meine starken Arme nehmen und das wird total Tarzan! Und ich habe sogar gebadet!
MARIAN: Nun gut, all diese Anstrengungen verdienen einen Kuss.

Und dann wurde Marian vom Sheriff entführt und zu einem Fräulein in Nöten gemacht, das nur noch dazu gut war, im richtigen Moment dramatisch “ROBIN!” zu schreien.

SHERIFF & ROBIN: haben sich gegenseitig im Schwitzkasten
MARIAN: ROBIN! Pass auf, oder ich sinke gleich ohnmächtig zu Boden!
SHERIFF: MWAHAHAHA ICH WERDE DICH MIT DEM SCHWERT DEINES VATERS TÖTEN!
MARIAN: ROBIN PASS AUF ER HAT EIN GROSSES SPITZES SCHWERT ICH GLAUBE ER WILL DICH TÖTEN!

Ich finde, Marian hätte ruhig ein bisschen Action bekommen können, also den Sheriff mit stumpfen Gegenständen auf den Kopf hauen oder ihm in den Arsch treten oder so was. Alan Rickman war nebenbei bemerkt ziemlich toll! Ich hatte ja keine Ahnung, dass er tatsächlich mal gut aussah! Jedenfalls hat mir sein gnomisches Rumgehüpfe ungemein gut gefallen, ebenso wie seine Wutanfälle. Und ich habe etwas rausgefunden! Will Scarlett (der mit Zipfelmütze einfach umwerfend aussieht) hat auch den nervigen Novizen in Im Name der Rose gespielt. Er hat es wieder gut gemacht! So nervig ich ihn in dem Film fand, so gut war Christian Slater in Robin Hood. Und mit Zipfelmütze sieht er umwerfend aus.

Sherlock HolmesÀ propos scarlet. Heute habe ich A Study in Scarlet von Sir Arthur Conan Doyle gelesen. Mit ihm ist es immer so ein schmaler Grad zwischen Nerverei und Spannung. Es dauert so unglaublich lange, bis er endlich die Auflösung des Falles bekannt gibt, und es fehlt wirklich nicht viel, dass ich vor Aufregung sterbe. Ich wollte am Ende von Teil Eins unbedingt wissen, was eigentlich los war, und dann fängt der an, Jefferson Hopes Geschichte ganz von Anfang an zu erzählen. Ich wäre beinah durchgedreht, aber die Geschichte selbst war auch so spannend und hat mich total gefesselt, so dass das schlussendlich nicht so schlimm war. Ich liebe Sherlock Holmes einfach. Er ist ein bisschen der Monk des neunzehnten Jahrhunderts, wundervoll exzentrisch und intelligent. Und Doyles Geschichten erinnern mich immer ein bisschen an meine Zeit in der Bilingual-Klasse, die in der ganzen Zeit, in der ich schon Englisch lerne, eigentlich die beste war.

His Dark Materials, Narnia, Die Bibel - Parallelen ziehen

Bestimmt langweile ich euch alle inzwischen mit meinen Abenteuern; jedenfalls muss ich ehrlich zugeben, dass es mich ein bisschen langweilt, sie aufzuschreiben. Deshalb wird der heutige Eintrag ein Buch-Post!

His Dark MaterialsIch erzähle ja schon die ganze Zeit immer wieder von His Dark Materials, Narnia und der Bibel, aber jetzt, wo ich The Chronicles of Narnia ausgelesen habe, habe ich beschlossen, mal richtig über die drei zu bloggen. Als erstes - His Dark Materials. Das habe ich als Kind schon mal gelesen (ich muss da so alt gewesen sein wie meine Schwester jetzt - also 12 - die die Bücher auch kürzlich gelesen hat), aber ich glaube, ich habe sie da nicht in dem Ausmaß verstanden, in dem ich das jetzt tue. Was ich an His Dark Materials sehr schätze, ist die starke weibliche Protagonistin, die die Bücher in Lyra haben. Ich fände es aber dennoch besser, wenn sie ein bisschen älter wäre, da sie sich einfach nicht wie eine 11-jährige (bzw. später 12-jährige) verhält, und aus noch einem weiteren, etwas Spoiler-haltigen Grund, den ich nachher noch mal ansprechen werde. Ich bin auch froh, dass Pullman es geschafft hat, ihr einige Talente zuzuschreiben, z.B. die Fähigkeit, das Alethiometer zu lesen, ohne dass sie wie eine Mary Sue wirkt, da die Erklärungen dafür, warum sie das kann, doch recht logisch sind (wenn auch etwas rar).

Ich halte His Dark Materials für einen der wichtigsten Repräsentanten epischer Fantasy, gemeinsam mit Lord of the Rings und The Chronicles of Narnia. Es ist interessant, dass His Dark Materials teilweise sehr wie ein Klassiker anmutet, obwohl es viel später geschrieben wurde. Ich denke, das liegt zum Teil daran, dass Pullman einen Gegenpol zu Narnia schaffen wollte, was er meiner Meinung nach auch ganz gut hingekriegt hat. Die Parallelen sind nicht zu übersehen; ein paar habe ich schon erwähnt, zum Beispiel dass mit Staub alles anfing, und die Existenz vieler Welten nebeneinander, aber auch andere Dinge wie die sprechenden Tiere (die in Narnia einfach “normale” sprechende Tiere sind, in HDM die gepanzerten Bären), dass es Kinder sind, die da zwischen den Welten hin- und herreisen und das Schicksal aller bestimmen, usw. Der große Unterschied ist die Gottessicht. In HDM gibt es keinen richtigen Gott, sondern eine Autorität, die, wenn ich es richtig verstanden habe, ein Engel ist, der mehr oder weniger ein Thronräuber ist. Infolge dessen ist der Kampf gegen die Autorität das, was den Plot treib, und man kann Unmengen an religiöser Kritik in den Büchern finden, wenn man genau hinsieht. Das ist vollkommen okay - man braucht auch kritische Stimmen, um über Dinge nachdenken zu können - aber in manchen Fällen hat Pullman es zu weit getrieben. Da ist dieser ganze Kram über Staub, der von Erwachsenen wegen der ursprünglichen Sünde angezogen wird, also Evas Sünde im Paradies. Und dann ist da noch dieser ganze andere Kram über Lyra, die Eva ist, und einer großen Versuchung ausgesetzt sein wird. Ich hätte mit dem allen sehr gut leben können, wenn Pullman nicht die Liebe zwischen Lyra und Will zu der Sünde gemacht hätte. (Ich glaube die katholische Kirche - oder Teile von ihr - haben mal behauptet, das wäre Evas Sünde gewesen, nicht dass sie von der verbotenen Frucht gekostet hat.) Während des ganzen letzten Buches wartet man auf etwas Großes, das explosionsartig hochgeht - die Versuchung eben - und dann wählt Pullman ausgerechnet die unschuldige Liebe zwischen Will und Lyra. Das ist, nebenbei bemerkt, der zweite Grund, warum ich finde, dass ihr junges Alter etwas seltsam ist. Die beiden sind zwölf (Will vielleicht dreizehn), und verlieben sich unsterblich und so weiter. Ich find’s einfach seltsam. Andererseits weiß Pullman einfach genau, wie er mein Herz zum Schmelzen bringen kann. Nicht nur mit der Szene, in der Will und Lyra sich zum ersten Mal küssen, sondern auch mit vielen anderen Dingen. Mit der Szene, in der Mary Malone von ihrer ersten Liebe erzählt. Roger in der Totenwelt. Solche Sachen. Deshalb war es schlussendlich auch gar nicht so wichtig, was Pullmans Absicht religiös gesehen war. Darauf kam es nicht so an wie auf die Charaktere, das Lustige, den Herzschmerz… (Ich wollte noch tagelang nach Beenden der Trilogie heulen.)

Chronicles of NarniaUnd dann habe ich Narnia gelesen und es war ganz anders, aber einfach toll. Ich LIEBE die Filme, und infolgedessen mag ich die Geschichten über die Pevensies einfach am liebsten. Ich mochte die anderen Bücher auch, aber die Pevensy-Geschichten haben einfach am meisten Spaß gemacht. Im Gegensatz zu Pullman macht Lewis es sehr offensichtlich, dass er religiöse Werte und Normen schätzt, und es ist fast noch offensichtlicher, dass Aslan Gott ist. Teilweise kommt es einem wirklich so vor, als hätte Lewis von der Bibel abgeschrieben, und stellenweise habe ich echt gedacht, dass er es, genau wie Pullman, ein bisschen übertrieben hat. Erst schafft Aslan die Welt und gibt sie den Narnianern. Dann sagt er, dass nur Töchter Evas und Söhne Adams das Land regieren können - klingelt da was? Gott gibt die Natur ja auch in Evas und Adams Hände, gibt ihnen die Herrschaft über die Tiere - und in Narnia wohnen größtenteils eben solche. Dann ist da dieser Garten mit den Früchten, von denen man nicht aus Egoismus essen soll. Und Unmengen anderer Sachen. So wie Aslans Land, dass im Prinzip das Leben nach dem Tod darstellt. Und Aslan ist natürlich immer und ohne Zweifel gut. Was mich aber schlussendlich dann, “oh nein, Lewis!” denken ließ, war das Ende des letzten Buches. Das mochte ich sowieso schon nicht so sehr, weil es eigentlich nur Mord und Totschlag ist, und dann dürfen am Ende auch noch alle bleiben, weil sie - oh wie passend! - alle bei einem Zugunglück gestorben sind. Ganz ehrlich, mir hätte es besser gefallen, wenn sie in ihrer eigenen Welt hätten leben müssen. Aber alles andere habe ich einfach geliebt, auch wenn es hin und wieder ein bisschen vorhersehbar war. (So klar, dass Shasta der Sohn des Königs ist, und auch klar, dass Eustace nur mitgeschleift wurde, damit er sich bessern kann.) Aber Lewis weiß einfach, wie man Geschichten erzählt.

Der Grund, warum der ganze Kram aus der Bibel grade so präsent in meinem Kopf ist, ist, dass ich das alles grade gelesen habe. Die ersten fünf Bücher Mose und das Buch Josua hab ich hinter mir. Ich hab schon erwähnt, dass ich die Bibel ziemlich repetitiv finde, und deshalb überspringe ich inzwischen einiges. Ein anderer Grund, aus dem ich das Alte Testament nicht so sonderlich mag, ist die Darstellung Gottes. “So, jetzt müssen mal ein paar Völker leiden, damit alle sehen, wie toll ich doch bin!” Ich muss wohl kaum sagen, dass da auch permanent Mord und Totschlag herrschen, weil die Israeliten die ganze Zeit Städte und Länder erobern. Okay, da gibt es also dieses Gepriesene Land, in dem sie leben wollen - muss man wirklich Tausende von Leuten umbringen, um das zu erreichen? Nur um die davon abzuhalten, einem zum Götzendienst zu verführen? Nur damit alle sehen, welche Wunder der eigene Gott vollbringen kann? Ich gebe ja zu, dass ich bei den LotR-Filmen immer voller Begeisterung bin, wenn es eine Kampfszene gibt, und dass ich bei Edgar Wallace und Columbo immer die Morde am besten fand, aber bei Büchern ist das noch mal was anderes, weil meine Fantasie da mit mir durchgeht. Das ist nicht der Grund, warum mir das ganze Abschlachten in der Bibel so sauer aufstößt. Ich finde es einfach moralisch falsch, und denke, dass man ohne unnötiges Blutvergießen auskommen sollte, wenn man doch so einen tollen Gott hat.

Ich hoffe, ich hab jetzt nicht total unzusammenhängenden Quark geschrieben, aber ich bin momentan ein großes Wehwehchen. Ich hab mir heute Nacht beim Schlafen irgendwie einen Nerv eingeklemmt, und als ich aufgewacht bin, tat mein Nacken höllisch weh. Ich halte ihn schön warm und es wird langsam besser, aber viel bewegen kann ich mich immer noch nicht. Aber heut Abend gehen wir wieder in der Brasserie essen, in der mein Alan arbeitet. :)

Drachenreitende Dämonen… oder so.

Das könnte ein etwas verschlafener Eintrag werden, da ich grade von meinem Mittagsschläfchen aufgewacht bin (seit es so warm ist, brauch ich das noch dringender), aber es ist mal wieder an der Zeit zu bloggen. In der letzten Woche habe ich trotz Theaterstress nämlich immerhin zwei Bücher gelesen.

Der Gehilfe des MalersDas erste war Der Gehilfe des Malers von Alexandra Guggenheim, das ich mir vor allem wegen meinem Interesse an Rembrandt zugelegt habe, das das Musical in mir geweckt hat. Leider erfährt man über Rembrandt selbst nicht so viel, aber es war eine ganz nette Lektüre. Es beginnt aber gleich mit einem unnötigen Vorwort, das erzählt, wie die Autorin Hefte von Rembrandts Lehrling Samuel Bol gefunden und übersetzt hätte, wobei die Erzählung, so weit ich das verstanden habe, fiktiv ist. Ich fühle mich immer ein bisschen vergackeiert, wenn mir jemand weismachen will, ich hätte ein ach so wertvolles historisches Dokument vor der Nase, wenn es sich in Wahrheit um einen Roman handelt. Das muss wirklich nicht sein, und jedes gute Buch kommt ohne so was aus.

Das soll nicht heißen, dass Der Gehilfe des Malers schlecht war. Es war in Ordnung. Der Geschichte und den Figuren fehlte es ein wenig an Tiefgang, hin und wieder war sie ein bisschen vorhersehbar. Das war aber okay, weil die Autorin es doch geschafft hat, das mit der richtigen Spannung auszugleichen. Für so zwischendurch war es ein wunderbares Buch, einfach geschrieben, nicht zu viele Handlungsstränge- und genau das habe ich ja gebraucht.

Deshalb, und weil ich auf meine vorbestellten Bücher warte, habe ich danach den Drachenreiter von Cornelia Funke noch mal gelesen. Es muss ewig her sein, dass ich das zuletzt gelesen habe, und das nochmalige Lesen hat wirklich Spaß gemacht. Okay, auch dieses Buch ist ein wenig vorhersehbar, aber es ist ein Kinderbuch, da darf das. Normalerweise kann ich mich nach so langer Zeit nicht mehr daran erinnern, was noch genau passieren wird, hier ist hin und wieder was aufgeblitzt, aber das war nicht schlimm. Es ist echt eine schöne Geschichte, wenn auch manchmal ein klein wenig klischeebehaftet.

Als nächstes werde ich noch mal The Demon’s Lexicon von Sarah Rees Brennan lese, während ich hoffe, dass The Demon’s Covenant doch früher geliefert wird, als amazon behauptet. Ich hoffe, dass ich dann auch wirklich Zeit dafür haben würde, denn in der Theater-AG drängt unser Werk langsam zur Krönung, wie der gute Shakespeare sagen würde. :) Heute wird der Theatersaal gründlich aufgeräumt und geputzt, weil abends die Rheinpfalz kommt, um ein paar Ausschnitte aus unserem Stück zu sehen. Dann haben wir zwei Tage Pause und danach proben wir freitags und samstags noch mal, bevor es montags ernst wird; da haben wir Generalprobe. Und danach zwei Wochen lang Aufführungen. So sehr ich mich darauf freue, ich bin doch irgendwie froh, wenn es rum ist. Momentan ist es einfach nur so anstrengend, mit der Wärme und unserem hin und wieder etwas launischen AG-Leiter (wobei man ihm das echt nicht zum Vorwurf machen kann, er hat es manchmal schon schwer mit uns…). Aber jetzt gibt’s erst mal noch einen Orangensaft und dann bin ich weg. Die Arbeit ruft!

Die letzte Woche und Bücher

Eigentlich war die letzte Woche gar nicht so sehr ereignisreich, aber ein paar für mich wichtige Sachen sind schon passiert, bzw. Entscheidungen gefallen.

Am Muttertag war meine Großmutter da und hat, wo sie grade schon da war, mein Kostüm für Der Sturm umgenäht, weil das einfach viel zu weit und ausgebeult war (es ist aus Filz, nicht gerade der anliegendste und anpassungsfähigste Stoff). Die Arbeit und Zeit, die seitens unsere Co-AG-Leiterin da hineingeflossen sind, sind mir natürlich schon was wert und ich finde es auch total lieb von ihr, dass sie das gemacht hat, aber es saß halt einfach überhaupt nicht. Knöpfe hat meine Großmutter auch mitgebracht, und die muss ich jetzt noch annähen; Daumen drücken, dass ich dabei nicht wieder irgendeinen Mist baue. :D

Dieses Wochenende werde ich, neben dem Lernen für die Geschichts- und Mathe-Kursarbeiten (vor Mathe hab ich wirklich Angst, weil der Parallelkurs mit dem selben Lehrer meinte, die Arbeit wäre richtig furchtbar gewesen), auch mal wieder ein bisschen Niederländisch üben, weil mir aufgefallen ist, dass ich das wirklich ganz, ganz lange nicht mehr gemacht habe. Ich hoffe, es ist noch was da. Außerdem habe ich mich entschieden, wahrscheinlich in den Musikschulen-Chor zu gehen; gestern wurde ich nämlich eine Stunde damit genervt, dass der unbedingt noch einen Sopran braucht und dass es da ja überhaupt so toll ist. Ich hab zwar erst nein gesagt, aber nachdem ich ein bisschen drüber nachgedacht habe, bin ich zu dem Schluss gekommen, dass es ja eigentlich schon was ist, was ich gerne machen würde. Aber erst nach unseren Aufführungen vom Sturm Mitte Juni, wo ich eh aus der Theater-AG austreten werde, damit es nicht wieder irgendwelche Reibereien wegen den Probenzeiten gibt.

So, auf zu Büchern! Letztes Wochenende habe ich Treasure Island von Robert Louis Stevenson gelesen, was in mir nicht so sonderlich viel ausgelöst hat, außer das seltsame Gefühl, dieses Buch schon mal gelesen zu haben. Was wirklich ziemlich unheimlich ist, weil ich mich überhaupt nicht dran erinnern kann, es jemals tatsächlich gelesen zu haben. Wir haben die französische Fassung (die deutsche auch, aber da bin ich mir noch sicherer, die nie in Händen gehabt zu haben), von der ich aber glaube, dass mein Bruder sie für die Schule lesen musste, nicht ich. Jedenfalls hatte ich ziemlich viele Déjà-vus und zweifle momentan ein bisschen an mir selbst.

Treasure Island

Gefallen hat es mir aber nicht sonderlich, und das lag nicht nur dran, dass es eine Piraten- und Schatzsuche-Geschichte war, weil ich mir ziemlich sicher bin, dass man auch die gut schreiben kann. Aber es war einfach so was von langweilig, mit ganz kleinen Klecksen Spannung hin und wieder, und der Schreibstil hat mich nicht grade begeistert. Es war einfach so ein bisschen mau; hätte in meinen Augen viel interessanter sein können, vor allem mit solchen Charakteren wie Long John Silver, die so viel Potential haben. Jim Hawkins hat mich hingegen ziemlich genervt mit seiner selbstverliebten Art, und wie er permanent damit angegeben hat, was seine dummen Eskapaden doch gebracht und wie sie am Ende allen das Leben gerettet haben. (Mal ganz abgesehen davon, dass von “allen” am Ende nicht mehr so viel übrig war.)

The Strange Case of Dr. Jekyll and Mr. Hyde von Stevenson würde ich aber trotzdem immer noch gerne lesen; ich hab am Dienstag in der Bibliothek mal kurz in eine gekürzte Fassung (bah!) reingeguckt, und fand es gar nicht mal so schlecht. Außerdem ist die Idee total faszinierend.

A Tale of Two CitiesNach Treasure Island habe ich mit A Tale of Two Cities von Charles Dickens angefangen, was ich schon fast zur Hälfte durch habe. Aber irgendwie muss man bei diesem Buch einfach zu viel aufnehmen, und das schafft mein angematschtes Gehirn zur Zeit scheinbar nicht. Ich muss mich so anstrengen, beim Lesen nicht wegzudriften, und das finde ich wahnsinnig schade, weil ich das Buch so gern genießen wollte. Ich habe daher jetzt beschlossen, dass es dieses Mal einfach nur ein Durchlesen zur Bekanntmachung mit den Charakteren und den groben Handlungszügen ist, und dass ich es im Juli im Normandie-Urlaub (wenn ich hoffentlich wieder ein bisschen frischer bin) dann noch mal genauer lese.

So, und jetzt muss ich meine To-Do-Liste für heute fertig abarbeiten. Am restlichen Wochenende wird gelernt und morgen geh ich vielleicht in Robin Hood. (Die englische Fassung! Hurra!)

Buch 22 & 23

Ich verspüre irgendwie den Drang, groß zu verkünden, dass ich dieses Jahr schon 23 Bücher gelesen habe. Da ich es letztes Jahr insgesamt auf gerade mal 37 gebracht habe, finde ich das doch recht beachtlich.

Die letzten beiden Bücher, die ich gelesen habe, waren Warbreaker von Brandon Sanderson und Tuck Everlasting von Natalie Babbitt. Letzteres wollte ich eigentlich einfach nur schnell noch mal lesen, aber ich habe viel länger dafür gebraucht, als ich eigentlich erwartet hatte, was größtenteils daran lag, dass ich diese Woche einfach nur todmüde war. Aber ich hab es trotzdem geliebt, auch beim zweiten (oder dritten?) Mal.

Tuck EverlastingTuck Everlasting ist einfach eine unglaublich niedliche Geschichte, und gleichzeitig sehr tiefgründig, wenn man sich die Zeit nimmt, darauf zu achten. Es macht mich ein bisschen traurig, dass es scheinbar so wenig Leute kennen (und das, obwohl es eine Verfilmung gibt, was den Bekanntheitsgrad eines Buches ja normalerweise drastisch steigert), weil es sehr, sehr schön ist. Es ist eine sehr kluge Geschichte über Menschen, ohne irgendwie altklug sein zu wollen, und zeigt gleichzeitig, dass sogenannte Kindergeschichten wunderbar geschrieben sein können. Babbitts Stil ist einfach, aber wunderschön in seiner Bildhaftigkeit, und ich glaube, Natalie Babbitt hat ein Talent für Dialoge. Tuck Everlasting ist ein bisschen wie Angus Tuck, der grummelige alte Mann mit dem guten Herzen; man muss es einfach lieben.

Warbreaker lässt sich sich nicht so einfach zusammenfassen, weil ich sehr viele, wild durcheinander hüpfende Gedanken dazu habe. Wir haben drei Tage miteinander verbracht, dieses Buch und ich. Mittwochs und donnerstags war ich krank (musste aber zwei Stunden in die Schule, um eine Kursarbeit zu schreiben, und das mit einem total vernebelten Gehirn und dem ständigen Gedanken, “Schlaf. Schlaf. Schlafschlafschlaf.”) und habe die Gelegenheit genutzt, endlich Warbreaker zu lesen, worauf ich seit Wochen gebrannt habe. Nachdem ich Elantris gelesen hatte, hatte ich riesige Lust, in ein weiteres Buch von Brandon Sanderson einzutauchen, ganz besonders weil dieses so tolle Rezensionen bekommen hatte.

Warbreaker war kein Stück schlechter, als ich erwartet hatte. Es war sogar um Längen besser. Nachdem ich von Elantris anfangs ein bisschen enttäuscht gewesen war, hatte ich wirklich gehofft, dass Warbreaker genauso gut geschrieben ist, wie all die Rezensenten behaupten. Und das ist es, absolut. Sanderson schafft seine Welten nach dem selben Prinzip. Er schreibt High Fantasy, und seine Geschichten spielen in einer Art mittelalterlichen Gesellschaft, in der ein Großteil der Bevölkerung  bettelarm ist und unter furchtbaren Bedingungen lebt, in denen es Könige gibt, Tyrannen, die gestürzt werden müssen, und natürlich Religionen, die aufeinanderprallen. Ich glaube wirklich, diese Welt ist die beste, die Sanderson bisher geschaffen hat, und es ist eindeutig eine der besten, die ich je gelesen habe. Dazu trägt selbstverständlich auch wieder sein magisches System bei, BioChromatic Breath, das relativ schwierig zu erklären ist (was Sanderson viel besser macht als ich), und wie all seine Konzepte von Magie etwas sehr wissenschaftliches hat. Jeder Mensch hat so einen Breath, je mehr man hat, desto besser bleibt der Körper erhalten, man kann damit Dinge zum Leben erwecken, man kann ihn an andere Menschen weitergeben; man kann nämlich ohne einen leben, es sei denn, man ist ein Returned, einer der Götter von T’Telir, die von der “anderen Seite” zurückgeschickt werden, um mit ihrem Breath jemandem zu heilen, wodurch sie wieder sterben. Was die meisten natürlich nicht tun, sondern lieber ihr göttliches Leben genießen.

Warbreaker

Diese neue Variation der religiösen Themen in Sandersons Büchern hat mich natürlich ziemlich fasziniert. Besonders interessant wurde sie durch Lightsong, einen der Götter, der selbst nicht an seine Göttlichkeit glaubt. Während er versucht, herauszufinden, warum ausgerechnet er zurückgekehrt ist und wer er in seinem früheren Leben war, versucht er alle davon zu überzeugen, wie nutzlos er doch ist. Er macht das mit unglaublich viel Witz und Charme und obwohl er nicht der einzige war, dem Sanderson einen wunderbaren Humor gegeben hat, so waren die Kapitel aus seiner Perspektive doch die unterhaltsamsten.

Am liebsten mochte ich allerdings Siris Perspektive, die der jungen Prinzessin, die anstatt ihrer Schwester den God King von T’Telir heiraten soll. Aber schlussendlich war ich von jeder Erzählperspektive gefangen, weil Sanderson sie einfach so gut schreibt! Das liegt vor allem auch an seinen Charakterentwicklungen; Siri, das impulsive, naive Mädchen entwickelt sich zu einer selbstbewussten Frau; Vivenna, die ältere, entwickelt sich von der steifen, voreingenommenen Prinzessin zu etwas, was sie nie erwartet hätte; Lightsong, der Rumgealber und Blödsinn für das Höchste hält und allen etwas vormacht, bis ihm einige große Dinge bewusst werden… und so weiter. Und dann waren da die Nebencharaktere! Oh, ich habe sie alle geliebt. Als welche einen anderen betrogen haben (mehr dazu nicht, weil das viel verderben könnte), hab ich mich einfach auch nur so verarscht betrogen gefühlt. Ich hatte die so geliebt und dann waren sie böse und ich wusste nicht so recht, ob ich sie so noch lieben kann. Ich wollte für mehr als hundert Seiten einfach nur heulen, vor allem, weil dieser plot twist weniger von diesen Charakteren bedeutete.

Und vielleicht erinnern sich manche, die tapfer genug sind, sich durch mein Gelaber zu lesen, noch daran, wie ich gesagt habe, dass Sanderson sehr viel telling statt showing macht. Dieses ganze telling? Weg! Mir ist das irgendwann in der Mitte des Buches ganz plötzlich aufgefallen, und ich hab mich einfach nur so gefreut! Die ganzen wichtigen Information, in den Text mit eingewebt und in die Dialoge, und ich habe zum Teil erst viel später gemerkt, was da alles drinsteckte. Ein Manko hatte das Buch in meinen Augen allerdings, was einfach damit zu tun hatte, dass so viele Handlungsstränge verarbeitet werden mussten: Vasher. Oder nicht Vasher selbst, sondern seine Abwesenheit. Er tut im Prolog etwas seltsame Dinge, die man erst viel später versteht, und dann… verschwindet er. Irgendwo ist das notwendig für die Geschichte, aber man weiß auch, dass Vasher wichtig ist, und wird einfach mit gar nichts gefüttert. Deshalb habe ich irgendwann auch ein bisschen das Interesse an ihm verloren, weil einfach nichts da war, und deshalb hat mich vieles, was er am Ende getan und verraten hat nicht so wahnsinnig überrascht, wie es vielleicht hätte sollen. Aber gleichzeitig hat das Fehlen von Kapiteln aus seiner Perspektive auch für ein paar nette plot twists gesorgt, deshalb war es wohl nicht ganz so schlimm.

So, jetzt hab ich mal wieder viel zu viel geredet. Aber- ich habe ein neues Lieblingsbuch. Und ich liebe es sooo sehr! Ich habe nicht geweint, was ja eigentlich ein wichtiges Kriterium ist (:D), aber ich war stinkwütend und manchmal auch den Tränen nahe; und ich habe viel gelacht. Jeder Fantasy-Fan sollte dieses Buch gelesen haben. (Und solche, die es nicht sind, aber sich überzeugen lassen wollen, auch.) Es gab Spannung, Humor, liebenswerte Charaktere… und es ist ganz schwer, wieder aufzuhören, wenn ich einmal angefangen habe. Aber ich werde jetzt aufhören. Versprochen.

Im Gegenzug müsst ihr versprechen, Warbreaker zu lesen. Jetzt. Sofort. Sonst komm ich zurück. Mwahaha.

Von Pantheismus und eitlen Drachen

WertherIch hab ja schon darüber geklagt, dass ich den Werther für die Schule lesen muss. Inzwischen hab ich ihn Gott sei Dank durch, mit viel Gejammer und Disziplin, obwohl ich am Ende doch beinah einen Anfall bekommen hätte, als Goethe jedes einzelne von diesen Liedern von Ossian, die Werther Lotte vorträgt, noch aufschreiben musste. Überhaupt bin ich des Öfteren verzweifelt. Ich verstehe einfach nicht, wieso so ein schmalztriefendes Werk, in dem ein wehleidiges Männlein permanent über die Natur und seine große Liebe schwadroniert, so große Literatur sein soll. Weil Goethe drauf steht, deshalb wahrscheinlich. Mir wäre es wirklich lieber, mein Deutschkurs hätte sich für ein Drama entschieden- ganz egal von wem. Die machen mir beim Lesen selbst zwar auch nicht unbedingt viel Spaß, aber ich bekomm sie wenigstens schnell durch, und ich analysiere sie wahnsinnig gerne. Mir graut schon vor der Analyse des Werther.

Dass er den Leuten damals gefallen hat, mag ja so sein. Aber heute lieben auch Unmengen Menschen (und nicht nur dreizehnjährige Mädels) Twilight & Co., wünschen sich einen sexy Vampir (so wie sich damals vielleicht alle einen Werther oder eine Lotte gewünscht haben) und tun so, als gäbe es nichts Höheres. Das heißt aber weder, dass die Bücher vom literarischen Anspruch her gut sind, noch dass man sie zur Schullektüre machen muss. (Und ich bete zu Gott, dass das wirklich nicht passieren wird.) Werther ist vielleicht ein Zeitzeugnis des Sturm und Drang, aber vor allem viel Seelenmüll von Goethe.

DamselNachdem mich der Werther so traurig gemacht hat, hat mich aber ein total süßes Buch aus den Tiefen der Verzweiflung gerettet: Damsel von Susan E. Connolly. Ich glaube, ganz wenige Leute haben das Talent, wirklich gute Kindergeschichten zu schreiben, und ich glaube, Connolly hat es. Damsel erinnert ein bisschen an Igraine Ohnefurcht: ein Burgfräulein in spe, Tochter eines Helden, muss ausziehen, um ihren Vater vor dem bösen Zauberer Greenlott zu retten. Unterwegs begegnet ihr natürlich so einiges, unter anderem Trolle, der kleine Lügner und Held Roger, der zwar manchmal extrem feige ist, aber in den richtigen Momenten einen kühlen Kopf bewahrt, und ein eitler Drache, der eigentlich gar nicht so furchtbar ist. Klar, die Geschichte unterscheidet sich natürlich ein bisschen von der Igraines, aber es ist auch die eines Mädchens, das - entgegen aller Klischees und Rollenverteilungen - viel lieber Heldin und Ritterin sein will. Ich mag so was. Weil ich glaube, dass wir neben Prinzessinen und rosa Ponys auch kleine Heldinnen brauchen. :)

Als ich mit Damsel fertig war, hab ich A Christmas Carol hinterher gelesen, weil ich diese Woche nicht so wahnsinnig viel Zeit habe (es will für Musik und Ethik gelernt sein) und es einfach eine schöne, kurze Geschichte ist. Und ich mag Dickens! Er hat einen tollen Stil, der manchmal auf den Punkt witzig ist, und manchmal wunderbare Bilder schafft. Außerdem schafft er es irgendwie, nicht den moralischen Zeigefinger zu erheben, sondern das Thema mit Leichtigkeit anzugehen, ohne jemanden direkt anzuklagen. Ich freue mich jedenfalls schon sehr darauf, A Tale of Two Cities zu lesen. Kann ja nur noch besser sein - noch mehr Dickens zwischen zwei Buchdeckeln.

Elantris

Die Woche hat heute ziemlich gut angefangen. Ich bin bei der Buchhandlung vorbeigegangen, um meine Bewerbung für mein 12er-Praktikum (im nächsten Januar) abzugeben. Manche Leute halten das für ziemlich früh, andere hatten jetzt schon Bedenken, ob das überhaupt noch reicht- und na ja, ich bin halt gründlich. Und lebe gern mit dem Wissen, wichtige Dinge erledigt zu haben. Lange Rede, kurzer Sinn: der sehr nette Chef hat mich gleich mal eingetragen (nach dem Motto: wer zuerst kommt, mahlt zuerst), und ich glaube… ich habe einen Praktikumsplatz!

Jetzt hab ich eine Sache weniger, über der ich brüten muss (und wie lange ich darüber gebrütet habe, wo ich mich überhaupt bewerben soll), und habe mich daher dem Buch gewidmet, das ich letzte Woche angefangen habe: Elantris von Brandon Sanderson. Ich weiß nicht, ob ich das schon oft genug habe verlauten lassen, dass es sich ins Gedächtnis eingebrannt hat: ich liebe Brandon Sanderson. Er ist einer meiner absoluten Lieblingsautoren und schreibt einfach geniale Fantasy.

ElantrisZugegebenermaßen war ich von Elantris aber erst mal etwas enttäuscht. Mistborn, seine Trilogie, hat mich von der ersten Seite an gefesselt, mit einem wahnsinnig interessanten Konzept; an Sandersons Erstling bin ich dann wohl mit etwas zu hohen Erwartungen rangegangen. Anfangs war meiner Meinung nach alles noch ein wenig schleppend, es gab unglaublich viel telling (was Sanderson sowieso gern macht, aber inzwischen kann er es besser kompensieren), und die Geschichte kam einfach nicht richtig ins Rollen. Hinzu kam, dass er wieder eine recht komplexe Welt aufgebaut hat, in der Unmengen von Namen auftauchen, die man sich merken muss- und die haben sich einfach zu sehr gehäuft. Nachdem ich etwas rein- und mich zurechtgefunden hatte, ging es, dann hab ich auch durchgeblickt. Aber am Anfang war es wirklich schwer.

Jedenfalls hab ich dann meine Erwartungen einfach etwas runtergeschraubt- und sie wurden natürlich übertroffen. Der Plot wurde zur Mitte hin immer dichter, die Charaktere wurden klarer, und es hat sich einfach eine Dynamik entwickelt, die einen festhält. Dieses ganze Konzept von einer Stadt, die mal von Göttern bevölkert war (eigentlich nur Menschen mit außergewöhnlichen Fähigkeiten), bis ein Fluch auf sie fiel und alle, die solche Elantrians waren, plötzlich so was wie lebende Tote waren, die einfach “feststecken”; die Magie, die auf einmal nicht mehr funktioniert hat (überhaupt finde ich die Arten von Magie, die Sanderson sich ausdenkt, ziemlich toll); und neben politischen Intrigen und Glaubensfragen die langsame aber sichere Auflösung des Geheimnisses um Elantris.

Mistborn 2Beim Lesen ist mir immer mehr aufgefallen, dass es ein paar Parallelen zu Mistborn gibt, weil es scheinbar einfach bestimmte Dinge gibt, mit denen Sanderson gerne spielt. Er probiert sich gerne an Religionen und Konflikten, die in und durch selbige entstehen, an Gesellschaften und Nationen, deren Gerüst ordentlich schwankt, an Menschen, die so geformt sind, dass sie das Böse verkörpern… und das Gute ist, Sanderson schafft es, trotz dieser Parallelen unterschiedliche Welten zu schaffen, das Konzept ganz unterschiedlich anzugehen. Und was man ihm auch noch zugute halten muss: er schafft es, gute, nette, optimistische Männer zu schreiben, die man einfach mögen muss. (Ganz zu schweigen von seinen Frauen!) Das finde ich auf einem Fantasymarkt, der völlig übersättigt ist von Bad Guys, denen die Mädchen zu Füßen liegen, einfach nur so schön.

Ich bin sehr gespannt, was der gute Mr Sanderson mit seinen Lieblingsideen in Warbreaker gemacht hat, das ich demnächst lesen werde. Erst mal ist zwar leider Die Leiden des jungen Werther dran (ich find’s furchtbar) und dann noch irgendeiner von den englischen Klassiken, die ich aus der Schulbibliothek entwendet ausgeliehen habe (ich warte schon auf meinen nächsten Buchschulden-Zettel), aber Warbreaker kommt ganz bald dran.

Hobbits are extraordinary creatures.

Und Tolkien ist ein außergewöhnlicher Fantasy-Autor- deshalb jetzt mein versprochener Blogeintrag über das, was ich von ihm in letzter Zeit gelesen habe. :)

Heute Mittag habe ich mir das ehrgeizige Ziel gesetzt, The Hobbit trotz noch mehr als 100 Seiten und Biostoff, der gelernt werden wollte, noch heute fertig zu lesen, damit ich auch noch heute drüber bloggen kann.  Hat geklappt, und das habt ihr nun davon.

The Lord of the Rings

Ende März habe ich meine etwas längere Tolkien-Phase mit The Fellowship of the Ring begonnen. Für das Buch habe ich viel länger gebraucht, als ich eigentlich vorgehabt habe, was vornehmlich daran lag, dass es irgendwie schwer war, reinzukommen. Ich mag das Buch, aber die ersten Kapitel ziehen sich irgendwie ein bisschen, vor allem wenn man dieses dichte und hin und wieder recht verschnörkelte Englisch nicht mehr so gewohnt ist, wie das bei mir der Fall war. Aber mit der Zeit ging es immer besser, und ich habe immer mehr reingefunden. Ich fühle mich in Lord of the Rings richtig wohl; es fühlt sich alles so echt an, Mittelerde, die verschiedenen Sprachen, die verschiedenen Kulturen- ich finde es so wahnsinnig faszinierend, wie Tolkien eine ganze Welt aufgebaut hat. Seine Bücher zu lesen ist immer ein bisschen so, wie aufs Meer zuzufahren: erst sieht man nur einen schmalen blauen Streifen am Horizont, und man findet, allein das schon sieht schön und vollkommen aus. Aber je näher man kommt, desto größer wird der blaue Streifen, bis er sich ganz weit erstreckt, und man merkt erst, dass dieser anfängliche Streifen Teil von einem ganz großen Ganzen ist. Ich finde das so toll, und es macht einfach Spaß, mit den Hobbits zusammen ihre Welt zu entdecken (von der sie anfangs ja auch nicht unbedingt mehr kennen als der Leser). Überhaupt sind die Hobbits wohl eins der Dinge, die ich bei Lord of the Rings am meisten liebe, obwohl mich Frodo teils echt nervt.

Im ersten Buch ist das noch nicht so der Fall, da will ich ihn auch noch dauernd knuddeln; aber im zweiten Buch (was eigentlich Buch 4 von Lord of the Rings ist) fängt er wirklich an, mir auf den Geist zu gehen. Trotzdem ist The Two Towers mein Lieblingsteil von Lord of the Rings, besonders eben Buch 3, wo es vornehmlich um Merry und Pippin und Aragorn, Legolas und Gimli geht. Die Entwicklungen in dem Teil sind einfach die, die mich am meisten reinziehen und nicht mehr loslassen, und ich bin hoffnungslos in Treebeard bzw. Fangorn verliebt. Obwohl er mich wahrscheinlich für ziemlich hasty halten würde. :D

Derjenige, den ich nach dem ersten Teil immer furchtbar vermisse, ist Boromir, den ich mit Klauen und Zähnen gegen alle bösen Meinungen verteidige. Einer meiner absoluten Lieblingscharaktere, dessen Tod mir immer total nahe geht. Wenigstens ist ab dem 4. Buch ja Faramir da, der den Verlust ein bisschen lindert. In Faramir bin ich nämlich auch hoffnungslos verliebt. Ich finde ihn sehr beeindruckend (wobei sie das im Film meiner Meinung nach verhunzt haben, aber was soll ich sagen?, ich liebe ihn nun mal) und er hilft mir ziemlich durch Buch 4, wo Frodo so furchtbar nervig ist.

The HobbitDen letzten Teil hatte ich dann auch relativ schnell weggelesen- und dann war ich traurig, dass es schon wieder rum ist. Aber da mir der Hobbit ja kurz zuvor in der Buchhandlung begegnet war, musste ich mich noch nicht von Mittelerde trennen. Ein großer Vorteil dabei ist, dass es zwar dieselbe Welt und auch ein paar der schon bekannten Charaktere hat, aber um Welten einfacher zu lesen ist, was ich zur Erholung von Lord of the Rings wirklich gebraucht habe. Ach, ich fand The Hobbit ja soo süß! Bilbo ist sowieso toll (ich mein, er ist ein Hobbit!), aber auch die ganze Zwergentruppe, mit der er da unterwegs ist, ist genial. The Hobbit ist sehr im Stil eines Kinderbuches gehalten (obwohl der Battle of Five Armies jetzt vielleicht nicht unbedingt kindergerecht ist…) und es baut ganz oft diese Verbindung zum Leser auf, die mich in manchen Büchern wirklich stören kann, aber hier einfach nur gepasst hat. Total niedlich, diese Einwürfe von wegen, jetzt fiel Bilbo die Lücke in seinem Plan auf und ihr lacht wahrscheinlich über ihn, weil ihr das schon längst gemerkt habt, aber wäre es euch in der Situation besser ergangen? Tolkien macht das einfach toll. Tolkien ist einfach toll.

Ich finde es immer so schade, wenn manche Leute mit Tolkien überhaupt nicht warm werden, nach dem Motto, der beschreibt ja jeden Sonnenaufgang, voll der blöde Langweiler. Ich habe oft das Gefühl, dass viele Leute einfach nicht die Geduld haben, sich auf ihn einzulassen. Aber wenn man die Zeit und Geduld aufbringen kann, dann ist es einfach nur wunderschön.

Und kleiner Schmunzler zum Schluss: in (englischen?) Büchern ist das ja oft so, dass auf der Seite mit der geraden Zahl der Buchtitel oben steht und auf der Seite mit den ungeraden der Titel des Kapitels (besonders, wenn die Kapitel etwas länger sind). Beim Hobbit hat wohl jemand was vergessen, auf der allerletzten Seite des letzten Kapitels. Statt des Kapiteltitels prangt dort oben auf der Seite… CHAPTER TITLE. Da ist wohl ein Platzhalter nicht dem gewichen, für das er Platz gehalten hat. :)

Ein russischer Sommer

So, ich dachte, ich könnte die Zeit bis zu meinem Nachhilfeunterricht sinnvoll verbringen- und auf meinem Blog schwadronieren!

Mein Notizbuch und ich sind inzwischen übrigens beste Freunde geworden, und ich liebe es einfach, es aufzuschlagen und diese ganzen hingekritzelten Fragmente zu sehen. Das sieht so… kreativ aus. Meistens schreib ich kurz vorm Schlafen noch was auf, wache morgens auf und frage mich: was hab ich gestern noch mal geschrieben? Aber überhaupt das Gefühl, was geschrieben zu haben, ist so gut.

Aber eigentlich wollte ich kurz was zu Ein russischer Sommer sagen. Ich hab mehr oder weniger durch Zufall entdeckt, dass der bei uns läuft, weil ich aus Langeweile auf der Internetseite unseres Kinos gestöbert habe. Das war auch ein Glück, der war nämlich nur Filmauslese - mittwochs zeigt unser Kino Filme, die unter anderem schon älter sind oder von denen sie sich nicht genug Gewinn versprechen, um sie über längere Zeit zu zeigen. (Zur Verteidigung unseres Kinos: das sind keine Profitgeier, aber es ist ein kleines lokales Kino, und nicht selten nicht mal zur Hälfte besetzt.)

Ein russisEin russischer Sommercher Sommer hat mir jedenfalls total gut gefallen. In Sachen Tolstoi bin ich nicht so bewandert, dass ich sagen könnte, inwieweit der Film wahrheitsgetreu ist (er basiert ja auch auf einem Buch), aber manchmal bin ich auch einfach nur Ästhetikerin. Und der Film war wirklich sehr schön gemacht, tolle Farben, tolle Bilder. Ein ganz großes Plus waren natürlich auch die Schauspieler: Christopher Plummer als Tolstoi, Helen Mirren (die ich schon in Tintenherz als Elinor so mochte) als seine Frau, James McAvoy als Tolstois Privatsekretär Walentin. Es hat mir zwar fast zu lange gedauert, bis Walentin endlich mal einen Ausbruch hatte, aber McAvoy hat den niedlichen Naivling, der niest, wenn er nervös ist, und vegetarisch- äh, zölibatär, lebt, sehr liebevoll dargestellt. Und dann war da natürlich noch Kerry Condon als Mascha. Mascha ist genau die selbstbewusste und offene Art von Frau, die ich als Charakter mag. Außerdem ist sie natürlich sehr hübsch anzusehen. ;) Die Liebesgeschichte zwischen Walentin und Mascha war sehr schön entwickelt, auch wenn ich ihre zwischenzeitliche Ablehnung irgendwie noch nicht so ganz verstanden habe. (Aber ich denke, ich werde mir den Film durchaus noch mal zu Gemüte führen.) Tatsächlich hat die Romanze hier auch mal ein bisschen was zur Geschichte beigetragen, und das war wohl das, was mir daran am besten gefallen hat.

Ich bin sehr froh, dass ich in dem Film war (obwohl ich und meine kleine Schwester den Altersdurchschnitt erheblich gesenkt haben). Ich werde in nächster Zeit sicher in noch mehr Filme aus der Filmauslese gehen; Giulias Verschwinden, Das weiße Band, A Serious Man… ich freu mich schon drauf. Da hat sich unser Kino-Team mal was richtig Gutes einfallen lassen. :)  Ich hoffe, es wird der geringen Besucherzahl nicht zum Opfer fallen.

The Secret Garden & Herr der Diebe

Oje, ich hab ja schon ewig nicht mehr gebloggt. Ich muss zu meiner Schande gestehen, irgendwie hatte ich keine Lust. Aber jetzt gibt es endlich mal zwei kurze Rezensionen zu den beiden Büchern, die ich während meiner Blogpause gelesen habe.

The Secret GardenMit The Secret Garden von Frances Hodgson Burnett war mal wieder ein englischer Klassiker dran. Und es war der erste, den ich freiwillig (also außerhalb der Schule) gelesen habe, der mich nicht von Anfang an gefesselt hat. Anfangs habe ich sogar noch gedacht, ich leg das Ding gleich wieder aus der Hand, weil mir der Schreibstil einfach nicht so richtig zugesagt hat, und Mary, die Protagonistin, als gelbgesichtiges egoistisches Kind auch nicht grade das war, worauf ich Lust hatte.

Aber nach einiger Zeit (nachdem ich- ein wenig unangemessen, ich weiß- Mary mit Dickon und schließlich Mary und Dickon mit Colin verkuppeln wollte) sind mir die Charaktere ans Herz gewachsen. Ich mochte diese ganzen Landeier mit ihrem lustigen Dialekt; Martha, Ben Weatherstaff, Dickon… und auch Colin und Mary haben es irgendwie geschafft, sich in mein Leserherz zu schleichen. Was mir auch gut gefallen hat, waren die ausführlichen Beschreibungen. Manche finden das sicher langweilig, aber ich fand es irgendwie schön, dem geheimen Garten wirklich beim Wachsen zuzusehen. Diese ganzen Naturbeschreibungen haben mir auch irgendwie Lust darauf gemacht, Lord of the Rings ganz dringend mal wieder zu lesen (was ich momentan mache), aber erst mal hab ich zu Herr der Diebe gegriffen, weil ich ein bisschen aufpassen will, dass ich auch noch in meiner Muttersprache zu lesen. ;)

Herr der DiebeDass ich das letzte Mal den Herrn der Diebe gelesen habe, ist schon ziemlich lange her. Sieben Jahre bestimmt. Vor zwei, drei Jahren habe ich ihn in der internationalen Bibliothek meiner ehemaligen Schule mal auf Spanisch aufgeschlagen, und obwohl er in der Sprache wirklich schön klang, schnell aufgegeben.

Dieses Mal habe ich ihn aber wirklich genossen. Ich mag Cornelia Funkes Art zu schreiben wirklich gern. Mir kommt es zwar ein bisschen so vor, als wäre ihr Stil beim Herrn der Diebe noch ein wenig ungelenker, fast ein bisschen holpriger als bei der Tintenwelt-Trilogie. Sonderlich gestört hat mich das nicht- ich werde die Trilogie immer lieber haben als die anderen Funke-Bücher, vermute ich, aber auch die haben es mir angetan, Schreibstil hin oder her. Ich finde das, was Cornelia Funke aufs Papier bringt, im wahrsten Sinne des Wortes fantastisch; und dann trotzdem so nah an dem dran, was jeder von uns auf seiner Gefühlspalette hat. Manchmal ist sie ein bisschen vorhersehbar, aber sie spinnt oft ganz feine Fäden, die mich sehr faszinieren. Ich werde dieses Jahr bestimmt auch noch die anderen Funke-Bücher, die bei mir im Regal stehen, nochmals lesen. Das ist fast wie ein Nach-Hause-Kommen. :)