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Archiv der Kategorie Lyrik

In der Normandie folgt ein Abenteuer aufs nächste

Okay, das ist vielleicht eine leichte Übertreibung. Aber es ist echt schön hier! Wir hatten schon große Abenteuer in den Marschländern, obwohl wir eigentlich nur spazieren gehen wollen. Unter anderem konnten wir dort die von den Schafen geschaffene Infrastruktur bewundern. (Also, Trampelpfade.) Wir wollten eigentlich eine Abkürzung zur Straße durchs Marschland nehmen, aber da gibt es überall diese Flussarme, die sich durch die Marschländer winden, und man kann die von weiter weg überhaupt nicht sehen. Das heißt, immer wenn man denkt, jetzt kann man gradeaus durchspazieren, dann steht man in der nächsten Minute vor so einem Arm, und es dauert eeeewig, bis man eine Stelle gefunden hat, wo man drüberhopsen oder drum herumlaufen kann. Und das macht erst recht keinen Spaß, wenn es auch noch regnet und stürmt…

Aber wir haben auch schon wirklich schöne Sachen gemacht. Wir waren schon zweimal auswärts und sehr gut essen. Das erste Mal waren wir im Borsalino, was wir noch von letztem Jahr kennen, wo es sehr leckeres Essen gibt. Ich hatte einen Salade Sauvage (und ich habe noch nie einen so guten Salat gegessen!), und eine Pizza Sicilienne, die auch gut war, deren Genuss aber durch die Sardellen und meine schlechte Erfahrung mit Fischgräten etwas getrübt war. Und gestern sind wir in einem etwas rustikaleren Restaurant essen gewesen, L’Auberge des Casses-Croûtes. Total schönes Ambiente; beim Anblick der Speisekarte hat meine kleine Schwester erst mal einen Schock gekriegt und der Rest der Familie hat sich gefreut. Ich hatte zur Vorspeise Melon et Canard Fumé (letztere war etwas schwer zu kauen…), dann Moules Frites und zum Nachtisch Ananas rôti au pain d’épices. Ich kann nicht so wahnsinnig viel Ananas essen, schon gar nicht warme, weil ich da Kopfschmerzen von kriege (keine Ahnung warum), aber die hat soooo fantastisch geschmeckt, dass ich sie ganz leer gemampft habe. Der Gewürzkuchen/Lebkuchen war ganz aufgeweicht von Ananassaft und total lecker. Und als wahrhaftes Sahnehäubchen gab’s dazu Sahne mit Kokosstreuseln. MIAM MIAM.

Auch noch bezüglich Essen: wir waren heute auf dem Markt. Ich finde, es gibt fast nichts Inspirierenderes als auf den Markt zu gehen, besonders in den ländlichen Regionen Frankreichs. Lauter braungebrannte Leute mit breitem Grinsen und ausgewaschenen Mützen, die ihre selbstgemachten Waren lauthals anpreisen. Ich liebe es. Wir haben auch ganz viel leckeres Zeugs gekauft: drei Pfund Erdbeeren, Himbeeren, Oliven (getrocknete, eingelegte und Olivenpaste), eine Saucisse Sèche und Baguette. Da werd ich gleich zuschlagen. :)

Aber ich sehe, ich habe bisher nur übers Essen geredet. Dabei bin ich auch mit anderen Sachen beschäftigt! Ich schreibe zum Beispiel fleißig Postkarten, und lese viel. Ich hab jetzt schon die ersten beiden Bücher Mose gelesen, und ich muss sagen, die Bibel ist manchmal wirklich urst repetitiv. Ich freu mich aber schon aufs Neue Testament. Nebenher lese ich The Chronicles of Narnia (ich krieg davon so Lust, die Filme zu sehen!) und vergleiche es die ganze Zeit mit His Dark Materials. (Pullman ist nicht grade ein Freund von Lewis’ Werken und Werten und eine ziemlich kritische Stimme, was Religion anbelangt.) Es macht Spaß, die Parallelen zu entdecken: beispielsweise eine ganze Menge an Welten, in die man reisen kann; dass der Weg in diese anderen Welten von einem Mann (aus Leichtsinn oder was auch immer) von einem Mann geöffnet wurde; dass alles aufgrund von Staub begann… wobei das in Narnia ganz gewöhnlicher Staub ist, in His Dark Materials eben Staub. Ach, was soll’s, ich liebe beide Buchserien!

Außerdem habe ich ein Gedicht geschrieben. Ich habe beschlossen, mich in nächster Zeit wieder mehr an die Lyrik zu halten, weil ich keine Ideen mehr habe, die groß genug für Kurzgeschichten wären, und das scheint ganz gut zu klappen. Ich weiß noch nicht so recht, was ich von dem Gedicht halten soll; ich mag es eigentlich, aber meine Mutter meinte, es würde noch ziemlich roh wirken, was es vermutlich auch ist. Beim Durchblättern meines Notizbuchs gestern hab ich außerdem festgestellt, dass ich mein restliches Gekritzel auch ganz gut finde. Es ist schön, wenn man sein Geschriebenes wieder mehr mag.

So, das war jetzt ziemlich durcheinander und ein bisschen nebensächlich. Aber ich warne euch schon mal: so in der Art werde ich jetzt hoffentlich öfter bloggen!

Ein Stück Lyrik

du verkaufst dein haar
für kupfergeld
wir brechen
unsere zirkuszelte ab

diese bunten wände
flattern im wind wie dein haar
im manegenrund
dressierten wir ängste

mit maulkörben
wie tanzbären - sie wanken

© Franziska Kurtz, 16.05.2010

Twitter und Lyrik

Ich habe es vor zwei Jahren oder so schon einmal mit Twitter probiert, bin allerdings nie richtig damit warm geworden. Inzwischen zwitschern aber mehr und mehr interessante Leute dort (beispielsweise Sarah Rees Brennan und R. J. Anderson - beides Autorinnen -, Kristin Chenoweth und Michael Kunze - beides Musicalmenschen) und ich habe beschlossen, es noch einmal zu versuchen. Ich stelle fest, es macht Spaß. Franziska Kurtz auf Twitter.

Außerdem: im Hinterkopf liegt bei mir schon lange eine Idee für ein Projekt, das vom Musical Assassins inspiriert wurde. Gerade ist das zweite Gedicht dazu fertig geworden. Mal sehen, was noch draus wird, und dazu vielleicht auch bald ausführlicher. :) Da dazu ein bisschen Recherche nötig ist, ist es etwas zeitaufwendiger, aber irgendwie ist gerade das toll.

Leon Czolgosz & Lyrik

Leon Czolgosz - das ist eine der Figuren des Musicals Assassins, der Attentäter, der am 6. September 1901 den amerikanischen Präsidenten McKinley erschossen hat. Mein erster Gedanke, als ich im Booklet von ihm gelesen habe, war: schöner Name. (Ja, ich habe eine Schwäche für polnische Namen.) Und weil ich von Natur aus eine bestimmte Wissbegierde habe, habe ich angefangen, ein bisschen über Czolgosz zu recherchieren. Was dabei herauskam, waren einige interessante Infos und vor allem die Erkenntnis: ich mag diesen Menschen. Es ist etwas, das über einen Anflug von Interesse hinausgeht, und jetzt bin ich an ihm irgendwie hängen geblieben. Das Attentat an sich will ich damit auf keinen Fall schönreden, aber dieser Czolgosz war offensichtlich jemand mit starken moralischen Grundsätzen, der es als seine “Pflicht” (“I done my duty”) ansah, den Präsidenten, den er als “enemy of the good working people” bezeichnete, zu töten. Er war Sohn und Bruder, einfacher Arbeiter, Anarchist. Und er ist eine von den Personen, die in mir irgendwo den Wunsch wecken, sie auch anderen näher zu bringen.

Lyrik - das ist eine Sache, die ich unglaublich liebe, aber auch schon unglaublich lange nicht mehr gemacht habe. Aber ich würde gern. Und mein Thema habe ich gefunden. Mein einziges Problem: was ich im Kopf habe, das sind nur Gedankenfetzen, die so eingerissen sind, dass sich daraus nichts formen lässt. Es fällt mir nicht mehr so leicht wie früher, Metaphern zu greifen und kompakt in ein paar Zeilen in Worte zu fassen. In Prosa geht mir das inzwischen leichter von der Hand, weil ich mehr Raum habe, alles auszufalten. Aber für Czolgosz will ich Lyrik, unbedingt.

Das hier ist sozusagen eine Kampfansage an mich selbst - ein klares Lass es nicht schleifen, Franzi. Zur Erinnerung gegen die Faulheit.

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