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Archiv der Kategorie Fremdwerk

Die Eleganz des Igels & Kate Daniels

Ich hinke wieder total hinterher. Und eigentlich sollte ich jetzt auch an meinen Kurzgeschichten schreiben, statt zu bloggen. Aber ich kann irgendwie nicht so gut schreiben, wenn ich noch etwas anderes zu tun habe - deshalb erledige ich das jetzt mal zuerst und danach wird fleißig geschrieben.

Die Eleganz des Igels

Die liebe Lisanne hatte mir zum Geburtstag Die Eleganz des Igels von Muriel Barbery geschenkt. Erst hab ich gedacht hm, ein bisschen schade, ich wollte es doch auf Französisch lesen. Inzwischen bin ich Lisanne dankbar, dass sie mich davor bewahrt hat! Ich bin mir nämlich relativ sicher, dass ich kaum etwas verstanden hätte. (Es macht mir zugegebenermaßen ein bisschen Sorgen, wie eingerostet mein Französisch inzwischen ist.)

Anfangs hatte ich außerdem ein bisschen Angst, dass es mir zu kompliziert wäre. Uff, nee, nicht so was Anstrengendes, wo man sich die ganze Zeit konzentrieren muss. So war es aber gar nicht. Statt dass diese philosophischen Anklänge, die überall mitschwingen, das Buch schwer und langwierig machen würden, tun sie eher das Gegenteil. Das hab ich ehrlich gesagt selten erlebt und ich habe großen Respekt vor Muriel Barbery, dass sie das so gut hinbekommen hat. Mal abgesehen davon, dass sie einen ganz wunderbaren Humor hat. Ich liebe Renée, ihre Concierge, einfach, und das Ende des Buches kann ich ihr daher nicht so ganz verzeihen. Ich habe meinen “Ich runzle böse die Stirn, was ich sowieso höchstens zwei Minuten lang durchhalten kann”-Blick aufgesetzt, nur zu eurer Information.

Schön war aber, wie sich das Buch aufgebaut hat - diese zwei parallelen Erzählstränge, einer aus Renées Sicht und einer aus der Sicht der hochintelligenten, fast dreizehnjährigen Paloma, die Selbstmord begehen will. Es war wirklich recht lustig, wie die beiden manchmal die selbe Meinung von einem der Hausbewohner hatten, wie sie sich ähnliche Gedanken gemacht haben, schließlich beide dieselbe Person näher kennengelernt haben - und wie dann so ihre beiden Geschichten miteinander verflochten wurden.

Aber ganz besonders liebe ich das Buch aus einem Grund: die Protagonistin geht darin aufs Klo. Danke, Muriel Barbery. Danke.

Nachdem ich mit Die Eleganz des Igels fertig war, habe ich was gesucht, was ich lesen könnte, und da Sarah Rees Brennan in den Kommentaren zu einem ihrer Blogeinträge erwähnt hat, dass sie Ilona Andrews toll findet, habe ich beschlossen, es noch mal mit Magic Bites zu versuchen. Weil ich Sarahs Geschmack vertraue. Kurze Zusammenfassung meiner ersten Begegnung mit diesem Buch:

Umzug, kein Internet, so gut wie nichts zu lesen. Dreißig Seiten zähen Dahinfließens. Die mir nach wenigen Zeilen verhasste Badass Progagonistin Kate Daniels. Ein ekliger Vampir. Kapitulation meinerseits.

Magic BitesUnd so was war mir mit einem Buch, das ich mir selbst gekauft habe, noch nie passiert. Es tat mir monatelang weh, ein Buch im Regal stehen zu haben, dass ich nicht gelesen habe. Also, zweite Begegnung: Unvoreingenommen sein. Franzi! Unvoreingenommen. Okay, tief durchatmen. Vorsichtig das erste Kapitel lesen und- wuah, ist das GUT. Ich hatte das Buch innerhalb von zwei oder drei Tagen durch. Und dann hab ich mir die nächsten beiden bestellt. Per Overnight Express. Die ich ebenfalls beide verschlungen habe. Ich weiß nicht, warum ich das erste Buch vor einem Jahr so gehasst habe. Ich versteh es einfach nicht mehr. Es ist geniale Urban Fantasy. Damit können nicht alle Leute was anfangen, auch nicht alle Fantasy-Fans, aber ich gehöre zu den Leuten, die Urban Fantasy lieben. Und Fantasy mit einer bescheuerten Romanze, über die man sich stundenlang aufregen könnte. Mit Konflikten und wunderbaren und furchtbaren Nebencharakteren. Und zu guter letzt: der Humor. Diese Dialoge! Diese Monologe!

Ich bin total verliebt. Und im Mai kommt erst das nächste Buch raus. Irgendjemand muss mich hassen.

Wicked & A Little Bit Wicked

Es ist sieben. Es ist Samstag. WARUM KANN ICH NICHT MEHR SCHLAFEN?

Pfuh. Das tat gut. Und da morgens sowieso die beste Zeit ist, um zu denken, habe ich mir gedacht, ich schreibe endlich mal diesen Blogeintrag über all die wicked Bücher, die ich so gelesen habe. Den schulde ich euch nämlich schon lange.

Wicked Wicked von Gregory Maguire wollte ich lang, lang schon lesen. Das hängt natürlich höchstens ein klitzekleines bisschen damit zusammen, wie sehr ich das Musical liebe. :D Ich bin dann auf die blöde Idee gekommen, es im November zu lesen (bzw. ich bin vorher einfach nicht fertig geworden), so dass es eine sehr unregelmäßige Lektüre wurde. Und dabei hatte ich mir doch geschworen, nicht so lange für das Buch zu brauchen wie meine Mutter, die es während unseres Umzugs gelesen hat.

Dafür war es dann aber ein bisschen wie eine Reise. Es gab zwar Tage, da habe ich überhaupt nicht gelesen, aber ich habe immer versucht, wenigstens ein paar Seiten zu schaffen - und an manchen Abenden konnte ich mich nicht mehr losreißen. Ja, so entstehen Augenringe.

Das war mal wieder ein englisches Buch, wo ich mich richtig drauf konzentrieren musste, nicht in den langen Sätzen verloren zu gehen. Normalerweise habe ich damit ja keine Probleme, aber wenn man nebenher versucht, 50k in den Computer zu hauen und sowieso noch krank ergo müde ist, dann kann das schon mal anstrengend werden.

Das Schönste war für mich eigentlich, die Charaktere, die man aus dem Musical (vielleicht nur oberflächlich) kennt, ein bisschen besser kennenzulernen. Boq, Nessa, Glindas Freundinnen… die ganze Geschichte zu Dr Dillamond - und dann auch Fiyero, der im Buch so viel anders ist als im Musical. Ich glaube, Fiyero war eine der Figuren, die mir am besten gefallen haben. Der Unterschied zum Musical ist schon ziemlich drastisch, denn im Buch ist er nicht so ein oberflächlicher Schnösel und auch nicht Schwarm aller Frauen. Schon gar nicht der von Glinda. :D

Was ich toll fand, war, dass Boq und Elphaba im Buch eigentlich eine relativ starke Verbindung haben, und die hat mir sehr gut gefallen. Und Elphaba war nicht so naiv wie im Musical am Anfang - sie hat dem Zauberer von Oz gleich von Anfang an misstraut. Insgesamt ist sie furchtbar interessant gewesen - es gehen so viele widersprüchliche Dinge in ihr vor, das macht so viel Spaß, das zu lesen. Man kommt auch als Leser sehr schwer durch ihre kühle Hülle durch, aber manchmal hat sie so seltene Momente, wo man spürt, dass sie traurig oder verzweifelt ist.

Ich finde, das ist das, was Gregory Maguire gut kann: Charaktere. Beim Plot hat er so einiges offen gelassen, das hätte man vielleicht am Schluss ein bisschen besser zusammenknoten können. Aber es gibt ja noch ein weiteres Buch. :)

A Little Bit WickedNachdem ich mit Wicked fertig war, wusste ich nicht so recht, was ich lesen sollte - es sollte was Unkompliziertes sein. Und da A Little Bit Wicked sowohl das verspricht, als auch etwas mit dem vorherigen Buch zu tun zu haben, habe ich mich schlussendlich dafür entschieden.

Das war auch eine sehr, sehr gute Entscheidung. A Little Bit Wicked ist leicht und bubbly (das Wort passt einfach so gut), witzig, aber manchmal auch ein wenig tiefsinnig. Da ich ein großer Fan von Kristin Chenoweth bin, war es total schön, bei ihr mal ein bisschen hinter die Kulissen schauen zu dürfen und es war sehr interessant, zu erfahren, was sie in bestimmten Situationen während bestimmter Projekte gefühlt hat, wie sie beim Musical gelandet ist (obwohl sie ja eine klassische Ausbildung hat), wie sie beim Fernsehen gelandet ist - und so weiter.

Natürlich will ich auch die “echte” Autorin, die an dem Buch beteiligt war, nicht vergessen: Joni Rodgers, die es wirklich toll hinbekommen hat, Kristin in Worten zu verpacken. Man findet sehr viel wieder von dem, was man glaubt, das es Kristin ausmacht, und es macht einfach Spaß, das Buch zu lesen. Ich hatte es innerhalb von ein paar Tagen durch. Wenn alle Autobiographien von irgendwelchen Stars so schön und gut geschrieben wären, dann wäre die Welt ein besserer Ort.

Adler und Engel (Juli Zeh)

Es ist unglaublich, wie oft ich in der letzten Woche jedes Mal, wenn ich diesen Buchtitel schreiben wollte, versehentlich getippt habe “Juli und Zeh”. Ich weiß nicht so genau, was das über mich aussagt. Aber weder Juli noch Zehen haben sonderlich viel mit dem Buch zu tun.

An sich mochte ich das Buch, es gehört zu diesen Büchern junger Autoren, in denen immer mindestens eine Person drogenabhängig sein muss und mindestens eine tot. ;) Das war auch eine der Sachen, die mich ein bisschen gestört hat. Aber die Geschichte war gut, und sie war auch gut erzählt. Von der Hauptfigur, Max, die sehr poetische Momente hatte und auch manchmal sehr abgedrehte und manchmal sehr sarkastische. Im Prinzip passieren zwei Geschichten, eine läuft in der Gegenwart ab, die andere wird in Rückblenden erzählt; und manchmal kam es vor, dass der Max aus der Gegenwart und der Max aus der Vergangenheit ein bisschen gehakt haben. Manchmal war für mich unstimmig, wie der Max, der jetzt so ist, mal so hat sein können, wie er es zum Teil in den Rückblenden war, sehr weich.

Adler und ENgel

Dennoch: die Charakterisierung hat mir gefallen. Auch die Plotidee fand ich interessant, obwohl mir manches nicht ganz klar geworden ist (könnte auch daran liegen, dass ich das Buch zu Schluss relativ oft aus der Hand legen musste). Es hatte ein bisschen was von Krimi und ein klein bisschen Liebesgeschichte, sogar ein klein bisschen zweimal. Die Parallelen zwischen Gegenwart udn Rückblenden gab es, und das ist auch gut so, weil ich mir nicht sicher bin, ob die eine Geschichte ohne die andere so hätte existieren können.

Was mir wirklich gefallen hat, war, wie die Autorin die Sache von hinten aufgezogen hat, wie ich am Anfang überhaupt nichts verstanden habe - kluge Frau, die weiß, wie man den Leser an die Geschichte fesselt. Inhaltlich kann ich leider auch nicht viel Zusammenfassendes sagen, für mich ist der Inhalt immer noch so ein bisschen in der Schwebe. Vielleicht muss ich das Buch einfach noch mal lesen, mal sehen. :)

Jetzt werde ich erst mal Jane Eyre lesen, das ich mir heute gekauft habe (ich konnte einfach nicht aus der Buchhandlung gehen und es da zurücklassen!). Schreiben tu ich auch nach wie vor, immer ein bisschen, mit Write or Die. Und das hilft, einen aus so einem Kreatief rauszuholen.

Das blaue Mädchen

Das blaue MädchenHeute habe ich Monika Feths Das blaue Mädchen gelesen. Und damit meine ich wirklich heute. :) Ich habe das Gefühl, das viele Lese macht mich wieder schneller. Adieu, du furchtbare Phase, in der ich so schrecklich langsam gelesen haben.

Also, das Blaue Mädchen. Vor ein paar Jahren (ich weiß aber nicht genau, vor wie vielen) habe ich das Buch schon mal gelesen und damals fand ich es total toll. Ich wollte es auf jeden Fall noch mal lesen, um rauszufinden, wie es mir jetzt gefallen würde. Mein Fazit: ein bisschen zu viel Teenager-Romanze.

An sich mag ich das Buch. Es ist nicht schlecht geschrieben und die Autorin hat sich eine interessante Thematik ausgesucht - Sekten und wie man aus diesem einheitlichen Denken und dem Zwang ausbrechen kann. Als ich das Buch zum ersten Mal gelesen habe, fand ich das noch richtig schockierend (usw. usf.), aber inzwischen finde ich, die Handlung konzentriert sich einfach ein bisschen zu sehr auf Küsschen hier und Küsschen da und Liebeliebeliebesehnsucht. Trotzdem hat es mir heute zusammen mit Cappuccino ein bisschen durch meinen erkälteten Nachmittag geholfen und ich bereue es auch nicht, das Buch jetzt noch mal in die Hand genommen zu haben. Was ich vor allem für gelungen halte: die Charakterisierung der Figuren. Ich glaube, das ist etwas, was Monika Feth wirklich gut kann.

Edit: Habe ich erwähnt, dass ich ein bisschen was geschrieben habe, das mir gefällt? Wirklich nicht viel, aber immerhin. Write or Die mache ich wohl auf jeden Fall weiter, irgendwie hilft das.

“All of us are like stairs, one step after another, all going the same way.”*

 The Joy Luck Club (Amy Tan)* aus The Joy Luck Club von Amy Tan

Heute habe ich The Joy Luck Club von Amy Tan ausgelesen, ein Buch, das die Geschichten von vier Müttern und deren Töchtern erzählt - von in China geborenen Müttern und von in Amerika geborenen Töchtern. Das ist nicht nur ein Konflikt der Generationen, sondern auch der Kulturen, in dem alle acht Frauen versuchen, nicht nur ihre kulturelle, sondern auch ihre persönliche Identität zu finden. Ein interessantes Konzept, das auch im Großen und Ganzen schön umgesetzt wurde.

Leider musste ich mich bei dem Buch mit einer vereinfachten Adaptation zufrieden geben - da wir eigentlich vorhatten, den Joy Luck Club in der Schule zu lesen, wo man am besten das Niveau nicht zu hoch anhebt ;). Ich gehe davon aus, dass meine Kritikpunkte vor allem dadurch ausgelöst wurden, dass es eben eine abgeänderte Fassung ist.

An sich ist es ein tolles Buch, das auch mir absoluter Ignorantin ein Stück weit die chinesische Kultur näher gebracht hat, mit all ihren Redensarten, Sagen und ihrem Aberglauben. Vor allem die chinesischen Mütter haben in diesem Buch so viele schöne Stellen, alles wunderbare Zitate - Aussagen, mit denen sie versuchen, ihren Töchtern das Chinesische in ihnen deutlich zu machen, oder das in ihnen selbst nicht zu verlieren. Ein hübsches Beispiel ist das Zitat, das ich als Titel verwendet habe. Ich finde, alleine dafür hat es sich schon gelohnt, das Buch zu lesen.

Ein bisschen schade war allerdings hin und wieder, dass die Glaubwürdigkeit bei der Charakterentwicklung vernachlässigt wurde. Da das immer ein wenig rausfällt aus dem restlichen Stil, vermute ich, dass es mit der Fassung zusammenhängt, aber es ist wirklich schade, dass zugunsten des Verständnisses die Qualität leiden muss. Es ist einfach zu abrupt und unglaubwürdig, wenn jemand sein Leben lang Minderwertigkeitskomplexe hat, und dann innerhalb von zwei Sekunden merkt, dass er ja doch viel toller ist als alle anderen. Oder dass eine Person ihre Lebensentscheidungen in Bruchteilen von Sekunden trifft, ohne dass dem Leser - direkt oder indirekt - ein Motiv serviert wird. Ich möchte ja gar nicht alles vorgekaut bekommen, aber ich möchte mir das Buch auch nicht selber ausdenken müssen - sonst könnte ich ja eines schreiben, statt es zu lesen.

Was mich auch gestört hat, war, dass die verschiedenen Geschichten, aus denen das Buch besteht, allesamt aus der Ich-Perspektive geschrieben waren, und nur die Untertitel mir jeweils gesagt haben, aus wessen Sicht ich gerade etwas lese. Das hat dafür gesorgt, dass ich mehr als einmal zurückblättern musste, um nachzugucken, wer das jetzt noch mal war, und deshalb sind leider auch nicht wirklich Namen und Ereignisse verknüpft hängen geblieben, sondern höchstens getrennt voneinander.

Wie gesagt hat mir das Buch aber dennoch gut gefallen, vor allem wegen des Einblicks in die mir fast völlig fremde chinesische Kultur. Es war insgesamt in einem guten, leicht poetischen Stil geschrieben, und hat einige Probleme angerissen, die eine halbe Welt zwischen zwei Heimaten verursachen kann - vielleicht hätte man manches noch intensiver beleuchten können, etwas mehr in die Tiefe gehen, aber wegen der Kürzung weiß ich eben nicht, wie viel davon ich der eigentlichen Autorin nun wirklich vorwerfen kann, und belasse es dabei, dass es eine nette Lektüre für zwischendurch ist.

Dracula von Bram Stoker

Dass ich Dracula ausgelesen habe, ist nun auch schon wieder mehr als eine Woche her, aber zwischendurch bin ich einfach zwischen meinen begeisterten “Wicked war sooo toll”-Ausrufen und dem Einrichten meines Zimmer nicht dazu gekommen, zusammenhängend drüber zu bloggen. Das hat das Buch nämlich meiner Meinung nach verdient.

Ich denke, dass so ziemlich alle wissen, was ich von Bis(s) und Co. halte. Da sind die Vampire einfach nur smoking hot, jetzt mal abgesehen davon, dass ihre Haut ja so kalt ist, und sind auch gar nicht beängstigend und so, weil sie ja gut aussehen. Dracula ist ganz anders. Für mich irgendwo ein Pionier im Horror- und Fantasygenre, und auch der Klappentext sagt, Dracula sei “a unique horror masterpiece and the most famous of all vampire tales”. Klar, auch Bekanntheit ist bei einem Buch nicht alles, aber dieser Roman hat die Bekanntheit verdient, von daher muss ich da absolut zustimmen.

Dracula by Bram Stoker

Die Darstellung des Vampirs bzw. der Vampire gefiel mir gut. Das sind keine Schnuckelchen, die halt mal dem oder der zuliebe auf ihren natürlichen Trieb - Blut zu saugen - verzichten. Sie werden als Monster beschrieben, und so sehen sie auch aus. Und ich kann ja vieles vor dem Einschlafen lesen, aber als ich mal bei einer besonders unschönen Szene ankam, war es mir im Dunkeln danach schon ein wenig unwohl. Aber ich denke, auch das spricht für das Buch. :)

Was mich besonders begeistert hat, und weshalb ich wirklich jedem empfehlen würde, es auf Englisch zu lesen, wenn es geht, ist der altertümliche Stil. Der ist ja echt, und nicht nur so auf alt gemacht, schließlich stammt das Buch aus dem Ende des 19. Jahrhunderts. Es ist auch total niedlich, wie es da noch diese ganzen Konflikte und Zweifel gibt: was darf ich als Frau machen? Was dürfen wir als Männer einer Frau zumuten? Und so weiter. Aus heutiger Sicht ist das wirklich lustig anzusehen. Und es ist aus sehr vielen Blickwinkeln anzusehen, da Stoker ein interessantes System benutzt. Er schreibt in chronologischer Reihenfolge, aber aus unterschiedlichen Sichtweisen, wofür er Tagebucheinträge, Briefe, Telegramme, Memorandien der einzelnen Personen benutzt, was das Buch meiner Meinung nach wahnsinnig interessant macht. Das war eine Vampirgeschichte, die mir sehr gut gefallen hat, vom Plot her, von den Charakteren her, auch von der Auflösung her - dabei war mir die Geschichte schon vom Musical her halbwegs bekannt.

Daher noch eins zum Schluss, was nur bedingt mit der Qualität zu tun hat: wer im Buch eine Liebesgeschichte zwischen Dracula und Mina sucht, wird das vergeblich tun, und das finde ich eigentlich nicht schlecht. Es hat auch ohne diese seinen Reiz, aber fürs Musical musste wohl noch mehr Dramatik rein. ;) Jedenfalls ist Dracula ein echter Klassiker, und ich bin froh, es in der Bibliothek nicht doch wieder aus der Hand gelegt zu haben.

Brandon Sanderson: The Hero of Ages

The Hero of Ages by Brandon SandersonNach ungefähr einem Jahr des Wartens konnte ich das dritte Buch der Mistborn Trilogie nun endlich lesen. Sämtliche Rezensenten scheinen nicht nur von den ersten beiden Büchern ausnahmslos begeistert zu sein, sondern auch von diesem Buch. Es war leicht, ihnen zu glauben, weil ich ihnen nach der Lektüre von The Final Empire und The Well of Ascension nur zustimmen konnte, andererseits bin ich beim letzten Buch einer Serie immer ein bisschen skeptisch (insbesondere seit dem siebten Harry Potter-Band).

Die Lektüre dieses Buches war ein bisschen wie ein Marathon: ich habe Tage und Seiten gezählt und bis in die Nacht gelesen. Das hing teils mit meinem Plan zusammen, in den Sommerferien so viel wie möglich zu lesen, andererseits konnte ich das Buch aber manchmal auch nicht aus der Hand legen. Brandon Sanderson schreibt unvorhersehbar, aber geplant und logisch. Dass dies nicht auf eine Zwangsläufigkeit des Plots hinausläuft, ist ihm hoch anzurechnen. Zurückblickend wird einem klar, dass er auf sein Finale seit dem ersten Kapitel des ersten Buches hingearbeitet hat; er hat immer wieder Hinweise fallen lassen, kleine Andeutungen, wichtige Tipps (und ich werde die Bücher um deretwillen auch noch mal lesen müssen), aber seine Geschichte wirkte nicht erzwungen, im Gegenteil.

Dieser Autor kann seine Leser furchtbar auf den Holzweg führen. Die meiste Zeit habe ich während des Lesens in einem Zustand der immensen Verwirrung verbracht und einer Verzweiflung, dass sich mir da nichts erschließt (ich liebe das so!), und hätte meinen Kopf am Ende auf den Tisch schlagen können. Klar, einiges habe ich mir gedacht - wenn ich mal ein paar gut gestreute Hinweise aufgesammelt habe - aber vieles hat mich überrascht. Die Logik darin ist mir im Nachhinein schon aufgefallen, aber ich wäre vorher nie drauf gekommen.

Brandon Sanderson schreibt genau die Fantasy, die ich brauche. Er ist dabei fies, schreckt nicht davor zurück, Charaktere umzubringen, wo es nötig ist, oder Grausamkeiten zu beschreiben. Er macht das nicht plakativ, er macht es einfach, weil es dazugehört. Und ich liebe ihn dafür, weil man genau so was in Fantasy zu selten findet.

Brandon Sanderson - The Well of Ascension

Irgendwie bin ich momentan einfach zu müde, um ausschweifende und intellektuell tiefgreifende Buchkritiken zu schreiben. Mich hat eine Erkältung voll erwischt. Das einzig Schöne dabei ist, dass man keine Ausrede dafür braucht, stundenlang auf dem Sofa zu liegen und zu lesen. Aber jetzt doch noch ein bisschen was zu The Well of Ascension.

The Well of Ascension by Brandon SandersonDas Buch ist der zweite Teil der Mistborn Trilogy und ich habe es gerade zum zweiten Mal gelesen. Ich mag es nach wie vor sehr gerne, obwohl ich das erste Buch etwas lieber mag - es liegt an den Charakteren, an der Waghalsigkeit des ganzen Geschehens, der ganzen Neuheit des Gesellschaftssystems. Aber auch im zweiten Buch behandelt Sanderson seine Charaktere sehr liebevoll und gibt ihnen sehr glaubhafte Züge. Ich finde es faszinierend, aus wie vielen verschiedenen Perspektiven er seine Geschichte erzählt - nicht nur, dass es das um einiges interessanter macht, nein: jeder einzelne Blickwinkel ist glaubwürdig.

Was mir außerdem gefällt: Fantasy ist ein Genre, aber keins, das auf etwas so bestimmt ausgelegt ist wie manch andere Genres. Es baut nicht allein auf Psychoterror und auch nicht allein auf die große Romanze, nicht allein auf Action- und Kampfszenen (obwohl man bei manchen Büchern durchaus das Gefühl bekommen könnte); es baut auf eine gesunde Mischung aus diesen Sachen, und das macht es meiner Meinung nach schwer, es zu schreiben. (Nicht, dass andere Genres nicht schwer wären - sie haben ihre eigenen und anderen Schwierigkeiten.) Sanderson macht das meiner Meinung nach aber auf eine sehr schöne Art, und es macht Spaß, das zu lesen. Vor allem, da er viele kleine Nebenhandlungen einbaut, die allerdings nicht verwirrend sind, sondern fesselnd - man vergisst sie hin und wieder beinahe, bis wieder etwas auftaucht, ein Hinweis vielleicht, das damit zu tun hat, oder man schimpft sich am Ende dafür, dass einem nicht früher aufgefallen ist, dass die beiden Handlungen ja verknüpft sind.

Es sind auch diese ganz, ganz kleinen Dinge, die das Buch spannend machen. Ich habe es vor ungefähr einem Jahr zuletzt gelesen und behaupte gerne von mir, kein schlechtes Gedächtnis zu haben. Die kleineren Zusammenhänge hatte ich allerdings wieder vergessen, und Sanderson baut seinen Plot so auf, dass es mich wahnsinnig aufregt und festhält, gerade diese Sachen vergessen zu haben, selbst wenn ich den allgemeinen Ausgang der Geschichte schon kenne. Es ist eigentlich das, was mir meine Gesangslehrerin beim Einsingen beigebracht hat: dass ich allen Tönen die gleiche Aufmerksamkeit schenken soll, damit es wird, nicht zwischendurch oder am Ende mal einen fallen lassen. Und genau das macht Sanderson mit seinen vielen Handlungen, und das macht es schön. :)

“I think I’m going to kiss you.”

Ich bekomme von sehr vielen Leuten, die schreiben, sehr, sehr oft gesagt, was ich noch alles lesen muss. Fantasy ist eigentlich nie dabei - die Hoffnung, irgendwann Fantasy-Gegner davon zu überzeugen, dass auch das ein ganz normales, lesbares, gutes Genre ist, gebe ich aber nicht auf. :) Die Schwerpunkte liegen hin und wieder auf anderen Dingen, aber Mistborn - The Final Empire könnte rein theoretisch auch einfach eine Art historischer Roman sein, eine Romanze, eine Geschichte über Freundschaft.

Mistborn by Brandon Sanderson

Was es zu Fantasy sie macht, ist nicht die Welt, in der die Charaktere sich bewegen. Diese Welt ist das 1000-jährige Reich eines scheinbar unsterblichen Mannes, der einmal die Menschheit vor der Deepness, der Tiefe, errettet haben soll. Was dieses obskure Ding eigentlich ist, erfährt man im ersten Buch noch nicht - es ist auch erst einmal unwichtig. In diesem Reich, das schon so lange besteht, leben Adlige, die die Gesellschaft und die Finanzen im Griff haben, und Skaa, einfache Arbeiter, Bettler, die seit hunderten von Jahren unterdrückt werden. Eine Gruppe von Skaa (oder auch Halb-Skaa, die adliges Blut haben) setzt sich schließlich zum Ziel, den Lord Ruler zu stürzen und eine Gesellschaft zu errichten, in der alle gleichberechtigt sind.

Was das Ganze jetzt zu Fantasy macht, ist eigentlich nur das magische System, das Brandon Sanderson benutzt. Es ist nicht einmal wirklich Magie, sondern auf bestimmte Art und Weise Physik: Allomantik. Metalle werden geschluckt und schließlich verbrannt - dabei kann man mit Zinn seine fünf Sinne verbessern, mit Hartzinn Dinge wie Kraft und Gleichgewicht usw. Das eigentlich Faszinierende an dem Buch/der Trilogie ist aber für mich, dass es diese altbekannte Fantasy-Story “Gut bekämpft Böse, Gut gewinnt, Happy End” umwirft und sich fragt: was passiert eigentlich, nachdem die Guten gewonnen haben? Wie funktioniert das und funktioniert das überhaupt, eine neue Gesellschaft aufzubauen? Welchen Problemen begegnet man? Ich finde das toll und nebenher kommt eben alles vor, was in anderen Büchern auch vorkommt - zwischenmenschliche Beziehungen, Misstrauen, Vertrauen, Freundschaft, auch Tod. Sanderson schafft es wunderbar, seine Charaktere glaubwürdig zu machen, und während er mich wirklich einige Male zum Lachen gebracht hat, hat er auch das mit dem Weinen hinbekommen. Und Bücher, die mich zum Weinen bringen, sind in meinen Augen einfach gute Bücher. :)

The Demon’s Lexicon oder Die Geburt eines Fandoms

Ich gebe zu, ich war in den letzten Tagen ziemlich schweigsam. Meine Ausrede dafür: ich war bei der Geburt eines neuen Baby Fandoms dabei! So was habe ich noch nie erlebt, aber es macht riesigen Spaß.

The Demon's Lexicon by Sarah Rees Brennan

Ein bisschen Vorgeschichte: Sarah Rees Brennan, deren Debüt-Fantasyroman am 2. Juni bei Simon & Schuster unter dem Titel The Demon’s Lexicon erschienen ist, ist nicht nur eine Autorin, sie ist ein Phänomen. Zumindest auf livejournal, wo sie seit gut sieben Jahren über ihr Leben, ihr Schreiben und Bücher bloggt. Als Autorin von einer guten Stückzahl Harry-Potter-FFs hatte Sarah eine enorme Fangemeinde, bevor sie überhaupt veröffentlicht wurde. Ihr Buch wurde ins Japanische, Finnische und Deutsche (Der Zirkel des Dämons) übersetzt, schon vor der Veröffentlichung gab es die Fancommunity marmalade_fish. Die Erwartungen an die junge Dame waren natürlich recht hoch. :)

Mich persönlich hat sie nicht enttäuscht. Als ich das Buch endlich in Händen hielt, habe ich Middlesex in einem Rutsch ausgelesen, um es endlich lesen zu können. Und ich habe The Demon’s Lexicon nicht nur einmal, sondern gleich zweimal hintereinander gelesen.

Nick und sein Bruder Alan sind seit Jahren auf der Flucht vor Magiern. Im Besitz ihrer Mutter, selbst eine Magierin und einst die Geliebte des Anführers eines der mächtigsten Zirkel, befindet sich ein Talisman, den der Zirkel unbedingt zurückhaben möchte. Als auch noch Jamie und Mae auftauchen, die Hilfe suchen, weil Jamie das Mal eines Dämons trägt, ist Nick nicht gerade begeistert - immerhin hat er selbst genug Probleme. Doch auch Alan wird gezeichnet und während Nick Jamie seine Hilfe erst verweigern will, werden sie schließlich in eine Sache hineingezogen, die viel größer ist, als sie dachten. Und am Ende kommt viel Wahrheit ans Licht, von der man sich wünscht, sie nie gesehen zu haben.

Fantasy ist toll. Leider glauben einem das wenige Leute, aber es ist ein Fakt - Fantasy ist nicht nur Zauberstabgefuchtel und Dämonen und fremde Welten. Wie The Demon’s Lexicon kann Fantasy in einer ganz normalen, alltäglichen Umgebung spielen. Sarah Rees Brennan erzählt nicht nur von Magiern und Beschwörungen; ihre Charaktere haben auch ganz andere Probleme. Wer bin ich? Wieso bin ich so, wie ich bin, was ist meine Beziehung zu anderen? Eben genau das, was jedes gute Buch ausmacht: Persönlichkeiten, Fragen und schlussendlich - Antworten. Nachdem ich schon von anderen gehört hatte, wie unerwartet das Ende sei, habe ich nur immer gedacht: “So unerwartet kann es doch gar nicht sein.” Es spricht für Sarah, dass es tatsächlich so unerwartet war. Ein weiterer Pluspunkt ist eindeutig die Figur, aus deren Sicht das erste Buch erzählt wird: Nick. Das größte Problem, dass sie beim Schreiben hatte, ist Sarah zufolge, eine Figur zu schreiben, die nicht liest. Dabei gibt es Dinge an Nick, die viel beunruhigender sein sollten. Dass er keine Empathie fühlt, zum Beispiel. Und obwohl er das nicht tut, entwickelt der Leser eine Empathie ihm gegenüber und auch gegenüber den restlichen Charakteren.

Genau deshalb fiel es mir so schwer, das Buch loszulassen, und genau deshalb habe ich es gleich noch mal gelesen. Ich kann dieses geniale Stück Fantasy wirklich jedem empfehlen. Neben toller Charakterisierung kann Sarah nämlich noch etwas: witzig sein. Ihre Dialoge sind einsame Spitze und man sollte, wenn man die Gelegenheit hat, das Buch in jedem Fall auf Englisch lesen. Aber eigentlich ist die Essenz dieser Rezension nur: LESEN.

(Und: danke, neues Baby Fandom, dass es dich gibt, mit all den tollen Menschen, die dich ausmachen!)