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Archiv der Kategorie Eigenes

Saure Milch

So, nachdem ich am Sonntag kommentarlos ein Gedicht in den Raum geworfen habe (wobei ich mich über Kommentare immer freue, ob positiv, ob negativ… ihr wisst schon, das ganze Programm), bin ich jetzt wieder mit Prosa da. Ich hab’s schon getwittert, ich hab eine Kurzgeschichte zum Vermailen; falls jemand sie gerne haben will, einfach schreien und die E-mail-Adresse da lassen. Und um die Neugierde zu erwecken oder auch zur Abschreckung, ein kurzer Ausschnitt aus der kurzen Geschichte:

Damit hat Monsieur nicht gerechnet: zwei karierte Koffer und so viele Lücken in den Regalen. Die saure Stille nach all dem Geschrei. Er hat sich immer vorgestellt, nach einer SMS in der Straßenbahn zu weinen und die Wohnung andächtig und anklagend vorzufinden. Er hat sich nicht vorgestellt, Belle beim Packen zu helfen. Er hat sich auch nicht vorgestellt, dass ausgerechnet Belle so viel weinen würde.

Es war doch lang. Monsieur erinnert sich an ein paar Jahre. Er erinnert sich gern, denn die Zeit war wie aus einem französischen Film ausgeschnittene Szenen, lose zusammengeklebt, mit welligen, feuchten Ecken. Das tut mir so leid, hat Belle gesagt und ein weißes Taschentuch mit Wimperntuscheschlieren in der Hand zerknüllt. Monsieur hat genickt und er hat sich ein bisschen gewundert. Er hat sich nicht vorgestellt, dass Belle sich in jemand anderen verlieben könnte. Vielleicht, weil er sich selbst nie vorstellen konnte, sich in jemand anderen zu verlieben. Er zieht ihr das Taschentuch aus der Hand, es ist ganz leicht und zittrig, und tupft ihr das Schwarz vom Gesicht. Du darfst mich jetzt aber nicht mehr küssen, sagt Belle.

Saure Milch (2. Überarbeitung, 18.05.2010); © Franziska Kurtz

Endlich hab ich mal wieder Beweise, dass ich jetzt tatsächlich wieder produktiver bin. Ich fühle mich so kreativ!

Ein Stück Lyrik

du verkaufst dein haar
für kupfergeld
wir brechen
unsere zirkuszelte ab

diese bunten wände
flattern im wind wie dein haar
im manegenrund
dressierten wir ängste

mit maulkörben
wie tanzbären - sie wanken

© Franziska Kurtz, 16.05.2010

Kritische Ausgabe Heft Nr. 18

Kritische Ausgabe Nr. 18Der Kritischen Ausgabe wollte ich noch mal einen extra Blogeintrag widmen, deshalb habe ich sie gestern nicht mehr dazugepackt. Jetzt ist sie raus! Online kann man sie in Teilen schon bewundern. Unter den Beiträgen, die man sich herunterladen kann, ist auch So was fragt man nicht. Und der Vollständigkeit halber: bestellen kann man das gesamte Heft hier. Aber das werd ich bestimmt noch öfter und an noch mehr Orten erwähnen. :)

Momentan wird sie auf der Lepipziger Buchmesse (Halle 5, E101) vorgestellt, und danach gibt’s Belegexemplare. Ich bin wirklich schon gespannt wie ein Flitzebogen! Bei den Veröffentlichungen hat Heft Nr. 18 An den Wassern übrigens schon den obersten Platz weggenommen.

GESCHAFFT

Leute, ich bin eine NaNoWriMo-Gewinnerin 2009! Ich habe fertig! 50.028 Wörter (es war so verdammt knapp) und das Projekt ist beendet.

Alle, die noch auf E-mails warten, dürfen dieses Wochenende damit rechnen. Ich werde Texte einsprechen, um mich vielleicht am AdventPodcast zu beteiligen. Ich werde Texte schreiben, für eine Literaturzeitschrift, für Wettbewerbe. Ich werde Wicked endlich fertig lesen. Ich werde wieder regelmäßiger bloggen! Ich werde meinen Teekonsum zurückschrauben. Meinen Schokoladenkonsum auch. Ich werde wieder ruhig schlafen.

Ja, liebe Menschen. Jetzt, wo ich ein Buch geschrieben habe, wende ich mich wieder den wichtigen Dingen des Lebens zu. :D

Wow. Ich bin glücklich.

Der Blog liegt brach

… das geb ich ja zu. Falls jemand trotzdem gerne wissen wollen sollte (uh-huh), dass ich noch lebe: ich twittere fleißig. Frisst nicht ganz so viel Zeit, die man eigentlich fürs Schreiben verwenden müsste, wie das Bloggen.

Ja, Schreiben. Inzwischen ist mir die Realität auf den Kopf gekracht: NaNoWriMo. Ist. Anstrengend. 50 000 Worte schreiben sich nicht mal so eben weg. Anfangs war ich noch ein bisschen hinterher, inzwischen bin ich meinem Wortziel um ungefähr zwei Tage voraus; ein gutes Polster für Tage, an denen ich mal nicht so viel schaffe.

Ich bin jetzt bei 25 419 Wörtern und habe die Hälfte eines zugegebenermaßen eher schlechten Buches damit geschafft. Aber: ich wollte ja eigentlich vor allem üben. Handlung zu schreiben. Dialoge zu schreiben. Fantasy zu schreiben. Ich bin nicht mit der Erwartung reingegangen, dass ich ein Meisterwerk schreibe. Und ich habe durchaus das Gefühl, dass es mir etwas bringt. Und weil das Lyrische, das Franzi immer so mit sich rumträgt, natürlich auch nicht fehlen darf, hier mein Lieblingssatz aus dem Wortsalat:

“Man konnte schon die Hügel sehen und Rauchfahnen, die in den Himmel stiegen wie graue, filigrane Säulen, die die Spätherbstwolken trugen.”

 

Wer noch auf eine e-Mail von mir wartet (ich weiiiß, Nadja): ich geb mir wirklich Mühe, aber es bleibt alles ein bisschen liegen momentan. Dieses Wochenende will außerdem noch der ganze Stoff für die Geschichts-Kursarbeit gelernt werden. Und die 30 000 würd ich gerne schaffen.Versprechen tu ich nichts, außer, dass ich versuchen werde, mich zu melden.

 

Heute übrigens: die Lesung der tja-Preisträger, denen ich hier schnell ganz viel Erfolg und Glück, eine wunderwunderbare Lesung und noch ein aufregendes und lehrreiches restliches tja wünschen will. (Wär so gern dabei gewesen mäh.)

Buchmesse (17.10.) & An den Wassern

Gleich vorweg: ich hab mir gestern auf der Buchmesse meine drei Belegexemplare der Anthologie An den Wassern am Stand des Rhein-Mosel-Verlags abgeholt, und da steht es schwarz auf weiß: “la mer von Franziska Kurtz (1. Platz)”. Ich freu mich riesig! Jetzt muss ich nur noch irgendwie an meine Urkunde und meinen Preis kommen, weil die hätte ich schon auch gerne. Aus Bingen hab ich allerdings auf meine Mail hin immer noch nichts zurückbekommen, deshalb werde ich morgen mal versuchen anzurufen.

Wie sich jetzt schon alle denken konnten, heißt das, dass ich auf der Buchmesse war. (Ach nein!) Ich bin gestern doch relativ spontan hingefahren, um mich mit Denise aus dem Musicalforum zu treffen, was natürlich zu geballter Musicalfreakkonzentration führte (ja, wir sind schon zweit geballt). Wir waren in der China-Halle, in der Film-und-Media-Halle, dann noch in Halle 4.1 (wegen der Anthologie), die ich mir fälschlicherweise als Halle 3.4 gemerkt hatte :D, und dann haben wir uns Ben Becker angesehen. Beziehungsweise vielmehr angehört. Ab und zu habe ich einen Blick auf seinen schnieken Hut erhaschen können, aber insgesamt standen zu viele Leute vor uns, als dass wir ihn hätten sehen können. (Und Ausdauer-auf-den-Zehen-Steherin bin ich auch nicht.) Es war ganz witzig und sowieso toll, ihn mal zu “sehen”, ich mag ihn nämlich, seit ich ihn vor ein paar Jahren mal auf einer CD ein Gedicht habe lesen hören. Er hat aus seinem Kinderbuch Bruno oder Der Junge mit den grünen Haaren vorgelesen. Es klang echt süß. Wir wollten uns danach eigentlich auch noch ein Autogramm holen, aber der Herr Becker, der dank Bahn schon zu spät gekommen war, hatte auch im Nachhinein leider keine Zeit mehr.

Nachdem Denise mich verlassen hatte :/, ich aber noch ein wenig Zeit hatte, bis mein Zug kam, bin ich noch schnell in Halle 8.0, zu den internationalen Verlägen, wo ich mir eine Tüte besorgt habe (den ganzen Tag hab ich nach welchen Ausschau gehalten!) von London Book Fairs.

Im Zug habe ich mir dann erst mal meine eigene Geschichte zu Gemüte geführt - ja, ich wollte mal sehen, was der Lektor damit gemacht hatte. * Ich erinnere mich noch an den Tag, an dem ich ein Rechtschreibprogramm habe drüberlaufen lassen, und es mir statt “du bist empfindlich, erwidert sie und stößt sich am pf.” Folgendes vorgeschlagen hat: “du bist empfindlich, erwidert sie und stößt sich am Kopf.”. Da hatte ich mich sogar noch mit meiner Mutter und Schwester darüber unterhalten, dass wahrscheinlich niemand so doof wäre, ernsthaft zu glauben, das gehöre so.

Ich blätterte also durch meine Geschichte, lese die Zeile und denke mir nur noch: “Oh doch.” Hätte ich nicht im Zug gesessen, hätte ich wohl laut geschrien.

* EDIT: Wen die Sache interessiert: der Lektor hat sich gemeldet (Kommentare) und bestätigt, dass nicht er der Missetäter ist, sondern wohl jemand nach ihm brav auf sein Rechtschreibprogramm gehört hat. Nur damit hier niemand zu Unrecht beschuldigt wird. :) So, und jetzt können wir weiter darüber lachen.

Literaturtage in Bingen

Morgen beginnen in Bingen die Rheinland-Pfälzischen Literaturtage 2009. (Infos dazu hier.) Am 4. Oktober findet um 14 Uhr die Vorstellung der Anthologie An den Wassern statt, sowie die Verleihung des Preises “Buch des Jahres” und eine Lesung von Hanns-Josef Ortheil. Ich werde wohl mit meinen Eltern hinfahren und mir das anschauen. :)

Das einzige, was mir bezüglich der Anthologie ein wenig Sorgen bereitet, ist, dass ich - nachdem ich den Text zum Lektor gemailt hatte - nichts mehr dazu gehört habe. Allerdings vertraue ich dem Rhein-Mosel-Verlag (der die Edition Schrittmacher herausgibt) eigentlich, dass er das nicht total verballhornt. Ein bisschen mulmig ist mir trotzdem und ich bin schon recht gespannt. Außerdem hoffe ich natürlich, dass wir ein Belegexemplar bekommen. Aber auf jeden Fall werde ich dann bald mal wissen, wie sie aussieht, die Anthologie. (Ich bin so oberflächlich.)

So, noch mal kurz und knapp:

An den Wassern/Buch des Jahres/Hanns-Josef Ortheil | 4. 10., 14 Uhr | Kulturzentrum am Freidhof, Bingen | Eintritt frei 

Steht auch noch mal hier.

Literaturtage Rheinland-Pfalz

Erinnert ihr euch noch an das hier? Grade eben habe ich aus dem Briefkasten einen Umschlag gefischt, auf dem - zu meiner großen Überraschung - groß “Rheinland-Pfälzische Literaturtage 2009″ stand. Eigentlich habe ich gar nicht mehr mit einem Brief gerechnet. Und eigentlich dachte ich, mein Text hätte da wohl auch nicht so viele Chancen, weil es irgendwie so nach “Heimatbezug” aussah.

Scheinbar ist dem aber doch nicht so, und ich habe es mit la mer unter die Preisträger geschafft. :) Das heißt, dass die Kurzgeschichte zusammen mit den anderen Preisträger-Texten in der Anthologie An den Wassern (Edition Schrittmacher) veröffentlicht wird, worüber ich mich wirklich, wirklich riesig freue. Vor allem, weil ich wieder Teil einer Schrittmacher-Anthologie sein darf. Mal abgesehen davon, dass das der erste nicht explizit für Jugendliche und junge Erwachsene vorgesehene Wettbewerb ist, bei dem ich mitgemacht habe.

Den Text plus Kurzbio soll ich ihnen jetzt noch mal per E-mail zuschicken, damit er an einen Lektor gesandt werden kann. Ich bin sehr gespannt, was dabei rauskommt.

Ja, ich schreibe noch.

Obwohl ich glaube, es sieht in letzter Zeit so aus, als würde ich nur noch lesen. Mein Problem ist, dass ich ganz viel auf der Festplatte liegen habe, das in der Überarbeitungsphase ist - nur ich weiß nicht genau, wo ich ansetzen soll. Aber es gibt zum Glück noch nette Menschen, die sich die Mühe für Textkritik machen (danke, Nadja!), und außerdem gibt es auch Textstellen, in die ich mich selbst verliebt habe. Die hin und wieder zu lesen macht Spaß und wieder ein bisschen mehr Lust auf die Arbeit, die einem guten Text vorangeht. Und als Beweis, dass das Schreiben nicht tot ist, schenk ich euch eine.

“Ich glaub, ich sterbe, sage ich und Mira sagt, mach mal Mittag, Tillchen. Ich mag es nicht, wenn sie mich so nennt, denn das hat sie von meinen Eltern. Aber heute habe ich keine Lust zurückzuschlagen, obwohl sie auch etwas von ihren Eltern hat. Niemand nennt doch sein Kind Mirabelle, hat sie am Anfang gesagt, nenn mich Mira. Ich dachte nur, dass wohl doch jemand sein Kind Mirabelle nennt, und seitdem frage ich mich, ob Mira an einem Baum gewachsen ist, und stelle mir vor, wie eine schwielige Hand - so eine Hand wie Winzer mit Strohhüten sie haben - sie gepflückt und liebevoll in einen Korb gelegt hat. Und grade frage ich mich, weil ich Hunger habe, wie Mira wohl schmeckt, und wenn ich ihr in die Wange beißen würde, nicht fest, nur so, dass die Haut ein wenig aufbricht, ob das Fleisch darunter ganz weich und hellorange wäre.”

(Aus “Pflücken”, April 2009)

la mer

Dass ich wenig produktiv bin, ist eine Tatsache. Dass ich ungern zu mehreren Wettbewerben den gleichen Text einschicke, ist eine andere. Und die letzte für diesen Eintrag relevante ist, dass es momentan mehrere interessante Wettbewerbe gibt, die aber nicht zum Sankt-Nimmerlein-Tag laufen. Und deshalb heißt es für mich: produktiv werden.

Ich will es versuchen. Meine größten Feinde im Wettlauf mit der Zeit: meine Müdigkeit. Meine Faulheit. Das Internet. Aber Müdigkeit ist auch nicht immer schlecht, weil ich beim Einschlafen (oder zumindest bilde ich es mir ein) hin und wieder die besten Ideen habe. So ist la mer entstanden, bzw. die ersten Szenen, die ich gebraucht habe, um rundherum noch ein paar Dinge drapieren zu können, die das ganze zu einer Geschichte machen. Man nehme eine Themenvorgabe (”An den Wassern”) und einen Wettbewerb. Herausgekommen ist was, und nachdem ich es noch ein bisschen kritisch beäugt habe, werde ich es wahrscheinlich einschicken. Aber erst mal:

ich bin süßwasser, sagt sie. und fügt hinzu: du bist salzwasser. die meisten menschen zieht es zum meer. manchmal bricht akzent ihre worte, nur ganz leicht, wie ein stein im fluss, an dem sich das wasser kurz stößt, bevor es darüber hinweg fließt.

wenn ich müde bin, geht sie hinunter zum bach und wenn sie zurückkommt, hat sie die rocktaschen voller glattgeschliffener steine. ich habe sie geküsst, sagt sie und legt sie mir an die wange. manchmal sind sie noch feucht und sie fühlen sich an wie kühle finger auf der haut.

die küche ist überschwemmt, sage ich, ich habe nasse füße bekommen. du bist empfindlich, sagt sie und stößt sich am pf. ich trage ihr handtücher in die küche hinterher. sie steht barfuß im wasser und wackelt mit den zehen und ich bekomme große lust, ihre sommersprossen zu zählen. jetzt haben wir unseren eigenen see, sie grinst, dass ich die lücke in ihrer oberen zahnreihe sehe. bring mal mehr tücher.

ich habe immer angst vor alltag, denn alltag ist grautag. die schönen tage sind die steintage mit dem vom gras feuchten rücken und den tropfen, die von ihrer haut perlen, ohne dass die sommersprossen schlierig werden. ich bin gar nicht ausgewandert, sagt sie. nein, ich bin nur weitergeflossen.

(Aus la mer, Februar 2009)