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18.6.2009 von Franziska Kurtz.
Kurz zusammengefasst für alle, die nicht den ganzen Beitrag lesen wollen - was ich im Prinzip immer und immer wieder sagen werde, ist sinngemäß: die haben mich gestern so aus den Socken gepustet.
Noch mal eben zur Erklärung. Wir nehmen mit der Theater-AG und unserem Stück Antigone an den 24. Schülertheatertagen Heidelberg teil (bzw. inzwischen müsste das wohl eigentlich in der Vergangenheit stehen :/), wo jede Gruppe auch eine Partnergruppe zugeteilt bekommt. Ausgewählt wird das wohl nach dem inszenierten Material, gemeinsamen Themen, ähnlichem Theaterverständnis… ich kann jetzt nur mutmaßen, aber bei unserer Gruppe hat das alles gepasst. “Unsere Gruppe”, das ist das Oberstufentheater des Hölderlin-Gymnasiums Heidelberg, und man kann einfach nicht oft genug sagen, wie genial die alle sind.
Das aufgeführte Stück ist ein 2006 entdecktes Brecht-Stück, das sich einer Vorlage Yamamotos bedient. Ich klaue einfach mal frech die Zusammenfassung.
Der japanische Dramatiker und Romancier Yamamoto (1887-1974) veröffentlichte 1930 ein Stück über eine der populärsten Figuren aus der jüngeren Geschichte Japans, die Sängerin und Geisha Okichi. Sie wurde 1856, als die USA das Ende der japanischen Isolation erzwangen und Handelsbeziehungen forderten, ins Haus des ersten amerikanischen Konsuls geschickt, der im Stil imperialistischer Kanonenboot-Diplomatie mit der Beschießung der Hafenstadt Shimoda gedroht hatte. Es gelang Okichi, den Konsul zu besänftigen, aber ihre Landsleute, die dieses Opfer brauchten, waren noch nicht bereit, es ihr zu verzeihen. Deshalb wendet der Dichter, wie Brecht schreibt, „sein Hauptaugenmerk dem Leben seiner Heldin nach der Heldentat zu” – der traurigen Geschichte eines langsamen Untergangs der als ‘Ausländerhure’ Verfemten.
(Quelle: Bertolt Brecht: Die Judith von Shimoda. Nach einem Stück von Yamamoto Yuzo. In Zusammenarbeit mit Hella Wuolijoki. Rekonstruktion einer Spielfassung von Hans Peter Neureuter. Suhrkamp. Frankfurt/Main 2006.)
Die Geschichte Okichis ist in Brechts Fassung ein “Stück im Stück”. Während sich in dieser Inszenierung auf dem vorderen Teil der Bühne das Leben von Okichi abspielt, die erst regelrecht genötigt wird, zum Konsul zu gehen, um anschließend geächtet zu werden, sitzen dahinter und erhöht der Fürst und drei seiner Gefolgsleute, die sich das Schauspiel zu Gemüte führen. (Übrigens ein sehr aufwendiges Bühnenbild für eine Schulproduktion - komplett mit einer Rampe, Metallgerüst und dem sehr gelungenen Einsatz von viel Stoff). Nachdem Okichis Heldentat erzählt ist, besteht die amerikanische Journalistin darauf, weitere Szenen aus deren Leben zu sehen, woraufhin die Regisseurin des Stücks im Stück dies kurzerhand organisiert.
Ausnahmslos alle Schauspieler haben ihre Rollen wunderbar gelebt. Schönes Zusammenspiel gab es eigentlich zwischen allen, niemand hat sich da besonders versucht, in den Vordergrund zu rücken, und so wirkten die Beziehungen zwischen Okichi und ihrem Verlobten, zu ihren Freundinnen und auch zu den Politikern, die da ihre Drähte zogen, sehr gut und sehr echt. Größter Respekt gebührt vor allem den fünf, die immer auf der Bühne waren, aber nicht immer “dran” waren: der Regisseur, der Fürst, der Professor, die Journalistin, und - wie sie im Nachgespräch so treffend genannt wurde - die “Krähe”. Aber selbst wenn der Fokus nicht auf ihnen lag, blieben diese fünf immer in ihren Rollen, waren immer präsent und ließen sich auch kleine Späßchen einfallen. Besonders schön war der Professor, der während einer Liebesszene zwischen Okichi und ihrem Verlobten mit einem Schuh auf sich selbst einprügelte (diese äußerst verkitschte Szene wurde ihm zuliebe dann noch einmal gespielt, aber mit völlig anderem Ton, wütender und kraftvoller - ein Beispiel dafür, wie unterschiedlich Text interpretiert werden kann), aber auch die Krähe, die die ganzen zweieinhalb Stunden mit seltsam verzogenem Gesicht dasaß, war ein absoluter Höhepunkt.
Wobei wir dann auch schon bei der einzigen Kritik wären - mit den zweieinhalb Stunden. Dies war wohl die kürzeste Aufführung des Stücks, die die Gruppe bisher hatte (auf Zug gespielt). Leider hat sich die Länge eben manchmal auch negativ ausgewirkt. Es gab im zweiten Teil des Stücks hin und wieder kleine Längen, Stellen, wo ich dachte “Ja, jetzt könnte es aber bald aufhören”. Allerdings haben das alle durch ihre Komik und Bühnenpräsenz wieder wettgemacht.
Was mir auch gefiel: dass sich die Schauspieler auf/neben der Bühne umgezogen haben. Das hat sehr gut in die Atmosphäre des Stücks gepasst (außerdem war es ja Brecht, wie man uns wiederholt mitteilte) - ein ganz klein wenig hatte ich aber auch das Gefühl, das war ein bisschen für die Jungs. :D
Jedenfalls ein toller, toller Abend, der dann in einer Ballade auf die heldenhafte und reine Okichi ausklang, die es nie gegeben hat. Ich hoffe sehr, dass das the beginning of a wonderful Theaterpartnerschaft war. :)
(Übrigens, wen es interessiert: kleiner Artikel über die Eröffnungsrevue/Präsentation der Workshops und Stücke.)
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25.5.2009 von Franziska Kurtz.
Da am Freitag die Presse bei der Aufführung von meerrauschenhören anwesend war, hatte ich immer im Hinterkopf, dass ich deren Reaktion unbedingt googlen muss. Und Glück gehabt: sie ist tatsächlich auch online zu lesen.
Vor ausverkauften Reihen erntete die Eigenproduktion der Jugendfestspiele in der Burgruine Landskron begeisterten Beifall. Mit “meerrauschenhören” der erst 19-jährigen Theaterautorin Laura Naumann brachte der “Gaffa”-Theaterjugendclub Oppenheim ein Stück zur Uraufführung, das der Jugend unverstellt “aufs Maul schaut” und deren Leben hier und heute in seinem Zwiespalt, der Ratlosigkeit, aber auch dem Spaß und der Komik zitiert.
Der Artikel ist nicht nur mit Bild, sondern Beate Nietzel war anscheinend auch nicht so kalt wie mir und sie geht ein bisschen mehr ins Detail. Und damit: Glückwunsch, Laura, zu einer so positiven Kritik. :)
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24.5.2009 von Franziska Kurtz.
Am Freitag war ich in Oppenheim, um mir die Eigenproduktion der 1. JugendFestspiele Oppenheim anzusehen (klick): meerrauschenhören. Geschrieben wurde das Stück von Laura Naumann (tja 2006 & 2008, und damit zweifache Mit-Berlinerin von mir). Das allein war für mich schon ein Grund, mir die Sache anzusehen, da ich Lauras Stil sehr gern mag.
Ich muss allerdings sagen: ich fand es solala. Ich weiß nicht genau, woran es lag. Das Stück an sich, die Idee dahinter, das geschriebene Wort - gefällt mir alles. Die Schauspieler des TheaterJugendClubs GAFFA haben ihre Rollen zum Großteil auch sehr schön umgesetzt, einer hat sogar eine nette Improvisation gebracht. (Drei Wochen vor Aufführung hatte der sich nämlich den Kiefer gebrochen - da ist er also “aus dem Fenster gesprungen, direkt in die Massen! Ich hab mir dabei sogar den Kiefer gebrochen!”) Trotzdem fand ich es stellenweise etwas - flau, zu langatmig. Aber erst mal: worum geht es überhaupt?
Grob gesagt: um Jugendliche. Diese Jugendlichen treffen sich für “ihre Sache”, auch wenn keiner so recht weiß, was das ist. Aber es geht um Freiheit, um das Meerrauschen, um das Meerrauschenhören. Und während sie sich also für ihre Sache treffen, sich fragen, wer das alles organisiert hat - oder auch nicht -, saufen, Gras rauchen, lernt sie der Zuschauer ein Stück weit kennen, erfährt etwas über ihre Probleme. Es ist auf gewisse Weise sehr charmant, diese Probleme in Lauras Worten erzählt zu bekommen, die immer so einen frech angehauchten Ton haben und deshalb nicht einfach langweiliger jugendlicher Herzschmerz sind.
Schade war aber eben (neben der Tatsache, dass mir saukalt war), dass es sich teilweise etwas gezogen hat. Es ist ja auch nicht viel Handlung da, das stimmt, es ist mehr Reflektion. Dennoch, wenn die Schauspieler zum fünften Mal im Stück “einfrieren”, den Blick heben und sagen “Ich - kann - das Meer - rauschen hören!”, dann ist man schon versucht zu denken: und wann seid ihr fertig? Dass ich kaum etwas gesehen habe (viele, viele Menschen vor mir, insbesondere ein ziemlich großer ziemlich direkt vor mir), hat es mir natürlich auch nicht leichter gemacht, das Stück zu genießen. Das wurde leider durch die Schauspieler auch nicht ganz gerettet - die haben zwar, wie gesagt, schöne Interpretationen ihrer Rollen geliefert, aber diese “Handlungslücken” konnten sie dennoch nicht ganz ohne verbleibende Löcher füllen.
Dennoch habe ich mich sehr gefreut, dass ich mir das Stück angeschaut habe, und obwohl ich schon Besseres gesehen habe, war das bei Weitem keine schlechte Produktion. So soll es auch nicht klingen. Es war eine tolle Idee, sich ausgerechnet dieses Stück auszusuchen, man hätte noch ein Tüpfelchen mehr rausholen können - aber es war ein guter Abend, ja. :)
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