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22.6.2009 von Franziska Kurtz.
In den letzten Tagen überkommt mich immer so eine kleine Welle der Nostalgie, wenn ich an Heidelberg denke. Es ist wirklich schade, dass es vorbei ist, da es Unmengen von Spaß gemacht hat (das war das erste Mal, dass ich so intensiv und viel mit Theater gemacht habe). Aber es gab da ja nicht nur Theater - wir haben uns ja mit Mittwoch einen tollen Tag ausgesucht, um Heidelberg zu erkunden, da für den Tag die große Demo des Bildungsstreikes geplant war. Und um noch ein bisschen in Erinnerungen an die letzte Woche zu schwelgen, dachte ich, ich zeige mal die wenigen Fotos, die ich gemacht habe.

Und da war kein Durchkommen mehr:


Und die Literaturtage…


… waren auch nicht halb so interessant wie dass dieser tolle Stand aus Amsterdam kommt das Podest nebenan, wo lautstark verkündet wurde, man habe inzwischen die vierte Etage des Landtags eingenommen und Studenten gelbe T-Shirts schwenkten.

Alle gegen das Bildungsmonster!

Auf dem Einkaufswagen, den man links unten hier angedeutete sieht und in dem ein Haufen Bücher liegt, steckt übrigens ein Schild mit der Aufschrift “WA(H)RE BILDUNG”, das leider recht fotoscheu war.
Ich war in Heidelberg jedenfalls sehr beeindruckt von dem Einsatz, den die Jugendlichen/jungen Erwachsenen da gezeigt haben. Das war wirklich, wirklich toll. Vor allem war es ja auch unglaublich heiß - aber träge war da gar nichts. Vielleicht kommt die Stimmung ja auf den Bildern ein wenig rüber.
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16.6.2009 von Franziska Kurtz.
Momentan finden in Heidelberg die 24. Schülertheatertage im zwinger3, Heidelbergs Kinder- und Jugendtheater, statt. (Asuführliches Programm hier.) In drei Tagen ist mir dort so viel Schönes passiert - was ich jetzt versuchen werde, in einen Blogeintrag zu komprimieren - und am schönsten ist: noch ist es nicht vorbei. :)
Am Samstag und Sonntag habe ich an Lorenz Hippes Workshop “Lass mich doch in Frieden” teilgenommen, wo es um das Verfassen und Erarbeiten dramatischer Text ging. Da Theatertexte etwas sind, was ich meiner Ansicht nach eigentlich überhaupt nicht kann, habe ich mich kurzerhand für diesen Workshop eingetragen und es auch nicht bereut. Wir haben nicht viel Theorie gemacht, dafür aber viel geschrieben und am zweiten Tag auch viel gespielt. Das, was einen Theatertext ausmacht, habe ich bei Lorenz, glaube ich, ganz gut begriffen, und auch, dass das eigentlich gar nicht so weit weg ist von meinem sonstigen Schreiben. Damit experimentieren will ich auf jeden Fall. Ich freu mich sehr, dass ich den Workshop gewählt habe, auch wegen der anderen Teilnehmer und ein bisschen deswegen:
Zwei Minuten zweiundzwanzig. Ab zwei Minuten zweiundzwanzig geht gar nichts. Ich zähle die Sekunden und das fängt klein an, 1, 2, 3, aber bei 36 zuckt zum ersten Mal mein rechtes Augenlid und dann wird das Zuhören auch anstrengender, weil das Zählen wichtiger wird. 52, sagt der Kopf und ich mag keine Telefone mit Display, weil die das machen für mich, das Zählen, das machen die und dabei ist das doch meins.
Ausschnitt aus einem noch immer ganz rohen 3-Minuten-Text, der im Workshop entstanden ist. Was ich damit machen werde, weiß ich noch nicht, aber dass ich was damit mache, das weiß ich schon. Dafür liebe ich Workshops: dass sie einen Impuls geben, einfach mal zu schreiben.
Neben eigenen Texten haben wir auch Texte geschrieben, die aus sämtlichen Workshoptexten zusammengewürfelt waren, überlegt, auf welche Art und Weise man Texte zu einem Stück verbinden kann, geschrieben, gelesen, geschrieben, gespielt - und letztlich eine kleien Präsentation für die Eröffnungsrevue der Theatertage auf die Beine gestellt. Dass wir in zwei Tagen doch so viel geschafft haben, das war toll.
Die anderen scheinen aber auch viel Spaß gehabt zu haben, wie man während der Revue dann sehen konnte - wo nicht nur die Workshops dokumentiert, sondern auch die Stücke vorgestellt wurden. Da haben wir auch einen kleinen Einblick in das Stück unserer Partnergruppe bekommen, die Die Judith von Shimoda (Brecht, ein Stück, das erst 2006 entdeckt wurde, so weit ich weiß) inszeniert hat. Ich freu mich schon sehr darauf (Donnerstag/Freitag wird es da dann sicher Begeisterungsstürme hier von mir geben!)
Montags, also gestern, war dann unsere Aufführung, für die wir gleich nach der Schule losgefahren sind. Da wir nach dem Schleppen der Requisiten aber noch so viel Zeit hatten, haben wir uns zum “Kaffeeklatsch” begeben (kostenloser Kuchen! Koffein!), wo Didi Sachser dann - als Impulsgeber für die Kaffeeklatschdiskussion - einen Vortrag über Theaterspielflow gehalten hat, ein Phänomen, das zwar durch aus bekannt ist und auch bei anderen Kunstformen schon untersucht wurde, vor allem aber im Theater eine relativ unerforschte Sache ist (und was man durch Ohrfeigen angeblich wunderbar auslösen kann). War sehr interessant und der gute Mann bringt demnächst auch ein Buch darüber heraus. (Von dem ich leider vergessen habe, wie es heißt, aber ein bisschen Didi Sachser und Flow und Recherche…)
Die Aufführung war dann jedenfalls klasse. Unsere Partnergruppe war zwar nicht ganz geschlossen da, aber, wie sich im Nachgespräch herausstellte, auch ziemlich begeistert (vor allem von unserer Doppelbesetzung mancher Rollen, die den persönlichen Zwiespalt darstellt). Neuheit: Im zwinger gibt es hinter der Bühne Lautsprecher/Fernseher, damit man das Bühnengeschehen mitverfolgen kann. Vorher ging das ja nie so, aber da konnte man dann die ganze Aufführung in Bild und Ton mitverfolgen, was auch mal ganz spannend war.
Also: es war toll und morgen wird es noch mal toll. Wir werden uns morgen früh Der Meister und Margarita anschauen, und abends dann eben das Stück unserer Partnergruppe, die Judith von Shimoda. Aber jetzt erst mal: schlafen.
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24.5.2009 von Franziska Kurtz.
Am Freitag war ich in Oppenheim, um mir die Eigenproduktion der 1. JugendFestspiele Oppenheim anzusehen (klick): meerrauschenhören. Geschrieben wurde das Stück von Laura Naumann (tja 2006 & 2008, und damit zweifache Mit-Berlinerin von mir). Das allein war für mich schon ein Grund, mir die Sache anzusehen, da ich Lauras Stil sehr gern mag.
Ich muss allerdings sagen: ich fand es solala. Ich weiß nicht genau, woran es lag. Das Stück an sich, die Idee dahinter, das geschriebene Wort - gefällt mir alles. Die Schauspieler des TheaterJugendClubs GAFFA haben ihre Rollen zum Großteil auch sehr schön umgesetzt, einer hat sogar eine nette Improvisation gebracht. (Drei Wochen vor Aufführung hatte der sich nämlich den Kiefer gebrochen - da ist er also “aus dem Fenster gesprungen, direkt in die Massen! Ich hab mir dabei sogar den Kiefer gebrochen!”) Trotzdem fand ich es stellenweise etwas - flau, zu langatmig. Aber erst mal: worum geht es überhaupt?
Grob gesagt: um Jugendliche. Diese Jugendlichen treffen sich für “ihre Sache”, auch wenn keiner so recht weiß, was das ist. Aber es geht um Freiheit, um das Meerrauschen, um das Meerrauschenhören. Und während sie sich also für ihre Sache treffen, sich fragen, wer das alles organisiert hat - oder auch nicht -, saufen, Gras rauchen, lernt sie der Zuschauer ein Stück weit kennen, erfährt etwas über ihre Probleme. Es ist auf gewisse Weise sehr charmant, diese Probleme in Lauras Worten erzählt zu bekommen, die immer so einen frech angehauchten Ton haben und deshalb nicht einfach langweiliger jugendlicher Herzschmerz sind.
Schade war aber eben (neben der Tatsache, dass mir saukalt war), dass es sich teilweise etwas gezogen hat. Es ist ja auch nicht viel Handlung da, das stimmt, es ist mehr Reflektion. Dennoch, wenn die Schauspieler zum fünften Mal im Stück “einfrieren”, den Blick heben und sagen “Ich - kann - das Meer - rauschen hören!”, dann ist man schon versucht zu denken: und wann seid ihr fertig? Dass ich kaum etwas gesehen habe (viele, viele Menschen vor mir, insbesondere ein ziemlich großer ziemlich direkt vor mir), hat es mir natürlich auch nicht leichter gemacht, das Stück zu genießen. Das wurde leider durch die Schauspieler auch nicht ganz gerettet - die haben zwar, wie gesagt, schöne Interpretationen ihrer Rollen geliefert, aber diese “Handlungslücken” konnten sie dennoch nicht ganz ohne verbleibende Löcher füllen.
Dennoch habe ich mich sehr gefreut, dass ich mir das Stück angeschaut habe, und obwohl ich schon Besseres gesehen habe, war das bei Weitem keine schlechte Produktion. So soll es auch nicht klingen. Es war eine tolle Idee, sich ausgerechnet dieses Stück auszusuchen, man hätte noch ein Tüpfelchen mehr rausholen können - aber es war ein guter Abend, ja. :)
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31.3.2009 von Franziska Kurtz.
Workshop in Oppenheim, das heißt: viele alte Lieblingsmenschen wiedersehen und viele neue Lieblingsmenschen kennenlernen. Und es heißt vor allem bis zu einem gewissen Grad: sich selbst verstehen. Textkritik ist toll, Textkritik von ganz vielen Leuten, die nicht nur das Wissen, sondern auch das Gefühl haben, ist am tollsten.
Nun, was haben wir gemacht? Mal abgesehen von Lesen, Schreiben und vielen wahnsinnig schlechten Wortwitzen, haben wir erschreckende Statistiken über Mobbingopfer unter Autoren aufgestellt, um ein Uhr in der Nacht mit zum Teil schon etwas angeheiterten Sangria-Trinkern Werwolf gespielt (wer das nicht kennt - man erklärt es am besten live; aber es ist lustig), in fremden Betten gesessen und angeblich mit der Handykamera aufgenommene Kurzfilme geguckt, die erstaunlich gute Qualität hatten, und leider nicht auf der Grundschultreppe gegessen.
Das klingt jetzt wieder so, als wären wir dauerhaft auf Drogen gewesen und hätten nichts Konstruktives gemacht. Dem ist aber selbstverständlich nicht so. Ich habe beschlossen, So was fragt man nicht mehr Luft zu geben (für den langen Atem) und bin gespannt, was dabei rauskommt, ich habe eine Figur in einer neuen Geschichte Mirabelle genannt und außerdem gemerkt, dass ich zu wenig tue. Weil: man lernt ja auch wahnsinnig viel aus der Textkritik, die andere anderen geben.
Unseren verpflichtenden Abstecher zum REWE haben wir natürlich auch gemacht. Zwischendurch haben wir aber die Köpfe und die Kaffeetassen qualmen lassen, zu wenig geschlafen und sehr viel gelacht. Ich vermisse das Rumänisch in Theas Stimme, das Polnisch in Davids und das Russisch in Yulias. Ich glaube, nirgends lernt man so viele schöne Akzente kennen wie da, wo schreibende Leute zusammenkommen. Es sind ja nicht nur die Akzente, die man hört, sondern die, die ein Mensch selbst setzt. Und die zusammenzufalten und in den Koffer zu packen, um sie zuhause wieder herauszuholen und glattzustreichen, ist sehr schön, vor allem wenn sie dem eigenen Schreiben dann Klang geben. So harret also der Dinge, die da kommen werden - denn ich habe vor, zu arbeiten.
Während ich nicht geschlafen habe, habe ich übrigens Knife von R. J. Anderson angefangen und bin schon fast durch. Ein schönes Buch, finde ich, und deshalb geh ich jetzt auch gleich lesen. Aber vorher: Danke, Peter, danke, danke für Oppenheim. :)
Geschrieben in Bericht, Inspiration, Schreibwerkstatt | 2 Kommentare »
19.3.2009 von Franziska Kurtz.
Ich weiß nicht, welchen Satz ich gestern öfter gehört habe, aber es war entweder “Franzi, du warst schon wieder zu früh!” oder “Hat er jetzt wirklich Mösser gesagt?”. Ich glaube, es war eher letzterer - danke, Stefan. :D
Nachdem ich meinen ersten Zug gestern beinah verpasst hätte - trotz vieler “Ich muss jetzt wirklich los, Papa”s - saß ich am Ende dann im falschen Zug nach Mainz und habe meinen Anschlusszug nach Ingelheim verpasst. Die fahren aber zum Glück in relativ regelmäßigen Abständen und so bin ich um viertel vor fünf, also eine Dreiviertelstunde vor Einlass und somit noch rechtzeitig, angekommen. Christine hat dann erst noch mal ihre drei Lieder durchgesungen; sie hat eine wahnsinnig tolle Stimme.
Kurz vor Einlass haben wir dann Das Mösser geprobt. Ich war mit meinen Einsätzen konsequent zu früh dran; schlussendlich hat das dann aber doch noch geklappt. Einen kleinen Schreck hab ich aber schon noch gekriegt, als ich einen Blick auf unseren Dramaturgie-Zettel geworfen und gesehen habe, dass ich als erste lese, vor allem da wir keine Zeit mehr hatten, noch ein bisschen anzulesen.
Als erste lesen ist aber gar nicht so schlimm, hab ich festgestellt: man hat gar nicht die Zeit, nervös zu werden. Gelesen habe ich gestern erst la mer und später auch noch, zum zweiten Mal, W. lächelt (in ganz anderem Rahmen als beim tja - obwohl die Bäumchen auf der Bühne sehr tja-ig wirkten!). An sich war der Ablauf reibunglos, obwohl wir den ein oder anderen lustigen Moment hatten, wenn bei der Anmoderation irgendwas leicht schief gegangen ist. Wir hatten entschieden, uns wieder gegenseitig anzumoderieren, und wie mir mein Grünstädter Publikum im Nachhinein mitgeteilt hat, fand das wohl nicht nur ich schön.
An der Stelle danke an Thea für die Dramaturgie; das hat alles sehr gut gepasst. Christines Gesang und Martins Spiel als Intermezzi wirkten auch nicht wie nicht gleichberechtigte Einschübe, sondern haben sich super eingefügt und für eine wirklich gute Atmosphäre gesorgt.
Zum Schluss haben wir dann unsere Anthologien zum Verkauf ausgepackt und eine Käuferin wollte unbedingt unsere Unterschriften drin haben. Woraufhin das in etwas sehr Autogrammstunden-Ähnliches ausartete, wobei wir festgestellt haben, dass zwei Kulis für fünf Leute zu wenig sind. Das war sehr skurril auf der einen Seite - Bücher signieren! - andererseits ein tolles Gefühl.
Insgesamt hat es wieder unglaublich viel Spaß gemacht. Wenn wir das wiederholen (was wir, glaube ich, alle fest vorhaben), planen wir wahrscheinlich eine kleine Gesprächsrunde mit uns Lesenden am Ende ein.
Jedenfalls: ein toller Abend. Und vor allem: ein ganz, ganz großes Danke an Sebastian für die Mühe!
Geschrieben in Bericht, Jungblut, Anthologie, Lesung | 5 Kommentare »