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Archiv der Kategorie 2009

Buchliste 2009

Da ich nicht glaube, dass ich dieses Jahr noch zum Lesen kommen werde (morgen heißt es Backen und Kaninchenstall machen und Packen und übermorgen fahr ich über Silvester weg), kann ich meine Buchliste von 2009 wohl gefahrlos posten. Schullektüre ist da jetzt doch drin, weil ich festgestellt habe, dass ich schon kaum noch wusste, was ich dieses Jahr für die Schule gelesen habe.

(1. Frühlings Erwachen von Frank Wedekind)

2. Black Magician Trilogy - The Magician’s Guild von Trudi Canavan *

3. Black Magician Trilogy - The Novice von Trudi Canavan *

4. Black Magician Trilogy - The High Lord von Trudi Canavan *

(5. Jugend ohne Gott von Ödön Horváth)

6. Knife von R. J. Anderson

7. Nachtzug nach Lissabon von Pascal Mercier

8. Mein Großvater war ein Kirschbaum von Angela Nanetti

9. Middlesex von Jeffrey Eugenides

10. The Demon’s Lexicon von Sarah Rees Brennan (2x)

(11. Der Schimmelreiter von Theodor Storm)

12. Mistborn - The Final Empire von Brandon Sanderson *

13.  Mistborn - The Well of Ascension von Brandon Sanderson *

14. Mistborn - The Hero of Ages von Brandon Sanderson

15. Doktorspiele von Gert Postel

16. Dracula von Bram Stoker

17. Das Geheimnis des Cagliostro von Michael Schneider

18. Artemis Fowl von Eoin Colfer *

19. Artemis Fowl - Die Verschwörung von Eoin Colfer *

20. Artemis Fowl - Der Geheimcode von Eoin Colfer *

21. Artemis Fowl - Die Rache von Eoin Colfer *

22. Artemis Fowl - Die verlorene Kolonie von Eoin Colfer *

23. Artemis Fowl - Das Zeitparadox von Eoin Colfer

24. Das blaue Mädchen von Monika Feth *

25. Adler und Engel von Juli Zeh

26. Jane Eyre von Charlotte Brontë

(27. About a Boy von Nick Hornby)

28. Shrinking Violet von Danielle Joseph

(29. König Ödipus von Sophokles)

30. Wicked von Gregory Maguire

31. A Little Bit Wicked von Kristin Chenoweth & Joni Rodgers

32. Die Eleganz des Igels von Muriel Barbery

33. Magic Bites von Ilona Andrews

34. Magic Burns von Ilona Andrews

35. Magic Strikes von Ilona Andrews

36. Alice’s Adventures in Wonderland & Through the Looking-Glass von Lewis Carroll

37. To Be Human von A. R.

() = Schullektüre

* = zum wiederholten Mal gelesen, in dieser oder einer anderen Sprache

Ja, ich schreibe noch.

Obwohl ich glaube, es sieht in letzter Zeit so aus, als würde ich nur noch lesen. Mein Problem ist, dass ich ganz viel auf der Festplatte liegen habe, das in der Überarbeitungsphase ist - nur ich weiß nicht genau, wo ich ansetzen soll. Aber es gibt zum Glück noch nette Menschen, die sich die Mühe für Textkritik machen (danke, Nadja!), und außerdem gibt es auch Textstellen, in die ich mich selbst verliebt habe. Die hin und wieder zu lesen macht Spaß und wieder ein bisschen mehr Lust auf die Arbeit, die einem guten Text vorangeht. Und als Beweis, dass das Schreiben nicht tot ist, schenk ich euch eine.

“Ich glaub, ich sterbe, sage ich und Mira sagt, mach mal Mittag, Tillchen. Ich mag es nicht, wenn sie mich so nennt, denn das hat sie von meinen Eltern. Aber heute habe ich keine Lust zurückzuschlagen, obwohl sie auch etwas von ihren Eltern hat. Niemand nennt doch sein Kind Mirabelle, hat sie am Anfang gesagt, nenn mich Mira. Ich dachte nur, dass wohl doch jemand sein Kind Mirabelle nennt, und seitdem frage ich mich, ob Mira an einem Baum gewachsen ist, und stelle mir vor, wie eine schwielige Hand - so eine Hand wie Winzer mit Strohhüten sie haben - sie gepflückt und liebevoll in einen Korb gelegt hat. Und grade frage ich mich, weil ich Hunger habe, wie Mira wohl schmeckt, und wenn ich ihr in die Wange beißen würde, nicht fest, nur so, dass die Haut ein wenig aufbricht, ob das Fleisch darunter ganz weich und hellorange wäre.”

(Aus “Pflücken”, April 2009)

la mer

Dass ich wenig produktiv bin, ist eine Tatsache. Dass ich ungern zu mehreren Wettbewerben den gleichen Text einschicke, ist eine andere. Und die letzte für diesen Eintrag relevante ist, dass es momentan mehrere interessante Wettbewerbe gibt, die aber nicht zum Sankt-Nimmerlein-Tag laufen. Und deshalb heißt es für mich: produktiv werden.

Ich will es versuchen. Meine größten Feinde im Wettlauf mit der Zeit: meine Müdigkeit. Meine Faulheit. Das Internet. Aber Müdigkeit ist auch nicht immer schlecht, weil ich beim Einschlafen (oder zumindest bilde ich es mir ein) hin und wieder die besten Ideen habe. So ist la mer entstanden, bzw. die ersten Szenen, die ich gebraucht habe, um rundherum noch ein paar Dinge drapieren zu können, die das ganze zu einer Geschichte machen. Man nehme eine Themenvorgabe (”An den Wassern”) und einen Wettbewerb. Herausgekommen ist was, und nachdem ich es noch ein bisschen kritisch beäugt habe, werde ich es wahrscheinlich einschicken. Aber erst mal:

ich bin süßwasser, sagt sie. und fügt hinzu: du bist salzwasser. die meisten menschen zieht es zum meer. manchmal bricht akzent ihre worte, nur ganz leicht, wie ein stein im fluss, an dem sich das wasser kurz stößt, bevor es darüber hinweg fließt.

wenn ich müde bin, geht sie hinunter zum bach und wenn sie zurückkommt, hat sie die rocktaschen voller glattgeschliffener steine. ich habe sie geküsst, sagt sie und legt sie mir an die wange. manchmal sind sie noch feucht und sie fühlen sich an wie kühle finger auf der haut.

die küche ist überschwemmt, sage ich, ich habe nasse füße bekommen. du bist empfindlich, sagt sie und stößt sich am pf. ich trage ihr handtücher in die küche hinterher. sie steht barfuß im wasser und wackelt mit den zehen und ich bekomme große lust, ihre sommersprossen zu zählen. jetzt haben wir unseren eigenen see, sie grinst, dass ich die lücke in ihrer oberen zahnreihe sehe. bring mal mehr tücher.

ich habe immer angst vor alltag, denn alltag ist grautag. die schönen tage sind die steintage mit dem vom gras feuchten rücken und den tropfen, die von ihrer haut perlen, ohne dass die sommersprossen schlierig werden. ich bin gar nicht ausgewandert, sagt sie. nein, ich bin nur weitergeflossen.

(Aus la mer, Februar 2009)

So was fragt man nicht

Ganz am Ende des letzten Jahres, nach einer Einschlaf-Idee, vielen Stunden mit einem zickigen OpenOffice und einem frustrierten “Ich will dich jetzt aber doch in den PC hacken” hatte ich eine Kurzgeschichte mit dem Arbeitstitel “Dreadlocks”, die weder klüger war als ich, noch so wie ich sie mir vorgestellt hatte. Aber weil ich Janus nicht aufgeben wollte und die guten Ideen manchmal eben doch erst später kommen, habe ich ihn noch mal komplett überarbeitet, mehr als eine Seite Inhalt und damit hoffentlich auch ein bisschen mehr Tiefe reingepackt und hoffe einfach mal, dass der Text inzwischen klüger als die Autorin geworden ist.

Ob das die finale Fassung ist oder nicht, wird sich noch zeigen, aber hier schon mal eine Kostprobe.

Janus sagt, er sei Künstler. Ich denke, Saufen, Rauchen und zu wenig Schlaf allein machen noch keinen Künstler. Aber ich versuche, nicht laut zu denken, schließlich verkaufe ich nur Brötchen.

Was machst du, frage ich. Er hebt den Blick und sieht mich ein wenig schief an. Ich trinke mir Mut an, sagt er. Wofür, frage ich. Mach mal die Augen zu, sagt er und ich höre das Quietschen vom Kunstlederbezug seines Barhockers, dann spüre ich seine Lippen auf meinen. Dafür, sagt er und: jetzt hast du was zu erzählen. Was denn, frage ich, dass ich mit ‘nem besoffenen Penner geknutscht habe oder was. Er lacht und schüttet sich sein Bier über.

Wir sitzen am Küchentisch und spielen Karten. Herzbube. Dreadlocks, sagt Janus, das würde zu deiner Augenfarbe passen. Janus glaubt, jeder Künstler braucht eine Frau, die man malen kann und die Paula heißt oder Agnes. Ich mag meine Haare, sage ich. Ich auch, antwortet Janus, du bist schön. Dann beißt er sich auf die Unterlippe und wirft mir ärgerlich seine Karten in den Schoß. Ich sammle sie auf und mische neu.

Das mach ich gern, sagt Janus, als er den Wagenheber aus dem Kofferraum holt. Ich denke, dass er eigentlich schon viel zu betrunken ist, um meinen Reifen zu wechseln, aber er geht in die Hocke und grinst zu mir hoch. Dann kippt er auf einmal vornüber und stößt mit der Schläfe gegen das Autoblech. Ich mach das wirklich gern, sagt er. Er lacht und schüttelt den Kopf wie jemand, den man gerade mit einem Eimer kaltem Wasser übergossen hat.

(Aus So was fragt man nicht, Dezember 2008 & Januar 2009)

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