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Archive für 28.7.2010

His Dark Materials, Narnia, Die Bibel - Parallelen ziehen

Bestimmt langweile ich euch alle inzwischen mit meinen Abenteuern; jedenfalls muss ich ehrlich zugeben, dass es mich ein bisschen langweilt, sie aufzuschreiben. Deshalb wird der heutige Eintrag ein Buch-Post!

His Dark MaterialsIch erzähle ja schon die ganze Zeit immer wieder von His Dark Materials, Narnia und der Bibel, aber jetzt, wo ich The Chronicles of Narnia ausgelesen habe, habe ich beschlossen, mal richtig über die drei zu bloggen. Als erstes - His Dark Materials. Das habe ich als Kind schon mal gelesen (ich muss da so alt gewesen sein wie meine Schwester jetzt - also 12 - die die Bücher auch kürzlich gelesen hat), aber ich glaube, ich habe sie da nicht in dem Ausmaß verstanden, in dem ich das jetzt tue. Was ich an His Dark Materials sehr schätze, ist die starke weibliche Protagonistin, die die Bücher in Lyra haben. Ich fände es aber dennoch besser, wenn sie ein bisschen älter wäre, da sie sich einfach nicht wie eine 11-jährige (bzw. später 12-jährige) verhält, und aus noch einem weiteren, etwas Spoiler-haltigen Grund, den ich nachher noch mal ansprechen werde. Ich bin auch froh, dass Pullman es geschafft hat, ihr einige Talente zuzuschreiben, z.B. die Fähigkeit, das Alethiometer zu lesen, ohne dass sie wie eine Mary Sue wirkt, da die Erklärungen dafür, warum sie das kann, doch recht logisch sind (wenn auch etwas rar).

Ich halte His Dark Materials für einen der wichtigsten Repräsentanten epischer Fantasy, gemeinsam mit Lord of the Rings und The Chronicles of Narnia. Es ist interessant, dass His Dark Materials teilweise sehr wie ein Klassiker anmutet, obwohl es viel später geschrieben wurde. Ich denke, das liegt zum Teil daran, dass Pullman einen Gegenpol zu Narnia schaffen wollte, was er meiner Meinung nach auch ganz gut hingekriegt hat. Die Parallelen sind nicht zu übersehen; ein paar habe ich schon erwähnt, zum Beispiel dass mit Staub alles anfing, und die Existenz vieler Welten nebeneinander, aber auch andere Dinge wie die sprechenden Tiere (die in Narnia einfach “normale” sprechende Tiere sind, in HDM die gepanzerten Bären), dass es Kinder sind, die da zwischen den Welten hin- und herreisen und das Schicksal aller bestimmen, usw. Der große Unterschied ist die Gottessicht. In HDM gibt es keinen richtigen Gott, sondern eine Autorität, die, wenn ich es richtig verstanden habe, ein Engel ist, der mehr oder weniger ein Thronräuber ist. Infolge dessen ist der Kampf gegen die Autorität das, was den Plot treib, und man kann Unmengen an religiöser Kritik in den Büchern finden, wenn man genau hinsieht. Das ist vollkommen okay - man braucht auch kritische Stimmen, um über Dinge nachdenken zu können - aber in manchen Fällen hat Pullman es zu weit getrieben. Da ist dieser ganze Kram über Staub, der von Erwachsenen wegen der ursprünglichen Sünde angezogen wird, also Evas Sünde im Paradies. Und dann ist da noch dieser ganze andere Kram über Lyra, die Eva ist, und einer großen Versuchung ausgesetzt sein wird. Ich hätte mit dem allen sehr gut leben können, wenn Pullman nicht die Liebe zwischen Lyra und Will zu der Sünde gemacht hätte. (Ich glaube die katholische Kirche - oder Teile von ihr - haben mal behauptet, das wäre Evas Sünde gewesen, nicht dass sie von der verbotenen Frucht gekostet hat.) Während des ganzen letzten Buches wartet man auf etwas Großes, das explosionsartig hochgeht - die Versuchung eben - und dann wählt Pullman ausgerechnet die unschuldige Liebe zwischen Will und Lyra. Das ist, nebenbei bemerkt, der zweite Grund, warum ich finde, dass ihr junges Alter etwas seltsam ist. Die beiden sind zwölf (Will vielleicht dreizehn), und verlieben sich unsterblich und so weiter. Ich find’s einfach seltsam. Andererseits weiß Pullman einfach genau, wie er mein Herz zum Schmelzen bringen kann. Nicht nur mit der Szene, in der Will und Lyra sich zum ersten Mal küssen, sondern auch mit vielen anderen Dingen. Mit der Szene, in der Mary Malone von ihrer ersten Liebe erzählt. Roger in der Totenwelt. Solche Sachen. Deshalb war es schlussendlich auch gar nicht so wichtig, was Pullmans Absicht religiös gesehen war. Darauf kam es nicht so an wie auf die Charaktere, das Lustige, den Herzschmerz… (Ich wollte noch tagelang nach Beenden der Trilogie heulen.)

Chronicles of NarniaUnd dann habe ich Narnia gelesen und es war ganz anders, aber einfach toll. Ich LIEBE die Filme, und infolgedessen mag ich die Geschichten über die Pevensies einfach am liebsten. Ich mochte die anderen Bücher auch, aber die Pevensy-Geschichten haben einfach am meisten Spaß gemacht. Im Gegensatz zu Pullman macht Lewis es sehr offensichtlich, dass er religiöse Werte und Normen schätzt, und es ist fast noch offensichtlicher, dass Aslan Gott ist. Teilweise kommt es einem wirklich so vor, als hätte Lewis von der Bibel abgeschrieben, und stellenweise habe ich echt gedacht, dass er es, genau wie Pullman, ein bisschen übertrieben hat. Erst schafft Aslan die Welt und gibt sie den Narnianern. Dann sagt er, dass nur Töchter Evas und Söhne Adams das Land regieren können - klingelt da was? Gott gibt die Natur ja auch in Evas und Adams Hände, gibt ihnen die Herrschaft über die Tiere - und in Narnia wohnen größtenteils eben solche. Dann ist da dieser Garten mit den Früchten, von denen man nicht aus Egoismus essen soll. Und Unmengen anderer Sachen. So wie Aslans Land, dass im Prinzip das Leben nach dem Tod darstellt. Und Aslan ist natürlich immer und ohne Zweifel gut. Was mich aber schlussendlich dann, “oh nein, Lewis!” denken ließ, war das Ende des letzten Buches. Das mochte ich sowieso schon nicht so sehr, weil es eigentlich nur Mord und Totschlag ist, und dann dürfen am Ende auch noch alle bleiben, weil sie - oh wie passend! - alle bei einem Zugunglück gestorben sind. Ganz ehrlich, mir hätte es besser gefallen, wenn sie in ihrer eigenen Welt hätten leben müssen. Aber alles andere habe ich einfach geliebt, auch wenn es hin und wieder ein bisschen vorhersehbar war. (So klar, dass Shasta der Sohn des Königs ist, und auch klar, dass Eustace nur mitgeschleift wurde, damit er sich bessern kann.) Aber Lewis weiß einfach, wie man Geschichten erzählt.

Der Grund, warum der ganze Kram aus der Bibel grade so präsent in meinem Kopf ist, ist, dass ich das alles grade gelesen habe. Die ersten fünf Bücher Mose und das Buch Josua hab ich hinter mir. Ich hab schon erwähnt, dass ich die Bibel ziemlich repetitiv finde, und deshalb überspringe ich inzwischen einiges. Ein anderer Grund, aus dem ich das Alte Testament nicht so sonderlich mag, ist die Darstellung Gottes. “So, jetzt müssen mal ein paar Völker leiden, damit alle sehen, wie toll ich doch bin!” Ich muss wohl kaum sagen, dass da auch permanent Mord und Totschlag herrschen, weil die Israeliten die ganze Zeit Städte und Länder erobern. Okay, da gibt es also dieses Gepriesene Land, in dem sie leben wollen - muss man wirklich Tausende von Leuten umbringen, um das zu erreichen? Nur um die davon abzuhalten, einem zum Götzendienst zu verführen? Nur damit alle sehen, welche Wunder der eigene Gott vollbringen kann? Ich gebe ja zu, dass ich bei den LotR-Filmen immer voller Begeisterung bin, wenn es eine Kampfszene gibt, und dass ich bei Edgar Wallace und Columbo immer die Morde am besten fand, aber bei Büchern ist das noch mal was anderes, weil meine Fantasie da mit mir durchgeht. Das ist nicht der Grund, warum mir das ganze Abschlachten in der Bibel so sauer aufstößt. Ich finde es einfach moralisch falsch, und denke, dass man ohne unnötiges Blutvergießen auskommen sollte, wenn man doch so einen tollen Gott hat.

Ich hoffe, ich hab jetzt nicht total unzusammenhängenden Quark geschrieben, aber ich bin momentan ein großes Wehwehchen. Ich hab mir heute Nacht beim Schlafen irgendwie einen Nerv eingeklemmt, und als ich aufgewacht bin, tat mein Nacken höllisch weh. Ich halte ihn schön warm und es wird langsam besser, aber viel bewegen kann ich mich immer noch nicht. Aber heut Abend gehen wir wieder in der Brasserie essen, in der mein Alan arbeitet. :)

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