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Archive für 24.7.2010

Fresst Sand, ihr verflixten Toursiten, fresst Sand

So, der Blogeintrag sollte eigentlich ein bisschen kürzer werden als die letzten beiden, aber wenn ich mir die englische Vorschrift auf lj so ansehe, dann klappt das eher nicht. Ich hoffe, ich kriege noch alles zusammen; die letzte Woche purzelt in meinem Kopf ziemlich durcheinander, ich bin soooo müde.

Wie schon gesagt waren wir am Mittwoch wieder Reiten, und ich habe gemerkt, wie sehr ich es verlernt habe. Traben? Kein Problem, geht noch. Galloppieren? Na ja, nicht so gut… Gott, es war schwierig, in den Rythmus zurückzufinden. Ich glaube, wir haben den anderen Leuten, die bessere Reiter waren, ein bisschen den Spaß verdorben. Es war aber trotzdem ein netter Ausritt. Was mir am besten gefallen hat, war, auf dem Pferderücken durchs Meer zu waten. Man wird dabei ziemlich nass, aber es ist einfach schön, vor allem bei Sonnenuntergang. Einer von den anderen Reitern war ein Niederländer (ein echt netter Mensch, der uns immer wieder deutsche Satzbrocken zuwarf), und ich habe natürlich die Gelegenheit beim Schopfe gepackt und mein unglaubliches Sprachkönnen zur Schau gestellt. Als er zu uns am Schluss “tschüss” sagte, habe ich mit “doei” geantwortet - Wahnsinn, ich weiß. :) Aber obwohl es nur ein Wort war - es ist irgendwie ein gutes Gefühl, wenn man etwas in einer Fremdsprache sagt und ein Muttersprachler es versteht.

Worauf ich mich nebenbei besonders freue, ist unser morgiger Familienausritt. Schneller als im Schritt werden wir da wahrscheinlich nicht reiten, weil weder meine Eltern noch mein Bruder jemals Reitstunden genommen haben, aber ich finde es ja schon toll, dass sich überhaupt alle haben überreden lassen.

Bevor wir mittwochs reiten waren, haben wir übrigens den Markt in Coudeville besucht, der sich als ziemlich kleiner Markt herausstellte. Wirklich viel gab’s nicht zu kaufen und zu sehen. (Ich glaube, ich bin aus dem Alter raus, wo mich buntes Plastikspielzeug fasziniert hat.) Wir sind dann mit ein paar Oliven und getrockneten Erdbeeren und Kumquats wieder nach Hause gefahren. Und à propos Essen: gestern sind wir nach Cherbourg gefahren, wo wir eine der unangenehmsten Restaurant-Erfahrungen hatten, die ich je gemacht habe. Zuerst mal hat in den meisten Speisekarten die Getränkekarte gefehlt, was nicht so schlimm war, weil wir unsere Karten dann einfach rumgereicht haben. Meine beiden jüngeren Geschwister hatten jeweils eine Pizza Margarita, die nicht nur riesig sondern auch noch echt lecker waren. Ich hatte einen Salat Sole Mio, mit Artischocken, Oliven, Paprika und Palmherzen, und der hat einfach hervorragend geschmeckt. Meine ältere Schwester und meine Mutter haben sich Moules Frites bestellt, und da war das Problem. Geschmacklich waren die echt in Ordnung, nur waren die ziemlich al dente, da voller Sand. Die beiden haben dann beschlossen, dass sie sich beschweren, und die Kellnerin meinte daraufhin, das wären halt die örtlichen Muscheln, das wäre normal, sonst hätte sich noch nie jemand beschwert. Ob die beiden das jetzt nicht mehr essen wollten. Auf deren Verneinung ist sie dann einfach gegangen, hat sich nicht entschuldigt, hat keinen Ersatz angeboten, wie man das in einem guten Restaurant macht, und sie hat nicht mal die Muscheltöpfe weggeräumt.

Da meine Mutter und Schwester die Muscheln schlecht essen konnten, haben wir einfach alles am Tisch geteilt (war ja dank der großen Portionen gut möglich). Meine Mutter hat aber beschlossen, die Muscheln nicht zu bezahlen - die hat die Kellnerin uns tatsächlich berechnet - und ist an die Theke gegangen, um ihr das auch mitzuteilen. Wir standen natürlich alle hinter ihr, schließlich spricht keiner von uns perfekt Französisch, und wenn dann einer so was machen muss, dann wird er tatkräftig unterstützt. Die Kellnerin sagte uns noch mal, dass sich noch nie jemand beschwerte habe (klar, es wird auch jeder Tourist mit mangelhaftem Französisch Lust auf so eine Konfrontation haben), dass sie eine andere Kundin hier habe, die ihre Muscheln ohne Beschwerde gegessen habe, und dass sie selbst welche probiert, an denen aber nichts gefunden hätte. (Die richtige Variante wäre gewesen, die an unserem Tisch zu probieren, da das schließlich die sandigen Muscheln waren.) Dann meinte sie, sie könnte uns ja nicht zwingen zu zahlen und besaß tatsächlich die Frechheit, uns zu fragen, ob wir das in jedem Restaurant abziehen würden. Mal ehrlich, was sollten wir denn davon haben? Mit leerem Magen in ein Restaurant gehen und das Essen dann nicht essen - was für ein Spaß. So, das musste ich einfach mal loswerden, da ich finde, dass man seine Kunden so wirklich nicht behandelt.

Danach sind wir dann noch zur Cité de la Mer gegangen, aber da haben wir dann schnell rausgefunden, dass die Tour vier Stunden dauert (45 Minuten davon im U-Boot), und das war uns dann einfach zu lang. Stattdessen sind wir zu einem Strand im nördlichsten Zipfel Frankreichs gefahren und sind haben noch einen Spaziergang gemacht. Das Handy meiner Schwester hat uns darüber informiert, dass wir in einer anderen Zeitzone seien, und wir haben BBC empfangen. Das war das erste Mal, dass ich britisches Radio gehört habe, und lustigerweise (obwohl das Thema jetzt nicht so lustig ist) kam sogar was über Jon Venables, über den ich letztes Jahr eine Sozialkunde-Hausaufgabe geschrieben habe. War also alles in allem doch noch ein schöner Tag. :)

Ich habe übrigens noch zwei Narnia-Bücher zu lesen, aber zuerst werde ich mal die letzten drei Bücher Mose lesen.

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