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21.7.2010 von Franziska Kurtz.
Was, kein Interesse an dieser Abenteuergeschichte? BITTE? Dann kann ich ja nur vermuten, dass alle außer mir sich permanent versündigen und ein Leben führen, über das man niemals bloggen sollte. Wegen der Kinder, meine ich.
Na ja, ich habe ja nicht die ganze Zeit geschlafen seit meinem letzten Eintrag. Am Montag sind wir zu einem Pferderennen gegangen, in einer niedlichen kleinen Stadt ganz hier in der Nähe, nämlich derselben, in der auch der Markt war. Es stellte sich heraus, dass wir ein bisschen später hätten kommen sollen, weil wir wieder gehen mussten, bevor es an die Gallopprennen und das Country Cross ging, sodass wir nur die Trabrennen mitbekommen haben. Die sind aber auch ganz interessant. Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, worauf es bei Pferderennen genau ankommt, und genau aus dem Grund würde ich auch nie wetten (wie ich mich kenne, würde ich da ja nur Unsummen verlieren!), aber wenn alle aufstehen und in die Hände klatschen und die Pferde auf der Zielgeraden anfeuern, dann wird man davon einfach mitgerissen. Genauso wie man in den Chor von “oh NEIN”s einstimmt, wenn ein Pferd wegen Galloppierens disqualifiziert wird. Bei einem Rennen zum Beispiel habe ich Sissi Impératrice die Daumen gedrückt (weil Musicalsucht, wegen Elisabeth eben…), und nach einer Runde im Mittelfeld hat dieses Pferd alles überholt, was da war, und als sie ganz vorne war, ist die für Sekundenbruchteile in den Gallopp gewechselt… und war raus. Oh, und wir haben auch einen Fehlstart miterlebt! Aber ich hab keine Ahnung, was da schiefgegangen ist, für mich sieht das immer total unorganisiert aus.
Vor uns saßen zwei ziemlich grummelig wirkenden Franzosen, die uns immer wieder böse Blicke zugeworfen haben. Ich glaube, die waren ein bisschen genervt von unserem fröhlichen Geplapper, aber mal ganz ehrlich, kann man jemandem bei so einem Event den Mund (und vor allem das Lachen, Gott bewahre!) verbieten? Ich glaube eher nicht. Ach, und es waren auch nicht so wahnsinnig viele Leute mit Hut da, und schon gar nicht mit so extravaganten Hüten, wie man sie von Fotos von großen Pferderennen kennt. :( Wir haben dafür aber einen Jungen gesehen, der fast die gleiche Frisur hat wie mein Bruder (also ziemlich strubbelige Locken) und haben alle beschlossen, dass er sich mit ihm anfreunden soll. (Wir necken ihn wegen seiner Haare immer.)
BRUDER: Hier gibt es auch Unmengen von Männern, die die gleiche Frisur haben wie du, also geh du doch und freunde dich mit denen an!
FRANZI: Ich bilde mir gern ein, dass meine kurzen Haare meine weiblichen Züge betonen!
Nach den Rennen hat meine Mutter meine Schwester am Bahnhof abgeholt (jetzt ist meine große Schwester auch da!), während ich schon mal das Gemüse für unser leckeres Abendessen geschnippelt habe. (Couscous, Gemüsepfanne mit Auberginen, Zucchini und Paprika und Hackfleisch.) Meine Mutter hat außerdem Délices au caramel gekauft, und ich bin wirlich froh, dass es diese Süßigkeit in Deutschland nicht gibt, die gehört nämlich zu den leckersten Sachen, die ich je gegessen habe! Gestern haben wir eine Brasserie ausprobiert, wo es angeblich die besten Moules Frites in der Normandie gibt oder so was in der Art. Auf den ersten Blick sah es ein bisschen billig aus, mit Plastikstühlen und -tischen, aber das Essen war ganz gut. Wir haben uns als Vorspeise ein Fricassée de Poulet bestellt, das wir alle geteilt haben, und dann hatte ich eine Pizza Capitano mit Tomaten, Mozzarella, Ziegenkäse und Schinken. Die hat gut geschmeckt, aber ich konnte aufgrund der unglaublichen Menge an Käse nur ungefähr die Hälfte davon essen. Allerdings haben wir auch alle die Moules Frites meiner Mutter probiert, und die sind einem wirklich auf der Zunge zergangen! Danach hab ich mir noch eine Crème caramel au beurre salé bestellt, die zwar ein bisschen an Wackelpudding erinnert hat, aber trotzdem sehr lecker war! Und dann war da noch der Kellner- in den hab ich mich sofort verliebt. Der hatte ein total liebes, sommersprossiges Gesicht, und eine Brille, und so ein süßes Grinsen! Und er war total ALAN. Ich schwöre bei Gott, er sah genauso aus wie Alan aus Demon’s Lexicon! Ich wollte ihn am liebsten aus der Brasserie klauen, aber Menschen zu klauen ist ja kriminell und ich weiß auch nicht, ob er das so toll gefunden hätte.
Und gestern sind wir reiten gegangen. Ich hab wirklich aua, aber es hat sich sehr gelohnt. Mittags war ich dann total müde und habe beschlossen, für ein paar Minuten zu dösen. Innerhalb dieser paar Minuten hat meine Schwester ihre eigenen Nägel, die meiner Mutter und schließlich noch meine gefeilt. Daran habe ich festgemacht, dass irgendwas nicht stimmen kann- und als ich dann wieder aufstehen konnte, war es schon halb fünf. Ich glaube aber nicht, dass das vom Reiten kam, sondern eher vom Wetter. Heute Abend gehen wir wieder reiten, so mit Galloppieren am Strand, und ich freue mich schon total. :)
Was auch toll ist, ist unser Plan, vielleicht einen Tag nach Jersey zu fahren. Das wäre mein erstes Mal in Großbritannien, und ich würde sooo gerne fahren, aber es ist erstens sauteuer und zweitens muss mein Vater eine Erlaubnis unterschreiben, dass meine Mutter mit uns französischen Boden verlassen darf (sie könnte uns ja entführen!). Was echt doof ist, ist, dass wir den Familientarif nicht nutzen können, da mein Vater ja vermutlich nicht mitkommt, und der Tarif nur für Paare mit Kindern gilt. Soo mittelalterlich! Ich meine, was ist denn mit alleinerziehenden Müttern? Oder Vätern? Im 21. Jahrhundert müsste denen so was doch schon in den Sinn gekommen sein. Das ist doch ein riesiges Klischee. Hallo, Welt? Rollenverteilungen und so was… war zum größten Teil mal.
Ach, und diesbezüglich… ich lese immer noch Narnia und die Bibel gleichzeitig, und ich habe angefangen, Unmengen an Parallelen zwischen Aslan und Gott zu finden. Es gibt doch diese Stelle in der Bibel, wo Mose Gott fragt, was er denn sagen soll, wenn die Israeliten wissen wollen, in wessen Auftrag er sie aus Ägypten führt. In Narnia gibt es eine ganz ähnliche Stelle, wo Shasta erfährt, dass Aslan die ganze Zeit seine Schritte gelenkt hat, und als er fragt, wer Aslan eigentlich ist, sagt der “myself”. Fast das gleiche sagt Gott auch zu Mose. Ich find’s so faszinierend! His Dark Materials, die Bibel und Narnia auf einmal zu lesen ist einfach total interessant. (In HDM wird die religiöse Autorität zum Beispiel als die zerstörerische, böse Macht hingestellt, während Aslan in Narnia der Schöpfer ist.)
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