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Archive für Mai 2010

Drachenreitende Dämonen… oder so.

Das könnte ein etwas verschlafener Eintrag werden, da ich grade von meinem Mittagsschläfchen aufgewacht bin (seit es so warm ist, brauch ich das noch dringender), aber es ist mal wieder an der Zeit zu bloggen. In der letzten Woche habe ich trotz Theaterstress nämlich immerhin zwei Bücher gelesen.

Der Gehilfe des MalersDas erste war Der Gehilfe des Malers von Alexandra Guggenheim, das ich mir vor allem wegen meinem Interesse an Rembrandt zugelegt habe, das das Musical in mir geweckt hat. Leider erfährt man über Rembrandt selbst nicht so viel, aber es war eine ganz nette Lektüre. Es beginnt aber gleich mit einem unnötigen Vorwort, das erzählt, wie die Autorin Hefte von Rembrandts Lehrling Samuel Bol gefunden und übersetzt hätte, wobei die Erzählung, so weit ich das verstanden habe, fiktiv ist. Ich fühle mich immer ein bisschen vergackeiert, wenn mir jemand weismachen will, ich hätte ein ach so wertvolles historisches Dokument vor der Nase, wenn es sich in Wahrheit um einen Roman handelt. Das muss wirklich nicht sein, und jedes gute Buch kommt ohne so was aus.

Das soll nicht heißen, dass Der Gehilfe des Malers schlecht war. Es war in Ordnung. Der Geschichte und den Figuren fehlte es ein wenig an Tiefgang, hin und wieder war sie ein bisschen vorhersehbar. Das war aber okay, weil die Autorin es doch geschafft hat, das mit der richtigen Spannung auszugleichen. Für so zwischendurch war es ein wunderbares Buch, einfach geschrieben, nicht zu viele Handlungsstränge- und genau das habe ich ja gebraucht.

Deshalb, und weil ich auf meine vorbestellten Bücher warte, habe ich danach den Drachenreiter von Cornelia Funke noch mal gelesen. Es muss ewig her sein, dass ich das zuletzt gelesen habe, und das nochmalige Lesen hat wirklich Spaß gemacht. Okay, auch dieses Buch ist ein wenig vorhersehbar, aber es ist ein Kinderbuch, da darf das. Normalerweise kann ich mich nach so langer Zeit nicht mehr daran erinnern, was noch genau passieren wird, hier ist hin und wieder was aufgeblitzt, aber das war nicht schlimm. Es ist echt eine schöne Geschichte, wenn auch manchmal ein klein wenig klischeebehaftet.

Als nächstes werde ich noch mal The Demon’s Lexicon von Sarah Rees Brennan lese, während ich hoffe, dass The Demon’s Covenant doch früher geliefert wird, als amazon behauptet. Ich hoffe, dass ich dann auch wirklich Zeit dafür haben würde, denn in der Theater-AG drängt unser Werk langsam zur Krönung, wie der gute Shakespeare sagen würde. :) Heute wird der Theatersaal gründlich aufgeräumt und geputzt, weil abends die Rheinpfalz kommt, um ein paar Ausschnitte aus unserem Stück zu sehen. Dann haben wir zwei Tage Pause und danach proben wir freitags und samstags noch mal, bevor es montags ernst wird; da haben wir Generalprobe. Und danach zwei Wochen lang Aufführungen. So sehr ich mich darauf freue, ich bin doch irgendwie froh, wenn es rum ist. Momentan ist es einfach nur so anstrengend, mit der Wärme und unserem hin und wieder etwas launischen AG-Leiter (wobei man ihm das echt nicht zum Vorwurf machen kann, er hat es manchmal schon schwer mit uns…). Aber jetzt gibt’s erst mal noch einen Orangensaft und dann bin ich weg. Die Arbeit ruft!

Saure Milch

So, nachdem ich am Sonntag kommentarlos ein Gedicht in den Raum geworfen habe (wobei ich mich über Kommentare immer freue, ob positiv, ob negativ… ihr wisst schon, das ganze Programm), bin ich jetzt wieder mit Prosa da. Ich hab’s schon getwittert, ich hab eine Kurzgeschichte zum Vermailen; falls jemand sie gerne haben will, einfach schreien und die E-mail-Adresse da lassen. Und um die Neugierde zu erwecken oder auch zur Abschreckung, ein kurzer Ausschnitt aus der kurzen Geschichte:

Damit hat Monsieur nicht gerechnet: zwei karierte Koffer und so viele Lücken in den Regalen. Die saure Stille nach all dem Geschrei. Er hat sich immer vorgestellt, nach einer SMS in der Straßenbahn zu weinen und die Wohnung andächtig und anklagend vorzufinden. Er hat sich nicht vorgestellt, Belle beim Packen zu helfen. Er hat sich auch nicht vorgestellt, dass ausgerechnet Belle so viel weinen würde.

Es war doch lang. Monsieur erinnert sich an ein paar Jahre. Er erinnert sich gern, denn die Zeit war wie aus einem französischen Film ausgeschnittene Szenen, lose zusammengeklebt, mit welligen, feuchten Ecken. Das tut mir so leid, hat Belle gesagt und ein weißes Taschentuch mit Wimperntuscheschlieren in der Hand zerknüllt. Monsieur hat genickt und er hat sich ein bisschen gewundert. Er hat sich nicht vorgestellt, dass Belle sich in jemand anderen verlieben könnte. Vielleicht, weil er sich selbst nie vorstellen konnte, sich in jemand anderen zu verlieben. Er zieht ihr das Taschentuch aus der Hand, es ist ganz leicht und zittrig, und tupft ihr das Schwarz vom Gesicht. Du darfst mich jetzt aber nicht mehr küssen, sagt Belle.

Saure Milch (2. Überarbeitung, 18.05.2010); © Franziska Kurtz

Endlich hab ich mal wieder Beweise, dass ich jetzt tatsächlich wieder produktiver bin. Ich fühle mich so kreativ!

Ein Stück Lyrik

du verkaufst dein haar
für kupfergeld
wir brechen
unsere zirkuszelte ab

diese bunten wände
flattern im wind wie dein haar
im manegenrund
dressierten wir ängste

mit maulkörben
wie tanzbären - sie wanken

© Franziska Kurtz, 16.05.2010

Die letzte Woche und Bücher

Eigentlich war die letzte Woche gar nicht so sehr ereignisreich, aber ein paar für mich wichtige Sachen sind schon passiert, bzw. Entscheidungen gefallen.

Am Muttertag war meine Großmutter da und hat, wo sie grade schon da war, mein Kostüm für Der Sturm umgenäht, weil das einfach viel zu weit und ausgebeult war (es ist aus Filz, nicht gerade der anliegendste und anpassungsfähigste Stoff). Die Arbeit und Zeit, die seitens unsere Co-AG-Leiterin da hineingeflossen sind, sind mir natürlich schon was wert und ich finde es auch total lieb von ihr, dass sie das gemacht hat, aber es saß halt einfach überhaupt nicht. Knöpfe hat meine Großmutter auch mitgebracht, und die muss ich jetzt noch annähen; Daumen drücken, dass ich dabei nicht wieder irgendeinen Mist baue. :D

Dieses Wochenende werde ich, neben dem Lernen für die Geschichts- und Mathe-Kursarbeiten (vor Mathe hab ich wirklich Angst, weil der Parallelkurs mit dem selben Lehrer meinte, die Arbeit wäre richtig furchtbar gewesen), auch mal wieder ein bisschen Niederländisch üben, weil mir aufgefallen ist, dass ich das wirklich ganz, ganz lange nicht mehr gemacht habe. Ich hoffe, es ist noch was da. Außerdem habe ich mich entschieden, wahrscheinlich in den Musikschulen-Chor zu gehen; gestern wurde ich nämlich eine Stunde damit genervt, dass der unbedingt noch einen Sopran braucht und dass es da ja überhaupt so toll ist. Ich hab zwar erst nein gesagt, aber nachdem ich ein bisschen drüber nachgedacht habe, bin ich zu dem Schluss gekommen, dass es ja eigentlich schon was ist, was ich gerne machen würde. Aber erst nach unseren Aufführungen vom Sturm Mitte Juni, wo ich eh aus der Theater-AG austreten werde, damit es nicht wieder irgendwelche Reibereien wegen den Probenzeiten gibt.

So, auf zu Büchern! Letztes Wochenende habe ich Treasure Island von Robert Louis Stevenson gelesen, was in mir nicht so sonderlich viel ausgelöst hat, außer das seltsame Gefühl, dieses Buch schon mal gelesen zu haben. Was wirklich ziemlich unheimlich ist, weil ich mich überhaupt nicht dran erinnern kann, es jemals tatsächlich gelesen zu haben. Wir haben die französische Fassung (die deutsche auch, aber da bin ich mir noch sicherer, die nie in Händen gehabt zu haben), von der ich aber glaube, dass mein Bruder sie für die Schule lesen musste, nicht ich. Jedenfalls hatte ich ziemlich viele Déjà-vus und zweifle momentan ein bisschen an mir selbst.

Treasure Island

Gefallen hat es mir aber nicht sonderlich, und das lag nicht nur dran, dass es eine Piraten- und Schatzsuche-Geschichte war, weil ich mir ziemlich sicher bin, dass man auch die gut schreiben kann. Aber es war einfach so was von langweilig, mit ganz kleinen Klecksen Spannung hin und wieder, und der Schreibstil hat mich nicht grade begeistert. Es war einfach so ein bisschen mau; hätte in meinen Augen viel interessanter sein können, vor allem mit solchen Charakteren wie Long John Silver, die so viel Potential haben. Jim Hawkins hat mich hingegen ziemlich genervt mit seiner selbstverliebten Art, und wie er permanent damit angegeben hat, was seine dummen Eskapaden doch gebracht und wie sie am Ende allen das Leben gerettet haben. (Mal ganz abgesehen davon, dass von “allen” am Ende nicht mehr so viel übrig war.)

The Strange Case of Dr. Jekyll and Mr. Hyde von Stevenson würde ich aber trotzdem immer noch gerne lesen; ich hab am Dienstag in der Bibliothek mal kurz in eine gekürzte Fassung (bah!) reingeguckt, und fand es gar nicht mal so schlecht. Außerdem ist die Idee total faszinierend.

A Tale of Two CitiesNach Treasure Island habe ich mit A Tale of Two Cities von Charles Dickens angefangen, was ich schon fast zur Hälfte durch habe. Aber irgendwie muss man bei diesem Buch einfach zu viel aufnehmen, und das schafft mein angematschtes Gehirn zur Zeit scheinbar nicht. Ich muss mich so anstrengen, beim Lesen nicht wegzudriften, und das finde ich wahnsinnig schade, weil ich das Buch so gern genießen wollte. Ich habe daher jetzt beschlossen, dass es dieses Mal einfach nur ein Durchlesen zur Bekanntmachung mit den Charakteren und den groben Handlungszügen ist, und dass ich es im Juli im Normandie-Urlaub (wenn ich hoffentlich wieder ein bisschen frischer bin) dann noch mal genauer lese.

So, und jetzt muss ich meine To-Do-Liste für heute fertig abarbeiten. Am restlichen Wochenende wird gelernt und morgen geh ich vielleicht in Robin Hood. (Die englische Fassung! Hurra!)

Buch 22 & 23

Ich verspüre irgendwie den Drang, groß zu verkünden, dass ich dieses Jahr schon 23 Bücher gelesen habe. Da ich es letztes Jahr insgesamt auf gerade mal 37 gebracht habe, finde ich das doch recht beachtlich.

Die letzten beiden Bücher, die ich gelesen habe, waren Warbreaker von Brandon Sanderson und Tuck Everlasting von Natalie Babbitt. Letzteres wollte ich eigentlich einfach nur schnell noch mal lesen, aber ich habe viel länger dafür gebraucht, als ich eigentlich erwartet hatte, was größtenteils daran lag, dass ich diese Woche einfach nur todmüde war. Aber ich hab es trotzdem geliebt, auch beim zweiten (oder dritten?) Mal.

Tuck EverlastingTuck Everlasting ist einfach eine unglaublich niedliche Geschichte, und gleichzeitig sehr tiefgründig, wenn man sich die Zeit nimmt, darauf zu achten. Es macht mich ein bisschen traurig, dass es scheinbar so wenig Leute kennen (und das, obwohl es eine Verfilmung gibt, was den Bekanntheitsgrad eines Buches ja normalerweise drastisch steigert), weil es sehr, sehr schön ist. Es ist eine sehr kluge Geschichte über Menschen, ohne irgendwie altklug sein zu wollen, und zeigt gleichzeitig, dass sogenannte Kindergeschichten wunderbar geschrieben sein können. Babbitts Stil ist einfach, aber wunderschön in seiner Bildhaftigkeit, und ich glaube, Natalie Babbitt hat ein Talent für Dialoge. Tuck Everlasting ist ein bisschen wie Angus Tuck, der grummelige alte Mann mit dem guten Herzen; man muss es einfach lieben.

Warbreaker lässt sich sich nicht so einfach zusammenfassen, weil ich sehr viele, wild durcheinander hüpfende Gedanken dazu habe. Wir haben drei Tage miteinander verbracht, dieses Buch und ich. Mittwochs und donnerstags war ich krank (musste aber zwei Stunden in die Schule, um eine Kursarbeit zu schreiben, und das mit einem total vernebelten Gehirn und dem ständigen Gedanken, “Schlaf. Schlaf. Schlafschlafschlaf.”) und habe die Gelegenheit genutzt, endlich Warbreaker zu lesen, worauf ich seit Wochen gebrannt habe. Nachdem ich Elantris gelesen hatte, hatte ich riesige Lust, in ein weiteres Buch von Brandon Sanderson einzutauchen, ganz besonders weil dieses so tolle Rezensionen bekommen hatte.

Warbreaker war kein Stück schlechter, als ich erwartet hatte. Es war sogar um Längen besser. Nachdem ich von Elantris anfangs ein bisschen enttäuscht gewesen war, hatte ich wirklich gehofft, dass Warbreaker genauso gut geschrieben ist, wie all die Rezensenten behaupten. Und das ist es, absolut. Sanderson schafft seine Welten nach dem selben Prinzip. Er schreibt High Fantasy, und seine Geschichten spielen in einer Art mittelalterlichen Gesellschaft, in der ein Großteil der Bevölkerung  bettelarm ist und unter furchtbaren Bedingungen lebt, in denen es Könige gibt, Tyrannen, die gestürzt werden müssen, und natürlich Religionen, die aufeinanderprallen. Ich glaube wirklich, diese Welt ist die beste, die Sanderson bisher geschaffen hat, und es ist eindeutig eine der besten, die ich je gelesen habe. Dazu trägt selbstverständlich auch wieder sein magisches System bei, BioChromatic Breath, das relativ schwierig zu erklären ist (was Sanderson viel besser macht als ich), und wie all seine Konzepte von Magie etwas sehr wissenschaftliches hat. Jeder Mensch hat so einen Breath, je mehr man hat, desto besser bleibt der Körper erhalten, man kann damit Dinge zum Leben erwecken, man kann ihn an andere Menschen weitergeben; man kann nämlich ohne einen leben, es sei denn, man ist ein Returned, einer der Götter von T’Telir, die von der “anderen Seite” zurückgeschickt werden, um mit ihrem Breath jemandem zu heilen, wodurch sie wieder sterben. Was die meisten natürlich nicht tun, sondern lieber ihr göttliches Leben genießen.

Warbreaker

Diese neue Variation der religiösen Themen in Sandersons Büchern hat mich natürlich ziemlich fasziniert. Besonders interessant wurde sie durch Lightsong, einen der Götter, der selbst nicht an seine Göttlichkeit glaubt. Während er versucht, herauszufinden, warum ausgerechnet er zurückgekehrt ist und wer er in seinem früheren Leben war, versucht er alle davon zu überzeugen, wie nutzlos er doch ist. Er macht das mit unglaublich viel Witz und Charme und obwohl er nicht der einzige war, dem Sanderson einen wunderbaren Humor gegeben hat, so waren die Kapitel aus seiner Perspektive doch die unterhaltsamsten.

Am liebsten mochte ich allerdings Siris Perspektive, die der jungen Prinzessin, die anstatt ihrer Schwester den God King von T’Telir heiraten soll. Aber schlussendlich war ich von jeder Erzählperspektive gefangen, weil Sanderson sie einfach so gut schreibt! Das liegt vor allem auch an seinen Charakterentwicklungen; Siri, das impulsive, naive Mädchen entwickelt sich zu einer selbstbewussten Frau; Vivenna, die ältere, entwickelt sich von der steifen, voreingenommenen Prinzessin zu etwas, was sie nie erwartet hätte; Lightsong, der Rumgealber und Blödsinn für das Höchste hält und allen etwas vormacht, bis ihm einige große Dinge bewusst werden… und so weiter. Und dann waren da die Nebencharaktere! Oh, ich habe sie alle geliebt. Als welche einen anderen betrogen haben (mehr dazu nicht, weil das viel verderben könnte), hab ich mich einfach auch nur so verarscht betrogen gefühlt. Ich hatte die so geliebt und dann waren sie böse und ich wusste nicht so recht, ob ich sie so noch lieben kann. Ich wollte für mehr als hundert Seiten einfach nur heulen, vor allem, weil dieser plot twist weniger von diesen Charakteren bedeutete.

Und vielleicht erinnern sich manche, die tapfer genug sind, sich durch mein Gelaber zu lesen, noch daran, wie ich gesagt habe, dass Sanderson sehr viel telling statt showing macht. Dieses ganze telling? Weg! Mir ist das irgendwann in der Mitte des Buches ganz plötzlich aufgefallen, und ich hab mich einfach nur so gefreut! Die ganzen wichtigen Information, in den Text mit eingewebt und in die Dialoge, und ich habe zum Teil erst viel später gemerkt, was da alles drinsteckte. Ein Manko hatte das Buch in meinen Augen allerdings, was einfach damit zu tun hatte, dass so viele Handlungsstränge verarbeitet werden mussten: Vasher. Oder nicht Vasher selbst, sondern seine Abwesenheit. Er tut im Prolog etwas seltsame Dinge, die man erst viel später versteht, und dann… verschwindet er. Irgendwo ist das notwendig für die Geschichte, aber man weiß auch, dass Vasher wichtig ist, und wird einfach mit gar nichts gefüttert. Deshalb habe ich irgendwann auch ein bisschen das Interesse an ihm verloren, weil einfach nichts da war, und deshalb hat mich vieles, was er am Ende getan und verraten hat nicht so wahnsinnig überrascht, wie es vielleicht hätte sollen. Aber gleichzeitig hat das Fehlen von Kapiteln aus seiner Perspektive auch für ein paar nette plot twists gesorgt, deshalb war es wohl nicht ganz so schlimm.

So, jetzt hab ich mal wieder viel zu viel geredet. Aber- ich habe ein neues Lieblingsbuch. Und ich liebe es sooo sehr! Ich habe nicht geweint, was ja eigentlich ein wichtiges Kriterium ist (:D), aber ich war stinkwütend und manchmal auch den Tränen nahe; und ich habe viel gelacht. Jeder Fantasy-Fan sollte dieses Buch gelesen haben. (Und solche, die es nicht sind, aber sich überzeugen lassen wollen, auch.) Es gab Spannung, Humor, liebenswerte Charaktere… und es ist ganz schwer, wieder aufzuhören, wenn ich einmal angefangen habe. Aber ich werde jetzt aufhören. Versprochen.

Im Gegenzug müsst ihr versprechen, Warbreaker zu lesen. Jetzt. Sofort. Sonst komm ich zurück. Mwahaha.

Von Pantheismus und eitlen Drachen

WertherIch hab ja schon darüber geklagt, dass ich den Werther für die Schule lesen muss. Inzwischen hab ich ihn Gott sei Dank durch, mit viel Gejammer und Disziplin, obwohl ich am Ende doch beinah einen Anfall bekommen hätte, als Goethe jedes einzelne von diesen Liedern von Ossian, die Werther Lotte vorträgt, noch aufschreiben musste. Überhaupt bin ich des Öfteren verzweifelt. Ich verstehe einfach nicht, wieso so ein schmalztriefendes Werk, in dem ein wehleidiges Männlein permanent über die Natur und seine große Liebe schwadroniert, so große Literatur sein soll. Weil Goethe drauf steht, deshalb wahrscheinlich. Mir wäre es wirklich lieber, mein Deutschkurs hätte sich für ein Drama entschieden- ganz egal von wem. Die machen mir beim Lesen selbst zwar auch nicht unbedingt viel Spaß, aber ich bekomm sie wenigstens schnell durch, und ich analysiere sie wahnsinnig gerne. Mir graut schon vor der Analyse des Werther.

Dass er den Leuten damals gefallen hat, mag ja so sein. Aber heute lieben auch Unmengen Menschen (und nicht nur dreizehnjährige Mädels) Twilight & Co., wünschen sich einen sexy Vampir (so wie sich damals vielleicht alle einen Werther oder eine Lotte gewünscht haben) und tun so, als gäbe es nichts Höheres. Das heißt aber weder, dass die Bücher vom literarischen Anspruch her gut sind, noch dass man sie zur Schullektüre machen muss. (Und ich bete zu Gott, dass das wirklich nicht passieren wird.) Werther ist vielleicht ein Zeitzeugnis des Sturm und Drang, aber vor allem viel Seelenmüll von Goethe.

DamselNachdem mich der Werther so traurig gemacht hat, hat mich aber ein total süßes Buch aus den Tiefen der Verzweiflung gerettet: Damsel von Susan E. Connolly. Ich glaube, ganz wenige Leute haben das Talent, wirklich gute Kindergeschichten zu schreiben, und ich glaube, Connolly hat es. Damsel erinnert ein bisschen an Igraine Ohnefurcht: ein Burgfräulein in spe, Tochter eines Helden, muss ausziehen, um ihren Vater vor dem bösen Zauberer Greenlott zu retten. Unterwegs begegnet ihr natürlich so einiges, unter anderem Trolle, der kleine Lügner und Held Roger, der zwar manchmal extrem feige ist, aber in den richtigen Momenten einen kühlen Kopf bewahrt, und ein eitler Drache, der eigentlich gar nicht so furchtbar ist. Klar, die Geschichte unterscheidet sich natürlich ein bisschen von der Igraines, aber es ist auch die eines Mädchens, das - entgegen aller Klischees und Rollenverteilungen - viel lieber Heldin und Ritterin sein will. Ich mag so was. Weil ich glaube, dass wir neben Prinzessinen und rosa Ponys auch kleine Heldinnen brauchen. :)

Als ich mit Damsel fertig war, hab ich A Christmas Carol hinterher gelesen, weil ich diese Woche nicht so wahnsinnig viel Zeit habe (es will für Musik und Ethik gelernt sein) und es einfach eine schöne, kurze Geschichte ist. Und ich mag Dickens! Er hat einen tollen Stil, der manchmal auf den Punkt witzig ist, und manchmal wunderbare Bilder schafft. Außerdem schafft er es irgendwie, nicht den moralischen Zeigefinger zu erheben, sondern das Thema mit Leichtigkeit anzugehen, ohne jemanden direkt anzuklagen. Ich freue mich jedenfalls schon sehr darauf, A Tale of Two Cities zu lesen. Kann ja nur noch besser sein - noch mehr Dickens zwischen zwei Buchdeckeln.

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