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16.1.2010 von Franziska Kurtz.
Die Notwendigen Streitgenossen von Georg Miggel liegen jetzt auch schon wieder ein paar Tage zurück - trotzdem will ich auf jeden Fall eine Rezension dazu schreiben, da ich das Buch gewonnen habe und man das als Gegenleistung ja wohl erwarten kann. :)

Notwendige Streitgenossen war mal wieder einer meiner Ausflüge in ein Genre, das ich sonst nicht lese: Krimis. Leider muss ich sagen, dass dieser Ausflug… nun, nicht so ganz gelungen war. Als ich das Buch angefangen habe, war ich ehrlich begeistert. Die Interaktion zwischen Theo, der Hauptfigur, und seiner Frau Martina war toll. Es hat mir richtig gut gefallen, wie die beiden miteinander umgegangen sind, und das ging auch bei anderen Beziehungen so weiter. Da dachte ich schon, hey, das ist was, das bei Krimis sonst oft vernachlässigt wird und ich fand es toll, dass das mal ein Krimiautor konnte. Ich will jetzt nicht sagen, dass das aber auch schon alles war, was er konnte. Einige meiner Kritikpunkte, die gleich folgen, sind reine Geschmackssachen, und es wird Leute geben, die sich öfter in diesem Genre bewegen, denen das gefällt, was mir nicht gefallen hat.
Was ich als Erstes anbringen will, weil es das Erste war, was mich gestört hat: die Einführung neuer Figuren. Es waren wirklich, wirklich viele Leute, die vorgestellt wurden, da es um eine Sozietät mit 52 Partnern geht, und von den ganzen Juniorpartnern und was nicht noch will ich jetzt gar nicht anfangen. Aber jedes einzelne Mal, wenn jemand Neues auftauchte, wurden aufgelistet: sein Name, sein Alter, wie er mit der Hauptfigur in Verbindung steht, sein Aussehen.Wenn nötig (wobei das relativ ist) auch Sprachfehler oder Angewohnheiten, die die Person besitzt. Was ich dabei am schlimmsten fand, war die Erwähnung (bei mehreren Personen!), die Augen der Person benötigten keine Brille. Das ist schön. Aber total überflüssig. Und bei dem Überfluss an Informationen, der bei der Vorstellung der Charaktere sowieso schon geherrscht hat, wäre weniger wirklich mehr gewesen. Ich konnte mir irgendwann auch einfach nicht mehr merken, wer wer ist und woher XY nun schon wieder kommt.
Ich habe in dem Buch auch durchaus nicht alles verstanden, was darauf zurückzuführen ist, dass es im Anwaltsmilieu spielt und ich davon nun mal nicht viel verstehe. Erst zogen sich nur die Passagen, wo ich ohnehin nichts verstanden habe, aber später die ganze Story. Einer der Partner der Sozietät wird entführt und die verbliebenen sollen ein Lösegeld von 20 Millionen zahlen. In unendlichen Versammlungen wird erläutert ob und wie und warum und ob man nicht lieber die Polizei einschalten sollte, ob man es verantworten kann, zu riskieren, dass dadurch dem Entführten etwas passiert usw. usf. Das hat sich alles wiederholt und wurde zwar durch die Marotten der Herren und Frauen Anwälte aufgelockert (die mir auch wieder gefielen), aber insgesamt war es einfach zu viel.
Und dann noch ein letztes, was eher persönliche Enttäuschung ist als Enttäuschung meiner Erwartungen an ein Buch: irgendwann hat die Hauptfigur Theo Lindner gemeinsam mit seiner Frau entschieden, dass sie moralisch dazu verpflichtet sind, das Geld zu zahlen, entgegen aller Sorgen, dass sie dann ihr Haus nicht mehr abbezahlen können, eventuell die Ausbildung ihrer Kinder nicht mehr finanzieren können…- in dieser Situation hat er sich moralisch absolut richtig entschieden. (Ich muss es ja wissen, ich habe ja Ethik. :D) Und jetzt: Achtung Spoiler! Kaum dass am Schluss rauskam, dass die Entführung nur vorgetäuscht war und der Mitwisser Schumann ihm eine Millionen Schweigegeld bot, hat er zwar nur das genommen, was er auch gezahlt hatte - aber keinen einzigen Gedanken daran verschwendet, wie moralisch oder unmoralisch das ist, und an den Schaden, den sämtliche seiner Partner (von denen er mit mindestens einem befreundet ist!) davontragen. Da musste ich erst mal schlucken und habe das Buch etwas traurig zugeschlagen.
Nun, als Fazit: meine Tasse Tee war es nicht. Aber ich bin trotzdem froh, dass ich bis zum Ende durchgehalten habe. Disziplin! Und schließlich gab es auch Dinge, die mir ganz gut gefallen haben, sonst hätte ich das auch nicht gemacht.
Inzwischen lese ich Tintenherz noch mal, weil ich am Mittwoch den Film geschaut und unbändige Lust bekommen habe, mich mal wieder in ein bisschen Fantasy zu versenken, die ich schon kenne. Der Film hat mir zwar in einigen Punkten nicht so gut gefallen (”hey, lass uns da mal noch ein paar Effekte reinhauen, dann fällt es nicht so auf, dass wir vom Buch abweichen!”), aber die Darsteller fand ich alle gut, obwohl sie zum Großteil nicht so waren, wie ich mir die Figuren vorstelle. Ich bin aber froh, festzustellen, dass ich meine eigenen Bilder noch im Kopf habe. :)
Und eine schöne Neuigkeit zum Schluss: So was fragt man nicht wird im März in der Literaturzeitschrift Kritische Ausgabe veröffentlicht. Ich hab noch mal ordentlich dran geschraubt und bin jetzt sehr stolz auf mein Baby, und auch schon ganz gespannt, wie es sich in der Kritischen Ausgabe machen wird. An dieser Stelle auch noch mal ein ganz großes Dankeschön an Marcel Diel, fürs anfängliche Anschreiben, fürs Lesen und Lektorieren- danke. :)
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