Sie befinden sich aktuell in den Kurtzschluss Blog-Archiven für den folgenden Tag 26.11.2009.
26.11.2009 von Franziska Kurtz.
Am Montag war ich mit meinem Geschichtskurs (na gut, das war jetzt etwas gnädig ausgedrückt - es war eher die Hälfte) in Die Päpstin.
Ich weiß nicht, ob ich schon mal erwähnt habe, wie wahnsinnig gerne ich ins Kino gehe. Fast so gerne wie ins Musical oder ins Theater. Deshalb freu ich mich auch jedes Mal, wenn wir so was von der Schule aus machen - dann hab ich nämlich gleich noch eine Menge Leute, die mit mir gehen. :)
Da wir jetzt in Geschichte mit dem Mittelalter anfangen, hat Die Päpstin natürlich gut gepasst. An und für sich fand ich den Film ganz gut. Das Buch hab ich nicht gelesen, deshalb kann ich nichts dazu sagen, wie gut oder schlecht es umgesetzt war, und bewerte einfach mal den Film als alleinstehende Sache. Ich denke, die meisten dürften wissen, worum es geht - um Johanna, die wegen ihrer außerordentlichen Intelligenz auf die Domschule gehen darf (wo ihr allerdings das Leben schwer gemacht wird), ein Massaker der Normannen überlebt und daraufhin als Johannes Anglicus ins Kloster geht. Wegen einer “Wunderheilung” wird sie zum Priester geweiht, muss aber schließlich aus Angst vor der Entdeckung fliehen und pilgert nach Rom, wo sie erst Leibarzt des Papstes wird und nach dessen Vergiftung schließlich selbst zum Papst gewählt wird.
Ich finde die Thematik einer Frau als Papst sehr interessant - ich muss deshalb sagen, dass mir auf die Problematik irgendwie zu wenig eingegangen wurde. Es wurde sehr viel von der Lebensgeschichte in diesen Film reingestopft, von frühester Kindheit an (wo ich mich manchmal wirklich gefragt habe: “Ja, wann wird sie denn nun Papst?”), wo man die Zeit meiner Meinung nach eher dazu hätte nutzen sollen, das Innenleben der Figuren etwas näher zu beleuchten. Ich meine: in mir als Frau würde es Konflikte wecken, mich jahrelang als Mann zu verkleiden und das ganze Drum und Dran. Das habe ich ein bisschen vermisst, nicht nur im Script, sondern zum Teil auch in Johanna Wokaleks Darstellung. Den Mann allerdings, das muss man ihr lassen, hat sie größtenteils gut gespielt. Allerdings dachte ich mir bei manchen Sachen nur, wie doof die Leute denn sein müssen, dass sie nicht merken, dass das eine Frau ist. Ein Mann - meinetwegen mag es da Ausnahmen geben, aber das ist meine Beobachtung - beißt sich nicht auf die Unterlippe und schielt so nach oben. Das ist so extrem weiblich, das fällt sofort auf.
Abgesehen davon fand ich die Geschichte manchmal ein wenig vorhersehbar. Vor allem die große, romantische Liebesgeschichte. Von der ersten Sekunde, als Gerold Johanna bei sich aufnehmen wollte, war mir klar, sobald die auch nur ein bisschen erwachsen ist, verliebt er sich in sie und sie sich in ihn und das furchtbare Schicksal wird sie auseinanderreißen. Dann kam hinzu, dass die Sache doch manchmal ein bisschen künstlich angelegt war. Natürlich kommt Gerold genau einen Tag nach dem Massaker der Normannen zurück und natürlich ist Johanna dann schon weg. Natürlich reitet Gerold dann ausgerechnet in Lothars Armee als Feldherr mit nach Rom und sieht nach dem Wassertrick auch natürlich Johanna über eine Mauer lugen. (War ja auch nur sonst wie weit weg, sie hatte eine völlig andere Frisur usw. usf.) Solche Dinge. Und derer gab es noch mehr, blöderweise hab ich natürlich jetzt wieder vergessen, worüber ich mich noch vorgestern so ausführlich ausgelassen habe. :D
Aber! So sehr mich manchmal der Plot und der fehlende Hintergrund gestört haben - es gab da etwas, dass den Film für mich gerettet hat. (Na ja, was heißt “gerettet” - so schlecht fand ich ihn ja nun nicht.) David Wenham! Ich liebe David Wenham! Sobald Gerold sagte, er würde Johanna bei sich aufnehmen, habe ich nur begeistert in die Hände geklatscht und gemeint: “Juhu, dann kommt er öfter vor!” Es gibt einfach Leute, die einen Film gut machen. Und Franzi ist froh. :)
Geschrieben in Film, Rezension | 9 Kommentare »