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August 2009
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Archive für August 2009

“All of us are like stairs, one step after another, all going the same way.”*

 The Joy Luck Club (Amy Tan)* aus The Joy Luck Club von Amy Tan

Heute habe ich The Joy Luck Club von Amy Tan ausgelesen, ein Buch, das die Geschichten von vier Müttern und deren Töchtern erzählt - von in China geborenen Müttern und von in Amerika geborenen Töchtern. Das ist nicht nur ein Konflikt der Generationen, sondern auch der Kulturen, in dem alle acht Frauen versuchen, nicht nur ihre kulturelle, sondern auch ihre persönliche Identität zu finden. Ein interessantes Konzept, das auch im Großen und Ganzen schön umgesetzt wurde.

Leider musste ich mich bei dem Buch mit einer vereinfachten Adaptation zufrieden geben - da wir eigentlich vorhatten, den Joy Luck Club in der Schule zu lesen, wo man am besten das Niveau nicht zu hoch anhebt ;). Ich gehe davon aus, dass meine Kritikpunkte vor allem dadurch ausgelöst wurden, dass es eben eine abgeänderte Fassung ist.

An sich ist es ein tolles Buch, das auch mir absoluter Ignorantin ein Stück weit die chinesische Kultur näher gebracht hat, mit all ihren Redensarten, Sagen und ihrem Aberglauben. Vor allem die chinesischen Mütter haben in diesem Buch so viele schöne Stellen, alles wunderbare Zitate - Aussagen, mit denen sie versuchen, ihren Töchtern das Chinesische in ihnen deutlich zu machen, oder das in ihnen selbst nicht zu verlieren. Ein hübsches Beispiel ist das Zitat, das ich als Titel verwendet habe. Ich finde, alleine dafür hat es sich schon gelohnt, das Buch zu lesen.

Ein bisschen schade war allerdings hin und wieder, dass die Glaubwürdigkeit bei der Charakterentwicklung vernachlässigt wurde. Da das immer ein wenig rausfällt aus dem restlichen Stil, vermute ich, dass es mit der Fassung zusammenhängt, aber es ist wirklich schade, dass zugunsten des Verständnisses die Qualität leiden muss. Es ist einfach zu abrupt und unglaubwürdig, wenn jemand sein Leben lang Minderwertigkeitskomplexe hat, und dann innerhalb von zwei Sekunden merkt, dass er ja doch viel toller ist als alle anderen. Oder dass eine Person ihre Lebensentscheidungen in Bruchteilen von Sekunden trifft, ohne dass dem Leser - direkt oder indirekt - ein Motiv serviert wird. Ich möchte ja gar nicht alles vorgekaut bekommen, aber ich möchte mir das Buch auch nicht selber ausdenken müssen - sonst könnte ich ja eines schreiben, statt es zu lesen.

Was mich auch gestört hat, war, dass die verschiedenen Geschichten, aus denen das Buch besteht, allesamt aus der Ich-Perspektive geschrieben waren, und nur die Untertitel mir jeweils gesagt haben, aus wessen Sicht ich gerade etwas lese. Das hat dafür gesorgt, dass ich mehr als einmal zurückblättern musste, um nachzugucken, wer das jetzt noch mal war, und deshalb sind leider auch nicht wirklich Namen und Ereignisse verknüpft hängen geblieben, sondern höchstens getrennt voneinander.

Wie gesagt hat mir das Buch aber dennoch gut gefallen, vor allem wegen des Einblicks in die mir fast völlig fremde chinesische Kultur. Es war insgesamt in einem guten, leicht poetischen Stil geschrieben, und hat einige Probleme angerissen, die eine halbe Welt zwischen zwei Heimaten verursachen kann - vielleicht hätte man manches noch intensiver beleuchten können, etwas mehr in die Tiefe gehen, aber wegen der Kürzung weiß ich eben nicht, wie viel davon ich der eigentlichen Autorin nun wirklich vorwerfen kann, und belasse es dabei, dass es eine nette Lektüre für zwischendurch ist.

Dracula von Bram Stoker

Dass ich Dracula ausgelesen habe, ist nun auch schon wieder mehr als eine Woche her, aber zwischendurch bin ich einfach zwischen meinen begeisterten “Wicked war sooo toll”-Ausrufen und dem Einrichten meines Zimmer nicht dazu gekommen, zusammenhängend drüber zu bloggen. Das hat das Buch nämlich meiner Meinung nach verdient.

Ich denke, dass so ziemlich alle wissen, was ich von Bis(s) und Co. halte. Da sind die Vampire einfach nur smoking hot, jetzt mal abgesehen davon, dass ihre Haut ja so kalt ist, und sind auch gar nicht beängstigend und so, weil sie ja gut aussehen. Dracula ist ganz anders. Für mich irgendwo ein Pionier im Horror- und Fantasygenre, und auch der Klappentext sagt, Dracula sei “a unique horror masterpiece and the most famous of all vampire tales”. Klar, auch Bekanntheit ist bei einem Buch nicht alles, aber dieser Roman hat die Bekanntheit verdient, von daher muss ich da absolut zustimmen.

Dracula by Bram Stoker

Die Darstellung des Vampirs bzw. der Vampire gefiel mir gut. Das sind keine Schnuckelchen, die halt mal dem oder der zuliebe auf ihren natürlichen Trieb - Blut zu saugen - verzichten. Sie werden als Monster beschrieben, und so sehen sie auch aus. Und ich kann ja vieles vor dem Einschlafen lesen, aber als ich mal bei einer besonders unschönen Szene ankam, war es mir im Dunkeln danach schon ein wenig unwohl. Aber ich denke, auch das spricht für das Buch. :)

Was mich besonders begeistert hat, und weshalb ich wirklich jedem empfehlen würde, es auf Englisch zu lesen, wenn es geht, ist der altertümliche Stil. Der ist ja echt, und nicht nur so auf alt gemacht, schließlich stammt das Buch aus dem Ende des 19. Jahrhunderts. Es ist auch total niedlich, wie es da noch diese ganzen Konflikte und Zweifel gibt: was darf ich als Frau machen? Was dürfen wir als Männer einer Frau zumuten? Und so weiter. Aus heutiger Sicht ist das wirklich lustig anzusehen. Und es ist aus sehr vielen Blickwinkeln anzusehen, da Stoker ein interessantes System benutzt. Er schreibt in chronologischer Reihenfolge, aber aus unterschiedlichen Sichtweisen, wofür er Tagebucheinträge, Briefe, Telegramme, Memorandien der einzelnen Personen benutzt, was das Buch meiner Meinung nach wahnsinnig interessant macht. Das war eine Vampirgeschichte, die mir sehr gut gefallen hat, vom Plot her, von den Charakteren her, auch von der Auflösung her - dabei war mir die Geschichte schon vom Musical her halbwegs bekannt.

Daher noch eins zum Schluss, was nur bedingt mit der Qualität zu tun hat: wer im Buch eine Liebesgeschichte zwischen Dracula und Mina sucht, wird das vergeblich tun, und das finde ich eigentlich nicht schlecht. Es hat auch ohne diese seinen Reiz, aber fürs Musical musste wohl noch mehr Dramatik rein. ;) Jedenfalls ist Dracula ein echter Klassiker, und ich bin froh, es in der Bibliothek nicht doch wieder aus der Hand gelegt zu haben.

Linker Beitrag

Also: ich bin wahnsinnig hinterher mit allem, was mit Internet zu tun hat. Wir sind ja grade erst umgezogen und ich habe kein DSL, und das Internet, an dem wir uns dank Surfstick erfreuen dürfen, ist wahnsinnig langsam. E-mails empfangen und verschicken fällt daher auch flach, deshalb entschuldige ich mich bei allen, die vielleicht auf eine Mail warten o.Ä.

Neuigkeiten gibt es trotzdem. Ich bin Teil eines neuen Literaturblogs, dem fliegenkopf, an dem außer mir noch acht weitere Autoren beteiligt sind - vom Jahrgang und literarischen Ansatz breit gefächert und hoffentlich interessant. :) Von mir kann man da noch nichts lesen, was sich durch Zeit- und Mußenmangel erklären lässt. Die weiteren Namen des FlieKo:  Mario Apel, Andrea Brincker, Richard Duraj, Heide Kloth, Simone Kornappel, Lars Schneider, Jan Skudlarek und Manuel Stallbaumer.

Ansonsten wurden inzwischen auch die Preisträger des Wettbewerbs “An den Wassern” auf der Seite der Literaturtage Rheinland-Pfalz 2009 veröffentlicht.  Ein bisschen beängstigend finde ich es schon, zwischen Autoren zu stehen, deren Namen mir durchaus nicht alle ganz unbekannt sind, und die zum Teil mehr als doppelt so alt sind wie ich. Die Vorstellung der Anthologie findet übrigens am 4. Oktober im Kulturzentrum am Freidhof in Bingen statt (Programm), wo ich wahrscheinlich hinfahren werde, aber das werde ich sicher auch noch mal dann posten, wenn der Termin näher rückt.

Meine Buchliste ist auch aktualisiert, aber ich habe leider in den Ferien nicht halb so viel gelesen, wie ich eigentlich wollte. Vor allem über Dracula werde ich aber bloggen. Dass ich nicht gelesen habe, heißt aber nicht, dass ich mir ansonsten nichts kulturell Wertvolles zu Gemüte geführt habe. :D Um genau zu sein hat mich mein Musicalrausch vom Lesen abgehalten - ich habe mir Wicked in Stuttgart und City of Angels in Ettlingen angesehen, und mich außerdem in RENT verliebt. Und um die Liebe ein bisschen unters Volk zu bringen: Will I.

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