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Archive für Juli 2009

Brandon Sanderson: The Hero of Ages

The Hero of Ages by Brandon SandersonNach ungefähr einem Jahr des Wartens konnte ich das dritte Buch der Mistborn Trilogie nun endlich lesen. Sämtliche Rezensenten scheinen nicht nur von den ersten beiden Büchern ausnahmslos begeistert zu sein, sondern auch von diesem Buch. Es war leicht, ihnen zu glauben, weil ich ihnen nach der Lektüre von The Final Empire und The Well of Ascension nur zustimmen konnte, andererseits bin ich beim letzten Buch einer Serie immer ein bisschen skeptisch (insbesondere seit dem siebten Harry Potter-Band).

Die Lektüre dieses Buches war ein bisschen wie ein Marathon: ich habe Tage und Seiten gezählt und bis in die Nacht gelesen. Das hing teils mit meinem Plan zusammen, in den Sommerferien so viel wie möglich zu lesen, andererseits konnte ich das Buch aber manchmal auch nicht aus der Hand legen. Brandon Sanderson schreibt unvorhersehbar, aber geplant und logisch. Dass dies nicht auf eine Zwangsläufigkeit des Plots hinausläuft, ist ihm hoch anzurechnen. Zurückblickend wird einem klar, dass er auf sein Finale seit dem ersten Kapitel des ersten Buches hingearbeitet hat; er hat immer wieder Hinweise fallen lassen, kleine Andeutungen, wichtige Tipps (und ich werde die Bücher um deretwillen auch noch mal lesen müssen), aber seine Geschichte wirkte nicht erzwungen, im Gegenteil.

Dieser Autor kann seine Leser furchtbar auf den Holzweg führen. Die meiste Zeit habe ich während des Lesens in einem Zustand der immensen Verwirrung verbracht und einer Verzweiflung, dass sich mir da nichts erschließt (ich liebe das so!), und hätte meinen Kopf am Ende auf den Tisch schlagen können. Klar, einiges habe ich mir gedacht - wenn ich mal ein paar gut gestreute Hinweise aufgesammelt habe - aber vieles hat mich überrascht. Die Logik darin ist mir im Nachhinein schon aufgefallen, aber ich wäre vorher nie drauf gekommen.

Brandon Sanderson schreibt genau die Fantasy, die ich brauche. Er ist dabei fies, schreckt nicht davor zurück, Charaktere umzubringen, wo es nötig ist, oder Grausamkeiten zu beschreiben. Er macht das nicht plakativ, er macht es einfach, weil es dazugehört. Und ich liebe ihn dafür, weil man genau so was in Fantasy zu selten findet.

Brandon Sanderson - The Well of Ascension

Irgendwie bin ich momentan einfach zu müde, um ausschweifende und intellektuell tiefgreifende Buchkritiken zu schreiben. Mich hat eine Erkältung voll erwischt. Das einzig Schöne dabei ist, dass man keine Ausrede dafür braucht, stundenlang auf dem Sofa zu liegen und zu lesen. Aber jetzt doch noch ein bisschen was zu The Well of Ascension.

The Well of Ascension by Brandon SandersonDas Buch ist der zweite Teil der Mistborn Trilogy und ich habe es gerade zum zweiten Mal gelesen. Ich mag es nach wie vor sehr gerne, obwohl ich das erste Buch etwas lieber mag - es liegt an den Charakteren, an der Waghalsigkeit des ganzen Geschehens, der ganzen Neuheit des Gesellschaftssystems. Aber auch im zweiten Buch behandelt Sanderson seine Charaktere sehr liebevoll und gibt ihnen sehr glaubhafte Züge. Ich finde es faszinierend, aus wie vielen verschiedenen Perspektiven er seine Geschichte erzählt - nicht nur, dass es das um einiges interessanter macht, nein: jeder einzelne Blickwinkel ist glaubwürdig.

Was mir außerdem gefällt: Fantasy ist ein Genre, aber keins, das auf etwas so bestimmt ausgelegt ist wie manch andere Genres. Es baut nicht allein auf Psychoterror und auch nicht allein auf die große Romanze, nicht allein auf Action- und Kampfszenen (obwohl man bei manchen Büchern durchaus das Gefühl bekommen könnte); es baut auf eine gesunde Mischung aus diesen Sachen, und das macht es meiner Meinung nach schwer, es zu schreiben. (Nicht, dass andere Genres nicht schwer wären - sie haben ihre eigenen und anderen Schwierigkeiten.) Sanderson macht das meiner Meinung nach aber auf eine sehr schöne Art, und es macht Spaß, das zu lesen. Vor allem, da er viele kleine Nebenhandlungen einbaut, die allerdings nicht verwirrend sind, sondern fesselnd - man vergisst sie hin und wieder beinahe, bis wieder etwas auftaucht, ein Hinweis vielleicht, das damit zu tun hat, oder man schimpft sich am Ende dafür, dass einem nicht früher aufgefallen ist, dass die beiden Handlungen ja verknüpft sind.

Es sind auch diese ganz, ganz kleinen Dinge, die das Buch spannend machen. Ich habe es vor ungefähr einem Jahr zuletzt gelesen und behaupte gerne von mir, kein schlechtes Gedächtnis zu haben. Die kleineren Zusammenhänge hatte ich allerdings wieder vergessen, und Sanderson baut seinen Plot so auf, dass es mich wahnsinnig aufregt und festhält, gerade diese Sachen vergessen zu haben, selbst wenn ich den allgemeinen Ausgang der Geschichte schon kenne. Es ist eigentlich das, was mir meine Gesangslehrerin beim Einsingen beigebracht hat: dass ich allen Tönen die gleiche Aufmerksamkeit schenken soll, damit es wird, nicht zwischendurch oder am Ende mal einen fallen lassen. Und genau das macht Sanderson mit seinen vielen Handlungen, und das macht es schön. :)

Fotos vom 18. März

Sebastian hat uns Jungblütlern grade per Mail mitgeteilt, dass es ein flickr-Album mit Fotos von unserer Lesung in Ingelheim am 18. März gibt, die von seinen Lehrern gemacht wurden. Es sind ein paar wirklich schöne dabei; falls jemand gucken möchte: hier sind sie.

Jungblut

Huch, ich lebe.

Und mein Blog existiert auch ohne mich weiter. Oder eher: vegetiert vor sich hin. Deshalb: was mache ich die ganze Zeit?

Letztes Wochenende war ich in Köln, um eine Freundin zu besuchen und mir mit ihr gemeinsam die Kölner Lichter anzusehen. Wären nicht die ganzen schunkelnden und knutschenden Leute vor uns gewesen, würde ich den Abend direkt als schön bezeichnen, aber zwischendurch war ich zugegebenermaßen etwas genervt. Aber der Rest des Wochenendes hat das alles eindeutig wieder wettgemacht. Von Köln aus sind wir gemeinsam in die Niederlande gefahren, wo wir uns das Musical Ciske de Rat angesehen haben. Ich habe schon vorher immer die CD-Aufnahme vergöttert, aber jetzt bin ich dem Musical ganz verfallen. Kann mir jetzt noch mal einer in Erinnerung rufen, warum ich nicht näher bei Scheveningen wohne? Aber wie dem auch sei; Geld auf dem Konto wird sowieso überbewertet, deshalb ist neben dem Besuch von Wicked und City of Angels im August jetzt noch ein weiterer Besuch bei Ciske geplant. Und am liebsten würde ich im Herbst gleich noch mal hinfahren, um Jorge Verkroost noch mal als Cis zu sehen, der am 22. August nicht spielt.

Seit dem Wochenende habe ich versucht, ein paar Leuten in meinem schönen Städtchen klarzumachen, dass sie sehr wohl eine Aushilfe brauchen, allerdings eher erfolglos. Aber wie gesagt, Geld auf dem Konto-.

Inzwischen bin ich in Frankreich angekommen, habe meine erste Fahrt in einem “Kleintransporter” hinter mir, von dem ich nach wie vor darauf bestehe, dass er ein LKW ist, und fahre morgen mit der Familie in die Normandie. Das ist also jetzt meine Entschuldigung, dass ich momentan nicht so viel blogge. Schreibe ich noch? Ja. Auf jeden Fall. Gerade habe ich wieder ein Gedicht zu meinem Assassins-Projekt beendet, vor einigen Tagen missglückte Prosa geschrieben, und mal wieder zu viel über die Dinge nachgedacht, statt sie zu schreiben.

Blogge ich bald wieder öfter? Na ja, Juli/August wird wahrscheinlich eine etwas stillere Phase. Ich habe vor, in meinen Sommerferien noch einiges an Büchern zu lesen, was durch das “einiges an Musicals sehen” hoffentlich nicht vereitelt wird, und über die wird natürlich gebloggt. Bald zeig ich hier außerdem hoffentlich mal wieder etwas aus meiner eigenen Feder.

Und was ich eigentlich sagen wollte: ich habe ein Willi-T-Shirt. Ja, mit Willi aus Biene Maja. Und ich höre sehr wohl den ironischen Unterton eures “wie süüüß!” heraus.

Mathe-Spamschutz

Da mir jetzt schon aus mehr als einem Munde Beschwerden zu Ohren gekommen sind, dass der Mathe-Spamschutz selbst nicht rechnen kann, habe ich den zeitweise deaktiviert. Das Kommentieren müsste jetzt problemlos funktionieren - wenn nicht, Beschwerden an mich, z.B. per Mail (franziska@familiekurtz.de). Ich suche nach einer Lösung. :)

Literaturtage Rheinland-Pfalz

Erinnert ihr euch noch an das hier? Grade eben habe ich aus dem Briefkasten einen Umschlag gefischt, auf dem - zu meiner großen Überraschung - groß “Rheinland-Pfälzische Literaturtage 2009″ stand. Eigentlich habe ich gar nicht mehr mit einem Brief gerechnet. Und eigentlich dachte ich, mein Text hätte da wohl auch nicht so viele Chancen, weil es irgendwie so nach “Heimatbezug” aussah.

Scheinbar ist dem aber doch nicht so, und ich habe es mit la mer unter die Preisträger geschafft. :) Das heißt, dass die Kurzgeschichte zusammen mit den anderen Preisträger-Texten in der Anthologie An den Wassern (Edition Schrittmacher) veröffentlicht wird, worüber ich mich wirklich, wirklich riesig freue. Vor allem, weil ich wieder Teil einer Schrittmacher-Anthologie sein darf. Mal abgesehen davon, dass das der erste nicht explizit für Jugendliche und junge Erwachsene vorgesehene Wettbewerb ist, bei dem ich mitgemacht habe.

Den Text plus Kurzbio soll ich ihnen jetzt noch mal per E-mail zuschicken, damit er an einen Lektor gesandt werden kann. Ich bin sehr gespannt, was dabei rauskommt.

“I think I’m going to kiss you.”

Ich bekomme von sehr vielen Leuten, die schreiben, sehr, sehr oft gesagt, was ich noch alles lesen muss. Fantasy ist eigentlich nie dabei - die Hoffnung, irgendwann Fantasy-Gegner davon zu überzeugen, dass auch das ein ganz normales, lesbares, gutes Genre ist, gebe ich aber nicht auf. :) Die Schwerpunkte liegen hin und wieder auf anderen Dingen, aber Mistborn - The Final Empire könnte rein theoretisch auch einfach eine Art historischer Roman sein, eine Romanze, eine Geschichte über Freundschaft.

Mistborn by Brandon Sanderson

Was es zu Fantasy sie macht, ist nicht die Welt, in der die Charaktere sich bewegen. Diese Welt ist das 1000-jährige Reich eines scheinbar unsterblichen Mannes, der einmal die Menschheit vor der Deepness, der Tiefe, errettet haben soll. Was dieses obskure Ding eigentlich ist, erfährt man im ersten Buch noch nicht - es ist auch erst einmal unwichtig. In diesem Reich, das schon so lange besteht, leben Adlige, die die Gesellschaft und die Finanzen im Griff haben, und Skaa, einfache Arbeiter, Bettler, die seit hunderten von Jahren unterdrückt werden. Eine Gruppe von Skaa (oder auch Halb-Skaa, die adliges Blut haben) setzt sich schließlich zum Ziel, den Lord Ruler zu stürzen und eine Gesellschaft zu errichten, in der alle gleichberechtigt sind.

Was das Ganze jetzt zu Fantasy macht, ist eigentlich nur das magische System, das Brandon Sanderson benutzt. Es ist nicht einmal wirklich Magie, sondern auf bestimmte Art und Weise Physik: Allomantik. Metalle werden geschluckt und schließlich verbrannt - dabei kann man mit Zinn seine fünf Sinne verbessern, mit Hartzinn Dinge wie Kraft und Gleichgewicht usw. Das eigentlich Faszinierende an dem Buch/der Trilogie ist aber für mich, dass es diese altbekannte Fantasy-Story “Gut bekämpft Böse, Gut gewinnt, Happy End” umwirft und sich fragt: was passiert eigentlich, nachdem die Guten gewonnen haben? Wie funktioniert das und funktioniert das überhaupt, eine neue Gesellschaft aufzubauen? Welchen Problemen begegnet man? Ich finde das toll und nebenher kommt eben alles vor, was in anderen Büchern auch vorkommt - zwischenmenschliche Beziehungen, Misstrauen, Vertrauen, Freundschaft, auch Tod. Sanderson schafft es wunderbar, seine Charaktere glaubwürdig zu machen, und während er mich wirklich einige Male zum Lachen gebracht hat, hat er auch das mit dem Weinen hinbekommen. Und Bücher, die mich zum Weinen bringen, sind in meinen Augen einfach gute Bücher. :)

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