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Archive für 16.6.2009

Schülertheatertage Heidelberg - Ohrfeigen, Workshops und Kuchen

Momentan finden in Heidelberg die 24. Schülertheatertage im zwinger3, Heidelbergs Kinder- und Jugendtheater, statt. (Asuführliches Programm hier.) In drei Tagen ist mir dort so viel Schönes passiert - was ich jetzt versuchen werde, in einen Blogeintrag zu komprimieren - und am schönsten ist: noch ist es nicht vorbei. :)

Am Samstag und Sonntag habe ich an Lorenz Hippes Workshop “Lass mich doch in Frieden” teilgenommen, wo es um das Verfassen und Erarbeiten dramatischer Text ging. Da Theatertexte etwas sind, was ich meiner Ansicht nach eigentlich überhaupt nicht kann, habe ich mich kurzerhand für diesen Workshop eingetragen und es auch nicht bereut. Wir haben nicht viel Theorie gemacht, dafür aber viel geschrieben und am zweiten Tag auch viel gespielt. Das, was einen Theatertext ausmacht, habe ich bei Lorenz, glaube ich, ganz gut begriffen, und auch, dass das eigentlich gar nicht so weit weg ist von meinem sonstigen Schreiben. Damit experimentieren will ich auf jeden Fall. Ich freu mich sehr, dass ich den Workshop gewählt habe, auch wegen der anderen Teilnehmer und ein bisschen deswegen:

Zwei Minuten zweiundzwanzig. Ab zwei Minuten zweiundzwanzig geht gar nichts. Ich zähle die Sekunden und das fängt klein an, 1, 2, 3, aber bei 36 zuckt zum ersten Mal mein rechtes Augenlid und dann wird das Zuhören auch anstrengender, weil das Zählen wichtiger wird. 52, sagt der Kopf und ich mag keine Telefone mit Display, weil die das machen für mich, das Zählen, das machen die und dabei ist das doch meins.

Ausschnitt aus einem noch immer ganz rohen 3-Minuten-Text, der im Workshop entstanden ist. Was ich damit machen werde, weiß ich noch nicht, aber dass ich was damit mache, das weiß ich schon. Dafür liebe ich Workshops: dass sie einen Impuls geben, einfach mal zu schreiben.

Neben eigenen Texten haben wir auch Texte geschrieben, die aus sämtlichen Workshoptexten zusammengewürfelt waren, überlegt, auf welche Art und Weise man Texte zu einem Stück verbinden kann, geschrieben, gelesen, geschrieben, gespielt - und letztlich eine kleien Präsentation für die Eröffnungsrevue der Theatertage auf die Beine gestellt. Dass wir in zwei Tagen doch so viel geschafft haben, das war toll.

Die anderen scheinen aber auch viel Spaß gehabt zu haben, wie man während der Revue dann sehen konnte - wo nicht nur die Workshops dokumentiert, sondern auch die Stücke vorgestellt wurden. Da haben wir auch einen kleinen Einblick in das Stück unserer Partnergruppe bekommen, die Die Judith von Shimoda (Brecht, ein Stück, das erst 2006 entdeckt wurde, so weit ich weiß) inszeniert hat. Ich freu mich schon sehr darauf (Donnerstag/Freitag wird es da dann sicher Begeisterungsstürme hier von mir geben!)

Montags, also gestern, war dann unsere Aufführung, für die wir gleich nach der Schule losgefahren sind. Da wir nach dem Schleppen der Requisiten aber noch so viel Zeit hatten, haben wir uns zum “Kaffeeklatsch” begeben (kostenloser Kuchen! Koffein!), wo Didi Sachser dann - als Impulsgeber für die Kaffeeklatschdiskussion - einen Vortrag über Theaterspielflow gehalten hat, ein Phänomen, das zwar durch aus bekannt ist und auch bei anderen Kunstformen schon untersucht wurde, vor allem aber im Theater eine relativ unerforschte Sache ist (und was man durch Ohrfeigen angeblich wunderbar auslösen kann). War sehr interessant und der gute Mann bringt demnächst auch ein Buch darüber heraus. (Von dem ich leider vergessen habe, wie es heißt, aber ein bisschen Didi Sachser und Flow und Recherche…)

Die Aufführung war dann jedenfalls klasse. Unsere Partnergruppe war zwar nicht ganz geschlossen da, aber, wie sich im Nachgespräch herausstellte, auch ziemlich begeistert (vor allem von unserer Doppelbesetzung mancher Rollen, die den persönlichen Zwiespalt darstellt). Neuheit: Im zwinger gibt es hinter der Bühne Lautsprecher/Fernseher, damit man das Bühnengeschehen mitverfolgen kann. Vorher ging das ja nie so, aber da konnte man dann die ganze Aufführung in Bild und Ton mitverfolgen, was auch mal ganz spannend war.

Also: es war toll und morgen wird es noch mal toll. Wir werden uns morgen früh Der Meister und Margarita anschauen, und abends dann eben das Stück unserer Partnergruppe, die Judith von Shimoda. Aber jetzt erst mal: schlafen.

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