Infos

Sie befinden sich aktuell in den Archiven des Blogs Kurtzschluss für Juni, 2009.

Juni 2009
M D M D F S S
« Mai   Jul »
1234567
891011121314
15161718192021
22232425262728
2930  

Archive für Juni 2009

Twitter und Lyrik

Ich habe es vor zwei Jahren oder so schon einmal mit Twitter probiert, bin allerdings nie richtig damit warm geworden. Inzwischen zwitschern aber mehr und mehr interessante Leute dort (beispielsweise Sarah Rees Brennan und R. J. Anderson - beides Autorinnen -, Kristin Chenoweth und Michael Kunze - beides Musicalmenschen) und ich habe beschlossen, es noch einmal zu versuchen. Ich stelle fest, es macht Spaß. Franziska Kurtz auf Twitter.

Außerdem: im Hinterkopf liegt bei mir schon lange eine Idee für ein Projekt, das vom Musical Assassins inspiriert wurde. Gerade ist das zweite Gedicht dazu fertig geworden. Mal sehen, was noch draus wird, und dazu vielleicht auch bald ausführlicher. :) Da dazu ein bisschen Recherche nötig ist, ist es etwas zeitaufwendiger, aber irgendwie ist gerade das toll.

Bildungsstreik

In den letzten Tagen überkommt mich immer so eine kleine Welle der Nostalgie, wenn ich an Heidelberg denke. Es ist wirklich schade, dass es vorbei ist, da es Unmengen von Spaß gemacht hat (das war das erste Mal, dass ich so intensiv und viel mit Theater gemacht habe). Aber es gab da ja nicht nur Theater - wir haben uns ja mit Mittwoch einen tollen Tag ausgesucht, um Heidelberg zu erkunden, da für den Tag die große Demo des Bildungsstreikes geplant war. Und um noch ein bisschen in Erinnerungen an die letzte Woche zu schwelgen, dachte ich, ich zeige mal die wenigen Fotos, die ich gemacht habe.

Studiengebühren
Und da war kein Durchkommen mehr:

Bildungsstreik

Bildungsstreik

Und die Literaturtage…

Literaturtage

Lebendiger Geist

… waren auch nicht halb so interessant wie dass dieser tolle Stand aus Amsterdam kommt das Podest nebenan, wo lautstark verkündet wurde, man habe inzwischen die vierte Etage des Landtags eingenommen und Studenten gelbe T-Shirts schwenkten.

Landtag eingenommen

Alle gegen das Bildungsmonster!

Bildungsmonster

Auf dem Einkaufswagen, den man links unten hier angedeutete sieht und in dem ein Haufen Bücher liegt, steckt übrigens ein Schild mit der Aufschrift “WA(H)RE BILDUNG”, das leider recht fotoscheu war.

Ich war in Heidelberg jedenfalls sehr beeindruckt von dem Einsatz, den die Jugendlichen/jungen Erwachsenen da gezeigt haben. Das war wirklich, wirklich toll. Vor allem war es ja auch unglaublich heiß - aber träge war da gar nichts. Vielleicht kommt die Stimmung ja auf den Bildern ein wenig rüber.

Die Judith von Shimoda

Kurz zusammengefasst für alle, die nicht den ganzen Beitrag lesen wollen - was ich im Prinzip immer und immer wieder sagen werde, ist sinngemäß: die haben mich gestern so aus den Socken gepustet.

Noch mal eben zur Erklärung. Wir nehmen mit der Theater-AG und unserem Stück Antigone an den 24. Schülertheatertagen Heidelberg teil (bzw. inzwischen müsste das wohl eigentlich in der Vergangenheit stehen :/), wo jede Gruppe auch eine Partnergruppe zugeteilt bekommt. Ausgewählt wird das wohl nach dem inszenierten Material, gemeinsamen Themen, ähnlichem Theaterverständnis… ich kann jetzt nur mutmaßen, aber bei unserer Gruppe hat das alles gepasst. “Unsere Gruppe”, das ist das Oberstufentheater des Hölderlin-Gymnasiums Heidelberg, und man kann einfach nicht oft genug sagen, wie genial die alle sind.

Das aufgeführte Stück ist ein 2006 entdecktes Brecht-Stück, das sich einer Vorlage Yamamotos bedient. Ich klaue einfach mal frech die Zusammenfassung.

QuoteDer japanische Dramatiker und Romancier Yamamoto (1887-1974) veröffentlichte 1930 ein Stück über eine der populärsten Figuren aus der jüngeren Geschichte Japans, die Sängerin und Geisha Okichi. Sie wurde 1856, als die USA das Ende der japanischen Isolation erzwangen und Handelsbeziehungen forderten, ins Haus des ersten amerikanischen Konsuls geschickt, der im Stil imperialistischer Kanonenboot-Diplomatie mit der Beschießung der Hafenstadt Shimoda gedroht hatte. Es gelang Okichi, den Konsul zu besänftigen, aber ihre Landsleute, die dieses Opfer brauchten, waren noch nicht bereit, es ihr zu verzeihen. Deshalb wendet der Dichter, wie Brecht schreibt, „sein Hauptaugenmerk dem Leben seiner Heldin nach der Heldentat zu” – der traurigen Geschichte eines langsamen Untergangs der als ‘Ausländerhure’ Verfemten.

(Quelle: Bertolt Brecht: Die Judith von Shimoda. Nach einem Stück von Yamamoto Yuzo. In Zusammenarbeit mit Hella Wuolijoki. Rekonstruktion einer Spielfassung von Hans Peter Neureuter. Suhrkamp. Frankfurt/Main 2006.)

Die Geschichte Okichis ist in Brechts Fassung ein “Stück im Stück”. Während sich in dieser Inszenierung auf dem vorderen Teil der Bühne das Leben von Okichi abspielt, die erst regelrecht genötigt wird, zum Konsul zu gehen, um anschließend geächtet zu werden, sitzen dahinter und erhöht der Fürst und drei seiner Gefolgsleute, die sich das Schauspiel zu Gemüte führen. (Übrigens ein sehr aufwendiges Bühnenbild für eine Schulproduktion - komplett mit einer Rampe, Metallgerüst und dem sehr gelungenen Einsatz von viel Stoff). Nachdem Okichis Heldentat erzählt ist, besteht die amerikanische Journalistin darauf, weitere Szenen aus deren Leben zu sehen, woraufhin die Regisseurin des Stücks im Stück dies kurzerhand organisiert.

Ausnahmslos alle Schauspieler haben ihre Rollen wunderbar gelebt. Schönes Zusammenspiel gab es eigentlich zwischen allen, niemand hat sich da besonders versucht, in den Vordergrund zu rücken, und so wirkten die Beziehungen zwischen Okichi und ihrem Verlobten, zu ihren Freundinnen und auch zu den Politikern, die da ihre Drähte zogen, sehr gut und sehr echt. Größter Respekt gebührt vor allem den fünf, die immer auf der Bühne waren, aber nicht immer “dran” waren: der Regisseur, der Fürst, der Professor, die Journalistin, und - wie sie im Nachgespräch so treffend genannt wurde - die “Krähe”. Aber selbst wenn der Fokus nicht auf ihnen lag, blieben diese fünf immer in ihren Rollen, waren immer präsent und ließen sich auch kleine Späßchen einfallen. Besonders schön war der Professor, der während einer Liebesszene zwischen Okichi und ihrem Verlobten mit einem Schuh auf sich selbst einprügelte (diese äußerst verkitschte Szene wurde ihm zuliebe dann noch einmal gespielt, aber mit völlig anderem Ton, wütender und kraftvoller - ein Beispiel dafür, wie unterschiedlich Text interpretiert werden kann), aber auch die Krähe, die die ganzen zweieinhalb Stunden mit seltsam verzogenem Gesicht dasaß, war ein absoluter Höhepunkt.

Wobei wir dann auch schon bei der einzigen Kritik wären - mit den zweieinhalb Stunden. Dies war wohl die kürzeste Aufführung des Stücks, die die Gruppe bisher hatte (auf Zug gespielt). Leider hat sich die Länge eben manchmal auch negativ ausgewirkt. Es gab im zweiten Teil des Stücks hin und wieder kleine Längen, Stellen, wo ich dachte “Ja, jetzt könnte es aber bald aufhören”. Allerdings haben das alle durch ihre Komik und Bühnenpräsenz wieder wettgemacht.

Was mir auch gefiel: dass sich die Schauspieler auf/neben der Bühne umgezogen haben. Das hat sehr gut in die Atmosphäre des Stücks gepasst (außerdem war es ja Brecht, wie man uns wiederholt mitteilte) - ein ganz klein wenig hatte ich aber auch das Gefühl, das war ein bisschen für die Jungs. :D

Jedenfalls ein toller, toller Abend, der dann in einer Ballade auf die heldenhafte und reine Okichi ausklang, die es nie gegeben hat. Ich hoffe sehr, dass das the beginning of a wonderful Theaterpartnerschaft war. :)

 

(Übrigens, wen es interessiert: kleiner Artikel über die Eröffnungsrevue/Präsentation der Workshops und Stücke.)

 

Schülertheatertage Heidelberg - Ohrfeigen, Workshops und Kuchen

Momentan finden in Heidelberg die 24. Schülertheatertage im zwinger3, Heidelbergs Kinder- und Jugendtheater, statt. (Asuführliches Programm hier.) In drei Tagen ist mir dort so viel Schönes passiert - was ich jetzt versuchen werde, in einen Blogeintrag zu komprimieren - und am schönsten ist: noch ist es nicht vorbei. :)

Am Samstag und Sonntag habe ich an Lorenz Hippes Workshop “Lass mich doch in Frieden” teilgenommen, wo es um das Verfassen und Erarbeiten dramatischer Text ging. Da Theatertexte etwas sind, was ich meiner Ansicht nach eigentlich überhaupt nicht kann, habe ich mich kurzerhand für diesen Workshop eingetragen und es auch nicht bereut. Wir haben nicht viel Theorie gemacht, dafür aber viel geschrieben und am zweiten Tag auch viel gespielt. Das, was einen Theatertext ausmacht, habe ich bei Lorenz, glaube ich, ganz gut begriffen, und auch, dass das eigentlich gar nicht so weit weg ist von meinem sonstigen Schreiben. Damit experimentieren will ich auf jeden Fall. Ich freu mich sehr, dass ich den Workshop gewählt habe, auch wegen der anderen Teilnehmer und ein bisschen deswegen:

Zwei Minuten zweiundzwanzig. Ab zwei Minuten zweiundzwanzig geht gar nichts. Ich zähle die Sekunden und das fängt klein an, 1, 2, 3, aber bei 36 zuckt zum ersten Mal mein rechtes Augenlid und dann wird das Zuhören auch anstrengender, weil das Zählen wichtiger wird. 52, sagt der Kopf und ich mag keine Telefone mit Display, weil die das machen für mich, das Zählen, das machen die und dabei ist das doch meins.

Ausschnitt aus einem noch immer ganz rohen 3-Minuten-Text, der im Workshop entstanden ist. Was ich damit machen werde, weiß ich noch nicht, aber dass ich was damit mache, das weiß ich schon. Dafür liebe ich Workshops: dass sie einen Impuls geben, einfach mal zu schreiben.

Neben eigenen Texten haben wir auch Texte geschrieben, die aus sämtlichen Workshoptexten zusammengewürfelt waren, überlegt, auf welche Art und Weise man Texte zu einem Stück verbinden kann, geschrieben, gelesen, geschrieben, gespielt - und letztlich eine kleien Präsentation für die Eröffnungsrevue der Theatertage auf die Beine gestellt. Dass wir in zwei Tagen doch so viel geschafft haben, das war toll.

Die anderen scheinen aber auch viel Spaß gehabt zu haben, wie man während der Revue dann sehen konnte - wo nicht nur die Workshops dokumentiert, sondern auch die Stücke vorgestellt wurden. Da haben wir auch einen kleinen Einblick in das Stück unserer Partnergruppe bekommen, die Die Judith von Shimoda (Brecht, ein Stück, das erst 2006 entdeckt wurde, so weit ich weiß) inszeniert hat. Ich freu mich schon sehr darauf (Donnerstag/Freitag wird es da dann sicher Begeisterungsstürme hier von mir geben!)

Montags, also gestern, war dann unsere Aufführung, für die wir gleich nach der Schule losgefahren sind. Da wir nach dem Schleppen der Requisiten aber noch so viel Zeit hatten, haben wir uns zum “Kaffeeklatsch” begeben (kostenloser Kuchen! Koffein!), wo Didi Sachser dann - als Impulsgeber für die Kaffeeklatschdiskussion - einen Vortrag über Theaterspielflow gehalten hat, ein Phänomen, das zwar durch aus bekannt ist und auch bei anderen Kunstformen schon untersucht wurde, vor allem aber im Theater eine relativ unerforschte Sache ist (und was man durch Ohrfeigen angeblich wunderbar auslösen kann). War sehr interessant und der gute Mann bringt demnächst auch ein Buch darüber heraus. (Von dem ich leider vergessen habe, wie es heißt, aber ein bisschen Didi Sachser und Flow und Recherche…)

Die Aufführung war dann jedenfalls klasse. Unsere Partnergruppe war zwar nicht ganz geschlossen da, aber, wie sich im Nachgespräch herausstellte, auch ziemlich begeistert (vor allem von unserer Doppelbesetzung mancher Rollen, die den persönlichen Zwiespalt darstellt). Neuheit: Im zwinger gibt es hinter der Bühne Lautsprecher/Fernseher, damit man das Bühnengeschehen mitverfolgen kann. Vorher ging das ja nie so, aber da konnte man dann die ganze Aufführung in Bild und Ton mitverfolgen, was auch mal ganz spannend war.

Also: es war toll und morgen wird es noch mal toll. Wir werden uns morgen früh Der Meister und Margarita anschauen, und abends dann eben das Stück unserer Partnergruppe, die Judith von Shimoda. Aber jetzt erst mal: schlafen.

The Demon’s Lexicon oder Die Geburt eines Fandoms

Ich gebe zu, ich war in den letzten Tagen ziemlich schweigsam. Meine Ausrede dafür: ich war bei der Geburt eines neuen Baby Fandoms dabei! So was habe ich noch nie erlebt, aber es macht riesigen Spaß.

The Demon's Lexicon by Sarah Rees Brennan

Ein bisschen Vorgeschichte: Sarah Rees Brennan, deren Debüt-Fantasyroman am 2. Juni bei Simon & Schuster unter dem Titel The Demon’s Lexicon erschienen ist, ist nicht nur eine Autorin, sie ist ein Phänomen. Zumindest auf livejournal, wo sie seit gut sieben Jahren über ihr Leben, ihr Schreiben und Bücher bloggt. Als Autorin von einer guten Stückzahl Harry-Potter-FFs hatte Sarah eine enorme Fangemeinde, bevor sie überhaupt veröffentlicht wurde. Ihr Buch wurde ins Japanische, Finnische und Deutsche (Der Zirkel des Dämons) übersetzt, schon vor der Veröffentlichung gab es die Fancommunity marmalade_fish. Die Erwartungen an die junge Dame waren natürlich recht hoch. :)

Mich persönlich hat sie nicht enttäuscht. Als ich das Buch endlich in Händen hielt, habe ich Middlesex in einem Rutsch ausgelesen, um es endlich lesen zu können. Und ich habe The Demon’s Lexicon nicht nur einmal, sondern gleich zweimal hintereinander gelesen.

Nick und sein Bruder Alan sind seit Jahren auf der Flucht vor Magiern. Im Besitz ihrer Mutter, selbst eine Magierin und einst die Geliebte des Anführers eines der mächtigsten Zirkel, befindet sich ein Talisman, den der Zirkel unbedingt zurückhaben möchte. Als auch noch Jamie und Mae auftauchen, die Hilfe suchen, weil Jamie das Mal eines Dämons trägt, ist Nick nicht gerade begeistert - immerhin hat er selbst genug Probleme. Doch auch Alan wird gezeichnet und während Nick Jamie seine Hilfe erst verweigern will, werden sie schließlich in eine Sache hineingezogen, die viel größer ist, als sie dachten. Und am Ende kommt viel Wahrheit ans Licht, von der man sich wünscht, sie nie gesehen zu haben.

Fantasy ist toll. Leider glauben einem das wenige Leute, aber es ist ein Fakt - Fantasy ist nicht nur Zauberstabgefuchtel und Dämonen und fremde Welten. Wie The Demon’s Lexicon kann Fantasy in einer ganz normalen, alltäglichen Umgebung spielen. Sarah Rees Brennan erzählt nicht nur von Magiern und Beschwörungen; ihre Charaktere haben auch ganz andere Probleme. Wer bin ich? Wieso bin ich so, wie ich bin, was ist meine Beziehung zu anderen? Eben genau das, was jedes gute Buch ausmacht: Persönlichkeiten, Fragen und schlussendlich - Antworten. Nachdem ich schon von anderen gehört hatte, wie unerwartet das Ende sei, habe ich nur immer gedacht: “So unerwartet kann es doch gar nicht sein.” Es spricht für Sarah, dass es tatsächlich so unerwartet war. Ein weiterer Pluspunkt ist eindeutig die Figur, aus deren Sicht das erste Buch erzählt wird: Nick. Das größte Problem, dass sie beim Schreiben hatte, ist Sarah zufolge, eine Figur zu schreiben, die nicht liest. Dabei gibt es Dinge an Nick, die viel beunruhigender sein sollten. Dass er keine Empathie fühlt, zum Beispiel. Und obwohl er das nicht tut, entwickelt der Leser eine Empathie ihm gegenüber und auch gegenüber den restlichen Charakteren.

Genau deshalb fiel es mir so schwer, das Buch loszulassen, und genau deshalb habe ich es gleich noch mal gelesen. Ich kann dieses geniale Stück Fantasy wirklich jedem empfehlen. Neben toller Charakterisierung kann Sarah nämlich noch etwas: witzig sein. Ihre Dialoge sind einsame Spitze und man sollte, wenn man die Gelegenheit hat, das Buch in jedem Fall auf Englisch lesen. Aber eigentlich ist die Essenz dieser Rezension nur: LESEN.

(Und: danke, neues Baby Fandom, dass es dich gibt, mit all den tollen Menschen, die dich ausmachen!)

|