Mai 2009
M D M D F S S
« Apr   Jun »
 123
45678910
11121314151617
18192021222324
25262728293031

Middles*x

“I was born twice: first, as a baby girl, on a remarkably smogless Detroit day of January 1960; and then again, as a teenage boy, in an emergency room near Petoskey, Michigan, in August of 1974.”

Middlesex

Das ist der erste Satz von Jeffrey Eugenides’ Roman Middles*x. Und weil er so schlichtweg genial ist, war ich so frei, ihn auch zu meinem ersten Satz zu machen. Ehrlich: wenn ein Buch schon so anfängt, was kann dann noch schief gehen?

Dieses Buch war eine Reise. Ich habe auch nicht gerade kurz gebraucht, um es auszulesen, was nicht alleine an den mehr als 500 Seiten liegt. Middles*x ist gefüllt mit kleinen Details, einer großen Geschichte - vom Griechenland der 1920er Jahre in die USA der 50er, 60er… bis ins Berlin der heutigen Zeit, von wo aus der Protagonist, Cal Stephanides, nicht nur von seinem Leben erzählt, sondern auch von dem seiner Eltern und Großeltern. Als allwissender Erzähler hat er Einblick in jede Persönlichkeit, geht er allen Gedankengängen nach und macht sie so dem Leser verständlich. Alles, was die Charaktere tun, war in meinen Augen absolut nachvollziehbar. Ihr Schmerz war mein Schmerz, ihre Freude meine Freude, ihre Abscheu, ihr Hass, ihre Unsicherheit - all das war auch meins und wenn das bei einem Buch so ist, dann hat der Autor es geschafft. :)

Und während der Sunday Telegraph den Roman einen “Triumph” nennt, bemängelt Ulrich Greiner in seiner Rezension in der ZEIT, ein Ziel oder eine logische Begrenzung der Geschichte seien nicht zu erkennen. Ich persönliche klappe ein Buch auf, weil ich eine Geschichte erzählt bekommen möchte, am liebsten eine, von der man merkt, dass der Autor sie liebt, wie das bei Middles*x der Fall ist. Ja, die ganze Handlung hat eine Zwangsläufigkeit - aber keinesfalls eine Vorhersehbarkeit, nicht im negativen Sinne. Oftmals konnte ich das Buch kaum aus der Hand legen, manchmal habe ich gedacht “noch ein Kapitel” und dann wurden es doch zwei. Faszinierende Sprache, komische Szenen (”‘Whoever named it morning sickness was a man,’ Lina declared. ‘He was just home in the morning to notice.’” Um nur eines von vielen Beispielen zu nennen.) und ein immenses Detailwissen des Autors haben mich so an sein Buch gefesselt.

Ich kann nur immer wieder begeistert rufen: lest dieses Buch! Wer kann, auf Englisch, weil ich mir nicht vorstellen kann, dass all der Zauber ins Deutsche gerettet werden konnte. Ich werde mir auf jeden Fall Eugenides’ Virgin Suicides kaufen, ebenso seine Erzählungen Air Mail. Und egal, was der Mann noch schreibt, er kann sich sicher sein, dass immer wenigstens ein Exemplar weggehen wird.

2 Antworten auf “Middles*x”

  1. Thomas (Roderich) sagt:

    Hallo Franzi,

    ich habe “Middlesex” vor Jahren auf Englisch gelesen; es ist ein wirklich geniales Buch. Mehr habe ich von Eugenides selbst noch nicht gelesen, bin aber schon gespannt darauf, ob du seine weiteren Werke ebenfalls empfehlen kannst. Im Moment habe ich mir ja selbst ein Bücherkauf-Embargo auferlegt, da ich erst mal ein paar Altlasten abarbeiten muss (ca. 30 Bücher …), aber ich hoffe doch, dass ich dann nächstes Jahr wieder in die Vollen gehen kann und dann sind gute Tipps natürlich wertvoll.

    Liebe Grüße

    Thomas

  2. Franziska Kurtz sagt:

    Hallo, lieber Thomas. :)

    Freut mich, dass du dich meldest. Ich bin auch schon gespannt auf mehr von Eugenides, aber momentan hab ich auch ein selbst auferlegtes Bücherkaufverbot, weil für den Führerschein auch noch was übrig bleiben muss, du verstehst.

    Aber ich werde auf jeden Fall immer gewissenhaft über meine Lektüre bloggen, sei unbesorgt!

    Lieben Gruß,
    Franzi

Antwort schreiben