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Mein Großvater war ein Kirschbaum

Mein Großvater war ein Kirschbaum

“Fühlst du dich nicht wohl, Großvater?”, fragte ich.

“Es geht mir gut, aber ich habe einen Stachel hier drin”, antwortete er und deutete auf sein Herz.

Der kleine Tonino versteht nicht, was der Großvater damit meint oder wie der Stachel überhaupt in dessen Herz gekommen ist. Er fragt sich, ob der Großvater wohl etwas Stachliges gegessen hat und der Stachel bis zu seinem Herzen gewandert ist.

Den Stachel im Herzen hat der Großvater aber, weil sie ihm sein Land wegnehmen wollen, um die Straße zu verbreitern. Sein Land, das ist der Gemüsegarten mit dem Misthaufen in der einen Ecke und dem Kirschbaum Felice in der anderen - der zusammen mit Toninos Mutter großgeworden ist. In diesem Baum klettert Tonino todesmutig herum, wie auch seine Mutter als Kind schon darin herumgeklettert ist - nur dass der Baum da noch viel kleiner war - und der Kirschbaum wird zu einem echten Freund.

Die Geschichte beginnt, als Tonino kurz vorm Schulanfang steht. Als seine Großmutter Teodolinda stirbt, sagt ihm der Großvater Ottaviano, der von nun an alleine auf dem Land lebt, sie habe sich in eine Gans verwandelt, genau so eine wie die Gans Alfonsina, die sie so gern mochte. Tonino findet das schön, überhaupt mag er den Großvater, und als er einige Wochen bei ihm auf dem Land verbringen darf, damit er nicht so einsam ist, ist Tonino überglücklich. Jeden Morgen gibt es Zabaione mit einem Schuss Rotwein, was Toninos Mutter ganz entsetzt aufnimmt. Tonino weiß aber zu kontern.

“Großvater hat mir erzählt, du hättest als kleines Kind auch immer Wein bekommen, damit du wächst. Ansonsten wärest du der Korkstöpsel geblieben, der du bei deiner Geburt warst.”

“Ich - ein Korkstöpsel!”, schrie Mama beleidigt. […]

In diesem wunderschönen Stil ist das ganze Buch geschrieben. Es hat einen tollen naiv-kindlichen Ton, da es aus der Sicht des kleinen Tonino erzählt wird, der mitansieht, wie es seinem Großvater immer schlechter geht, und der schließlich auch, nicht lange nach dem Tod seiner Lieblingsoma, stirbt. Loben muss man eindeutig auch die Übersetzerin, Rosemarie Griebel-Kruip, durch deren Übersetzung die Geschichte auch im Deutschen einen sehr schönen Klang hat.

Dieses Buch habe ich meiner kleinen Schwester geschenkt, nachdem unser Großvater (zu allem Unglück an ihrem Geburtstag) gestorben war. Und da sie mir erzählt hat, wie gut ihr die Geschichte gefällt und Kinder bekanntlich die kritischsten Leser sind, sollte das wohl auch noch Erwähnung hier finden. Ein zartes Buch mit Sterben, aber nicht ausschließlich über das Sterben, und ganz sicher auch nicht nur für Kinder. Man verpasst ganz viel, wenn man keine Kinderbücher liest. :)

5 Antworten auf “Mein Großvater war ein Kirschbaum”

  1. Ann-So sagt:

    Dem letzten Satz stimme ich voll und ganz zu.
    Das hört sich nach einer sehr schönen Geschichte an. Traurig, aber schön.

  2. Franziska Kurtz sagt:

    So traurig ist es gar nicht mal - was bestimmt daran liegt, dass mit Tonino ein Kind erzählt. :) Als sein Großvater stirbt, stellt er sich vor, der wäre immer kleiner und kleiner geworden, bis er so leicht wie eine Feder war, und dann zu seiner Großmutter geflogen. Das ist doch toll, oder?

  3. Ann-So sagt:

    Ja, das ist wirklich schön. Wie alt ist er denn überhaupt, als sein Opa stirbt?

  4. Franziska Kurtz sagt:

    Er müsste wohl so sieben sein. Da er ja da sein erstes Jahr in der Schule hat. :)

  5. Ann-So sagt:

    Ah ach so.
    Hm, ich war auch fast so alt, 8 Jahre, als mein Opa gestorben ist.

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