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Archive für 2.5.2009

Von Texthängern, Nachtzügen und offenen Enden

Antigone by Marie Spartali Stillman Nachdem wir am Montag (eine ziemlich entsetzliche) Generalprobe hatten und schon um die Aufführungen gebangt haben, hat Sophokles’ Antigone doch am Dienstag und Mittwoch wahnsinnig viel Spaß auf der Bühne gemacht. Der ein oder andere Patzer wurde noch elegant gerettet und insgesamt waren es drei wunderschöne Tage.

Mit dem Stück sind wir in Vertretung unserer Schule auch am 15.06. im Rahmen der Schultheaterwoche in Heidelberg im zwinger zu sehen; wenn sich jemand dafür interessiert: einfach fragen, dann gibt es Näheres.

 

Nachtzug nach Lissabon

Inzwischen habe ich auch - trotz Theaterstress - den Nachtzug nach Lissabon von Pascal Mercier fertig gelesen. Als Klappentext findet man unter der Zusammenfassung auch Auszüge aus zwei Buchrezensionen:

“[…] Geradezu atemlos liest man dieses Buch, kann es kaum aus der Hand legen.” (Die Welt)

“Ein Bewusstseinskrimi mit Tiefgang und ohne Gewähr. Ein beeindruckendes Buch.” (Die Zeit)

Während ich mit der zweiten Aussage vollkommen übereinstimme, muss ich zu der ersten leider sagen: es hat sich wahnsinnig gezogen. Nein, es war nicht schlecht, aber das Einlesen war schwerfällig und langwierig und hätte ich nicht so die Zähne zusammengebissen und mein ganzes Durchhaltevermögen hervorgekramt - ich hätte es vorzeitig abgebrochen.

Mir war schon anfangs klar, dass diese Geschichte sich zu einer guten entwickeln würde, allerdings macht es einem die Tatsache, dass man den Protagonisten, Gregorius, zu Anfang kaum kennt, sehr schwer. Die Nachvollziehbarkeit seiner Handlungen ist strittig, was man ja noch verzeihen könnte, da das für ihn selbst nicht anders ist, aber ich war bei seinem großen, lebensverändernden Entschluss, nach Lissabon zu gehen, einfach noch nicht mal im Ansatz tief genug in seine Persönlichkeit eingetaucht. Mit der Zeit habe ich ihn sehr liebgewonnen und seine Geschichte mit mildem Interesse verfolgt. Damit kam auch die Atemlosigkeit, so ab der Hälfte, bzw. dem dritten Drittel. Während ich da also endlich hineingefunden hatte in das Buch, kam das Ende schon fast zu schnell. Und noch ein Schlechtes hatte für mich das Ende: es war zu offen. An sich habe ich nichts gegen offene Enden, aber ich habe ein bisschen das Gefühl, der Autor wäre es mir schuldig, das Ganze geschlossener zu gestalten, vor allem wenn ich seiner Figur mit so viel Ausdauer über fünfhundert Seiten gefolgt bin. Was mich auch störte: der radikale Entschluss (Achtung, Spoiler - auch wenn das wohl eher irrelevant ist), nun doch nicht zurück nach Lissabon zu gehen, sobald Gregorius in Bern wieder “fertig” ist, sondern nach Salamanca. Wo er nur diese eine Frau kennt, seit einem einzigen Tag, und in Lissabon so viel mehr gefunden hat, wo ihn die erste Verrücktheit seines Lebens hingetrieben hat. Ich fand es schade.

Dennoch - kein schlechtes Buch. Aber trotz vieler schöner Momente und Tiefgang wird es wohl nie zu einem meiner Lieblingsbücher zählen. Trotzdem bin ich froh, bis zum Ende durchgehalten zu haben. :)

Oh, und hab ich schon erwähnt, dass man unsere Anthologie inzwischen auch auf der Seite des tja bewundern kann?

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