Endlich durch. Es hat ewig gedauert, bis ich die Trilogie auf Englisch durch hatte - was nicht daran liegt, dass ich langsam lese oder dergleichen. Ich hatte nur immer dann, wenn ich am liebsten lese, nie Zeit dazu (soll heißen: entweder abends vorm Schlafen oder morgens gleich nach dem Aufstehen).
Aber jetzt, wo ich fertig bin, wäre es mir am liebsten, es wäre längst noch nicht vorbei. Trudi Canavan ist so eine Autorin, die Figuren schreibt, die ich nie wieder loslassen möchte. Und die ich unbändig liebe. Und es kann sehr gut sein, dass jetzt ein paar Spoiler kommen, aber ihr seid gewarnt.
Was mich am ersten Buch ein wenig stört, ist das langwierige Versteckspiel, während dem Sonea vor den Magiern wegläuft. Das ist ein bisschen à la Everlasting Camping Trip in Deathly Hallows. Canavan löst das aber geschickt, indem sie die Geschichte (ganz im Gegensatz zu Rowling) nicht nur aus einem, sondern aus mehreren Blickwinkeln erzählt. Dabei finde ich es faszinierend, wie jeder davon so glaubwürdig scheint.
Das zweite Buch ist irgendwie das, das bei mir am wenigsten hängen bleibt. Das war schon so, als ich die Trilogie auf Deutsch gelesen habe. Aber es ist eben ein wichtiges Buch, weil es auf die finalen Geschehnisse im dritten hinarbeitet. Der Hauptfokus liegt auf den Konflikten zwischen den Novizen und Sonea, während im Hintergrund die ganze Geschichte mit dem Hohen Lord, der schwarzen Magie und der davon ausgehenden Bedrohung vor sich hin brodelt.
Im dritten Buch verschiebt sich das dann - Letzteres rückt in den Vordergrund, die Dinge, die vorher wichtig schienen, geraten in den Hintergrund. Das dritte Buch ist, ganz ehrlich, mein absoluter Liebling in der Trilogie. Man kennt die Charaktere schon, kann sich mit den Geschehnissen identifizieren; was besonders toll ist, ist, dass Canavan hier nicht alle Fantasy-Klischees zum Einsatz bringt, die ihr noch einfallen könnten, wie das manchmal so der Fall ist. Und ganz wichtig: sie zögert nicht, ihre Figuren auch umzubringen. Das ist eine Sache, für die ich viele Autoren verfluchen könnte, obwohl ich sie gleichzeitig dafür liebe. Es ist völlig surreal, dass in einem Krieg alle einfach nur Glück haben und wie durch ein Wunder überleben, vor allem, wenn sie kräftemäßig absolut unterlegen sind. Ich hab wieder weinen müssen - ich mag Bücher, bei denen ich weinen muss. :)
Wofür ich Canavan auch sehr dankbar bin, ist das Aufräumen mit dem “Keine Homosexuellen”-Klischee. Es ist nur ein Nebenstrang, der die Geschichte von Dannyl und Tayend erzählt, aber meiner Meinung nach ein sehr guter. Das sorgt auch dafür, dass Kampf/Action und ruhigerem Plot/Romanze eine schöne Ausgewogenheit besteht.
Ich würde sagen, die Black Magician Trilogy sollte jeder Fantasy-Fan gelesen haben. Als nächstes lese ich wohl Knife von R. J. Anderson - oder, wenn es vor meiner Abfahrt nach Oppenheim (Schreibworkshop!) noch ankommt, Nachtzug nach Lissabon.