Leon Czolgosz - das ist eine der Figuren des Musicals Assassins, der Attentäter, der am 6. September 1901 den amerikanischen Präsidenten McKinley erschossen hat. Mein erster Gedanke, als ich im Booklet von ihm gelesen habe, war: schöner Name. (Ja, ich habe eine Schwäche für polnische Namen.) Und weil ich von Natur aus eine bestimmte Wissbegierde habe, habe ich angefangen, ein bisschen über Czolgosz zu recherchieren. Was dabei herauskam, waren einige interessante Infos und vor allem die Erkenntnis: ich mag diesen Menschen. Es ist etwas, das über einen Anflug von Interesse hinausgeht, und jetzt bin ich an ihm irgendwie hängen geblieben. Das Attentat an sich will ich damit auf keinen Fall schönreden, aber dieser Czolgosz war offensichtlich jemand mit starken moralischen Grundsätzen, der es als seine “Pflicht” (“I done my duty”) ansah, den Präsidenten, den er als “enemy of the good working people” bezeichnete, zu töten. Er war Sohn und Bruder, einfacher Arbeiter, Anarchist. Und er ist eine von den Personen, die in mir irgendwo den Wunsch wecken, sie auch anderen näher zu bringen.
Lyrik - das ist eine Sache, die ich unglaublich liebe, aber auch schon unglaublich lange nicht mehr gemacht habe. Aber ich würde gern. Und mein Thema habe ich gefunden. Mein einziges Problem: was ich im Kopf habe, das sind nur Gedankenfetzen, die so eingerissen sind, dass sich daraus nichts formen lässt. Es fällt mir nicht mehr so leicht wie früher, Metaphern zu greifen und kompakt in ein paar Zeilen in Worte zu fassen. In Prosa geht mir das inzwischen leichter von der Hand, weil ich mehr Raum habe, alles auszufalten. Aber für Czolgosz will ich Lyrik, unbedingt.
Das hier ist sozusagen eine Kampfansage an mich selbst - ein klares Lass es nicht schleifen, Franzi. Zur Erinnerung gegen die Faulheit.
17.3.2009 bei 12:57
Liebe Franzi,
hast Du es schon einmal damit versucht, eine Prosaskizze anzufertigen, in der Du die Worte ersteinmal frei fließen lassen kannst? Wie bei einem Brainstorming könnten dabei Metaphern erscheinen, die Du erstmal ohne lyrische Zwangsgedanken festhältst. Wenn Du sicher bist, alles gesagt zu haben, nimmst Du die Skizze auseinander, ordnest, triffst formale Entscheidungen und destillierst die prosaischen Aussagen auf das Minimum an Wortmaterial.
Vielleicht ist das Dein Weg aus der lyrikbezogenen Schreibblockade.
Herzliche Grüße,
Sigmar
17.3.2009 bei 13:48
Lieber Sigmar,
vielen, vielen Dank für den Vorschlag. :) Das werde ich ganz sicher mal ausprobieren; schaden kann das auf keinen Fall.
17.3.2009 bei 16:31
Huhu Franzilein.
Du hast mich jetzt sehr neugierig auf Assasins gemacht, auch wenn ich es vorher schon interessant fand.
Und ich glaub an dich, dass du deine Art Schreibblockade bald überwindne wirst (lenkt dich das Forum etwa zu sehr ab?^^)
Liebe Grüße; Ann-So
17.3.2009 bei 16:41
Das ist die eher unwahrscheinliche Variante. Wenn ich schreibe, hat alles andere keine Daseinsberechtigung; ich brauch da schon meine Konzentration für.
Assassins ist übrigens wirklich empfehlenswert, habe es gestern zum zweiten Mal durchgehört. :)
Gruß
18.3.2009 bei 20:39
finde ich gut. erstens aufgegriffen an czolgosz (wirklich wundervoller name) und zweitens verpackt in lyrik. doch. aber sorgen mach dir ja keine darüber, dass metaphern schwerer greifbar sind. man bekommt immer mehr gefühl dafür, was schon gesagt, verbraucht oder abgestanden ist an beschreibung. es ist immer komplizierter, so nahe ans innerste heran zu schreiben, dass die wahrheit neu ist. oder die lüge. wünsche dir einen musenkuss.
19.3.2009 bei 18:20
Danke. Ich wünsche mir auch sehr einen Musenkuss. :) Ein Gefühl für Metaphern, habe ich - denke ich zumindest - schon. Sie wollen nur nicht mehr so gern aus meinem Kopf raus. Aber das wird, ich bin zuversichtlich. Ich will die Lyrik ja nicht ganz sein lassen.
Lieben Gruß