Februar 2009
M D M D F S S
« Jan   Mrz »
 1
2345678
9101112131415
16171819202122
232425262728  

la mer

Dass ich wenig produktiv bin, ist eine Tatsache. Dass ich ungern zu mehreren Wettbewerben den gleichen Text einschicke, ist eine andere. Und die letzte für diesen Eintrag relevante ist, dass es momentan mehrere interessante Wettbewerbe gibt, die aber nicht zum Sankt-Nimmerlein-Tag laufen. Und deshalb heißt es für mich: produktiv werden.

Ich will es versuchen. Meine größten Feinde im Wettlauf mit der Zeit: meine Müdigkeit. Meine Faulheit. Das Internet. Aber Müdigkeit ist auch nicht immer schlecht, weil ich beim Einschlafen (oder zumindest bilde ich es mir ein) hin und wieder die besten Ideen habe. So ist la mer entstanden, bzw. die ersten Szenen, die ich gebraucht habe, um rundherum noch ein paar Dinge drapieren zu können, die das ganze zu einer Geschichte machen. Man nehme eine Themenvorgabe (”An den Wassern”) und einen Wettbewerb. Herausgekommen ist was, und nachdem ich es noch ein bisschen kritisch beäugt habe, werde ich es wahrscheinlich einschicken. Aber erst mal:

ich bin süßwasser, sagt sie. und fügt hinzu: du bist salzwasser. die meisten menschen zieht es zum meer. manchmal bricht akzent ihre worte, nur ganz leicht, wie ein stein im fluss, an dem sich das wasser kurz stößt, bevor es darüber hinweg fließt.

wenn ich müde bin, geht sie hinunter zum bach und wenn sie zurückkommt, hat sie die rocktaschen voller glattgeschliffener steine. ich habe sie geküsst, sagt sie und legt sie mir an die wange. manchmal sind sie noch feucht und sie fühlen sich an wie kühle finger auf der haut.

die küche ist überschwemmt, sage ich, ich habe nasse füße bekommen. du bist empfindlich, sagt sie und stößt sich am pf. ich trage ihr handtücher in die küche hinterher. sie steht barfuß im wasser und wackelt mit den zehen und ich bekomme große lust, ihre sommersprossen zu zählen. jetzt haben wir unseren eigenen see, sie grinst, dass ich die lücke in ihrer oberen zahnreihe sehe. bring mal mehr tücher.

ich habe immer angst vor alltag, denn alltag ist grautag. die schönen tage sind die steintage mit dem vom gras feuchten rücken und den tropfen, die von ihrer haut perlen, ohne dass die sommersprossen schlierig werden. ich bin gar nicht ausgewandert, sagt sie. nein, ich bin nur weitergeflossen.

(Aus la mer, Februar 2009)

6 Antworten auf “la mer”

  1. Lis aus der Blogrolle sagt:

    Hallo Franzi,
    ich finde den Satz mit den Sommersprossen einsame Spitze.

    Liebe Grüße,
    die müde Lisanne

  2. Franziska Kurtz sagt:

    Liebe müde Lis,

    Danke, danke - und ich hoffe, du bist nicht mehr ganz so müde.

  3. nadja sagt:

    ich habe mir - frech wie ich bin - keine erlaubnis von dir geholt, um den text zu kritiseren und auch zu loben. man nehme zwei mailadressen, eine tastatur, einen text, einmal logik und einmal gefühl, einmal hintergrundmusik und eine maus. soweit so gut. ich drücke dich und lasse da: ich melde mich in den nächsten tagen mit einer antwortsmail, ja? hoffe, dir geht es gut und beglückwünsche dich zu deinem produktiv-werden-vorhaben. aber alles in maßen, madame, lass dich davon nicht zerreißen.

  4. Franziska Kurtz sagt:

    Erlaubnis musst du dir nicht holen, ich freue mich sehr über jede Kritik. Werde auch in den nächsten Tagen darauf antworten, aber sei schon mal bedankt!

    Produktiv werden sowieso in Maßen, weil ich so produktiv eh nicht werden kann, mich macht das immer ziemlich müde. Aber ich freue mich, ich freue mich wirklich und versuche, mich an meinen Vorsatz zu halten.

  5. saskia sagt:

    hallo franziska
    ich habe den text gelesen und fand ihn sehr ansprechend.
    du bist wirklich sehr talentiert und sehr produktiv mit deiner prosa und deinen gedichten.
    mach weiter so!!!
    macht ja nix dass du meinen kommentar schon kennst, ich schicke ihn trotzdem ab.
    saskia

  6. Franziska Kurtz sagt:

    Du bist zwar eine ganz schöne Nase, aber trotzdem danke. ;) War schön, dass du dich gemeldet hast.

Antwort schreiben