Ganz am Ende des letzten Jahres, nach einer Einschlaf-Idee, vielen Stunden mit einem zickigen OpenOffice und einem frustrierten “Ich will dich jetzt aber doch in den PC hacken” hatte ich eine Kurzgeschichte mit dem Arbeitstitel “Dreadlocks”, die weder klüger war als ich, noch so wie ich sie mir vorgestellt hatte. Aber weil ich Janus nicht aufgeben wollte und die guten Ideen manchmal eben doch erst später kommen, habe ich ihn noch mal komplett überarbeitet, mehr als eine Seite Inhalt und damit hoffentlich auch ein bisschen mehr Tiefe reingepackt und hoffe einfach mal, dass der Text inzwischen klüger als die Autorin geworden ist.
Ob das die finale Fassung ist oder nicht, wird sich noch zeigen, aber hier schon mal eine Kostprobe.
Janus sagt, er sei Künstler. Ich denke, Saufen, Rauchen und zu wenig Schlaf allein machen noch keinen Künstler. Aber ich versuche, nicht laut zu denken, schließlich verkaufe ich nur Brötchen.
Was machst du, frage ich. Er hebt den Blick und sieht mich ein wenig schief an. Ich trinke mir Mut an, sagt er. Wofür, frage ich. Mach mal die Augen zu, sagt er und ich höre das Quietschen vom Kunstlederbezug seines Barhockers, dann spüre ich seine Lippen auf meinen. Dafür, sagt er und: jetzt hast du was zu erzählen. Was denn, frage ich, dass ich mit ‘nem besoffenen Penner geknutscht habe oder was. Er lacht und schüttet sich sein Bier über.
Wir sitzen am Küchentisch und spielen Karten. Herzbube. Dreadlocks, sagt Janus, das würde zu deiner Augenfarbe passen. Janus glaubt, jeder Künstler braucht eine Frau, die man malen kann und die Paula heißt oder Agnes. Ich mag meine Haare, sage ich. Ich auch, antwortet Janus, du bist schön. Dann beißt er sich auf die Unterlippe und wirft mir ärgerlich seine Karten in den Schoß. Ich sammle sie auf und mische neu.
Das mach ich gern, sagt Janus, als er den Wagenheber aus dem Kofferraum holt. Ich denke, dass er eigentlich schon viel zu betrunken ist, um meinen Reifen zu wechseln, aber er geht in die Hocke und grinst zu mir hoch. Dann kippt er auf einmal vornüber und stößt mit der Schläfe gegen das Autoblech. Ich mach das wirklich gern, sagt er. Er lacht und schüttelt den Kopf wie jemand, den man gerade mit einem Eimer kaltem Wasser übergossen hat.
(Aus So was fragt man nicht, Dezember 2008 & Januar 2009)
26.1.2009 bei 19:22
Du weißt ja schon, was ich von dem text halte - die ersten beiden Sätze sind unschlagbar, wahnsinnig pragmatisch (aber irgendwie macht der nächste Satz das ein bisschen doof. Mit fällt gerade auf, dass wir beide das Kartenspielbild gerne benutzen :D
Wenn du magst, schreib ich noch mal ausführlich dazu auf, was mir auffällt.
Liebste Grüße von der totkommentiererin aus der Blogrolle
26.1.2009 bei 22:29
Liebe Lis aus der Blogrolle - ich hab auch schon überlegt, ob das nach dem Anfang den Anfang nicht irgendwie runterzieht. Anfänge sind der Tod des Geschichtenschreibers. :( Ich hoffe aber, es wirkt nicht zu doof.
Wenn du Lust hättest, was Ausführlicheres zu schreiben, würd ich mich natürlich freuen - Kritik ist mein bester Freund!
27.1.2009 bei 09:15
jaja….die Anfänge! Man wirft das Netz und fängt einen wunderbaren Fisch, ansonsten ist das Netz bis auf Beifang leer, bis man es erneut auswirft.
Gut. Mal sehen, wann ich dazu komme.